Militärs in Myanmar greifen zum Kriegsrecht | Aktuell Asien | DW | 14.03.2021
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Südostasien

Militärs in Myanmar greifen zum Kriegsrecht

Erst der Putsch, dann die Inhaftierung der De-Facto-Regierungschefin, nun die nächste brutale Maßnahme: Wie weit wollen die Generäle in Myanmar noch gehen?

Myanmar I Proteste in Yangon

Friedlicher Protest, doch das Militär reagiert

Die Junta in Myanmar hat nach neuen Protesten das Kriegsrecht in zwei Stadtteilen von Yangon (früher: Rangun) verhängt. Der Kommandeur in der Region Yangon erhalte entsprechende Vollmachten, um "effizienter die Sicherheit aufrechtzuerhalten sowie Rechtsstaatlichkeit und Ruhe zu gewährleisten", sagte ein Nachrichtensprecher im Staatsfernsehen.

Die Sonderbefugnisse gelten demnach in den Stadtteilen Hlaing Tharyar und Shwepyitha. Seit der Machtübernahme des Militärs Anfang Februar gehen die Menschen in dem ostasiatischen Land jeden Tag zu Zehntausenden auf die Straße. Die Sicherheitskräfte rücken mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition gegen die Demonstranten vor.

Bilanz des Wochenendes

Die Zahlen über die Opfer gehen in den Berichten erheblich auseinander. Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP und lokaler Medien sollen Militär und Polizei allein am Sonntag mehrere Dutzend Menschen getötet haben. AAPP sprach von mindestens 38 Opfern, als Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten in Yangon eröffneten. Beobachter bezifferten die Zahl am Montag noch deutlich höher. Das Nachrichtenportal Myanmar Now schrieb unter Berufung auf drei Krankenhäuser in einem Tweet von 59 Toten und 129 Verletzten allein in der ehemaligen Hauptstadt Yangon. Korrespondenten stuften den Sonntag als bisher blutigsten Tag seit dem Militärputsch ein. 

Bereits am Samstag waren mindestens 13 Todesfälle bekannt geworden. Der Staatssender MRTV berichtete, in der Stadt Bago seien ein Polizist getötet und drei weitere verletzt worden. Demonstranten hätten Steine geworfen und Steinschleudern benutzt.

Mitteilung der Zivilregierung

Die von der Armee abgesetzte Zivilregierung meldete sich über Facebook mit einer Ansprache an das Volk. Der amtierende Regierungschef Mahn Win Khaing Than kündigte an, die gesetzliche Grundlage dafür zu schaffen, "dass die Menschen das Recht haben, sich selbst zu verteidigen". Er sprach vom "dunkelsten Augenblick des Landes" und fügte hinzu, die "Morgendämmerung" sei aber nah. Mahn Win Khaing Than befindet sich auf der Flucht wie die meisten hochrangigen Vertreter der Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD). Die gestürzte De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi befindet sich im Polizeigewahrsam.

Die chinesische Botschaft in Myanmar rief dazu auf, die Sicherheit dort schnell wiederherzustellen. Die Lage vor Ort sei "sehr ernst". "Einige chinesische Fabriken wurden geplündert und zerstört, und viele chinesische Mitarbeiter wurden verletzt und eingesperrt", heißt es in einer Mitteilung der Botschaft auf Facebook. Deswegen sei eine Warnung an chinesische Bürger in Myanmar gerichtet worden.

ml/ehl (afp, rtr, dpa)

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