Migranten auf deutschem Hilfsschiff werden verteilt | Aktuell Europa | DW | 13.04.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Migranten auf deutschem Hilfsschiff werden verteilt

Das Tauziehen um die 62 Flüchtlinge an Bord des deutschen Rettungsschiffs "Alan Kurdi" ist zu Ende. Malta teilte mit, dass sich vier EU-Länder bereit erklärt hätten, die gestrandeten Migranten aufzunehmen.

Video ansehen 01:55

EU setzt Mission "Sophia" aus (27.03.2019)

Wie die Regierung in Valetta bekanntgab, werden die 62 Menschen nach Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg gebracht. Die Vereinbarung mit den vier Ländern sei durch Vermittlung der EU-Kommission zustandegekommen. "Keiner der Migranten wird in Malta bleiben", heißt es in der Verlautbarung der Regierung. Demnach übernimmt ein maltesisches Schiff die Flüchtlinge von der "Alan Kurdi" und bringt sie an Land. Das Rettungsschiff, das seit dem 3. April vor der Küste auf eine politische und humanitäre Lösung gewartet hatte, darf nicht in maltesische Gewässer einlaufen.

Bereits am Freitag hatten sich die Anzeichen dafür gemehrt, dass in den Fall Bewegung kommt. Frankreich sei bereit, 20 der geretteten Migranten aufzunehmen, erklärte der französische Innenminister Christophe Castaner nach einem Gespräch mit seinem maltesischen Kollegen Michael Farrugia. Neben Deutschland würden auch "mehrere andere europäische Partner" Migranten aufnehmen, damit sie in Malta an Land gehen könnten.  Das Bundesinnenministerium ließ ebenfalls am Freitag wissen, Deutschland werde bis zu 26 Menschen von dem Schiff übernehmen.

Die "Alan Kurdi" ist derzeit das einzig verbliebene private Rettungsschiff im Mittelmeer. Es wird von der Hilfsorganisation Sea-Eye aus Regensburg betrieben. Der Sprecher der Organisation, Gorden Isler, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, nach Signalen aus dem Auswärtigen Amt in Berlin gebe es "genügend Aufnahmebereitschaft in den EU-Mitgliedsstaaten". Derzeit befänden sich einschließlich der Crew 79 Menschen auf der "Alan Kurdi", die eigentlich für maximal 20 Personen zugelassen sei. Sie könnten zwar noch "ein paar Tage durchhalten", aber es herrsche Enge an Bord. Viele Gerettete hätten Angst vor der nächsten Schlechtwetterlage.

Lob für katholische Kirche

Isler lobte zugleich das Engagement der katholischen Kirche, namentlich des Münchner Kardinals Reinhard Marx. Ohne eine Spende des Münchner Erzbistums über 50.000 Euro hätte die "Alan Kurdi" nicht ihre jüngste Einsatzfahrt unternehmen können. Mit der Finanzhilfe habe es zu tun, "dass 64 Menschen gerettet worden sind". Die Kirche zähle zu den "letzten großen Verbündeten, die wir noch haben", sagte der Sea-Eye-Sprecher.

Die "Alan Kurdi" hatte am 3. April vor der libyschen Küste aus einem Schlauchboot 64 Migranten geborgen. Zuletzt wartete das Schiff auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Mehrere Staaten in Europa verweigerten dem Schiff die Einfahrt in einen Hafen. Zwei der geretteten Frauen wurden zwischenzeitlich aus medizinischen Gründen von maltesischen Patrouillenbooten übernommen und zur Behandlung an Land gebracht.

Rettungsschiff Alan Kurdi (sea-eye.org/Fabian Heinz)

Flüchtlinge harren an Bord der "Alan Kurdi" aus

Noch ein Notfall

Am Freitag gab es einen weiteren medizinischen Notfall auf dem Rettungsschiff. Wie Sea-Eye mitteilte, wurde ein Maschinist, der seit 24 Tagen an Bord war, wegen "zunehmenden Erschöpfungszuständen" und schweren Kreislaufbeschwerden vom maltesischen Militär an Land gebracht. 

Am Donnerstag hatten die Internationale Organisation für Migration (IOM) sowie das UN-Flüchtlings- (UNHCR) und -Kinderhilfswerk (UNICEF) in einer gemeinsamen Mitteilung "tiefe Besorgnis" angesichts der Situation auf dem Schiff geäußert. Es müsse absolute Priorität sein, Menschenleben im Meer zu retten und einen sicheren Hafen zu gewährleisten.

kle/mak (dpa, ape, kann, www.gov.mt)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema