#MeTwo dokumentiert Alltagsrassismus in Deutschland | Aktuell Deutschland | DW | 27.07.2018
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Ausgrenzung

#MeTwo dokumentiert Alltagsrassismus in Deutschland

Mesut Özil hat mit seiner Stellungnahme in Deutschland eine Debatte über Rassismus losgetreten. Auf Twitter berichten nun Menschen unter dem Hashtag #MeTwo, wie sie Tag für Tag Rassismus ausgesetzt sind.

Deutschland Muslime Integration (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln (Archivbild)

Wenn Sie einen vermeintlich ausländisch klingenden Namen haben, nicht hellhäutig genug aussehen, einer anderen Religion als dem Christentum angehören oder tatsächlich nicht in Deutschland geboren wurden, kann es Sie überall treffen:

 

  • an der Supermarktkasse
  • in der Schule

  • im öffentlichen Nahverkehr 

  • am Arbeitsplatz
  • bei der Wohnungssuche

Die Schilderungen der von Rassismus Betroffenen, die unter dem Hashtag #MeTwo gesammelt werden, machen einmal mehr deutlich, dass Aus- und Abgrenzung nicht nur von Menschen mit rechtem Gedankengut praktiziert wird, sondern in der Mitte der Gesellschaft stattfindet. Sei es bewusst und offen oder auf naive Weise unbedarft: Verletzend ist beides.

Ali Can ist Initiator des Hashtags #MeTwo - in Anlehnung an die Hashtag-Bewegung "MeToo" gegen sexuelle Belästigung. Mit dem Namen spielt Can auf beide Identitäten an, denen er sich zugehörig fühlt: die deutsche und die türkische. Seit seinem zweiten Lebensjahr lebt Can in Deutschland.

Zwar war Özils Anklageschrift der Auslöser für den Hashtag, doch Can geht es "nicht nur um Özil", wie er der Deutschen Welle sagte. "Es geht um jeden Deutschen mit Migrationsgeschichte." Analog zu einem zentralen Satz in Özils Stellungnahme sagt Can: "Wir werden als Deutsche gesehen, wenn wir erfolgreich sind, aber sobald wir einen Fehler machen, sind wir Migranten."

Deutschland Student und Autor Ali Can (picture-alliance/SvenSimon/M. Ossowski)

Ali Can hat #MeTwo ins Leben gerufen

Seit Mittwoch wurde der Hashtag "MeTwo" nach Zahlen des Monitoring Dienstes Buzzrank der Deutschen Presse-Agentur mehr als 62.000 Mal getwittert. Am Freitag wurde zeitweise sogar mindestens ein Tweet pro Sekunde mit dem Schlagwort abgesetzt. Auch Prominente oder Personen des öffentlichen Lebens teilen ihre Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus.

Can, der sich auf seiner Webseite als "ehemaliger Asylbewerber, Journalist, Redner, der Initiator der Hotline für besorgte Bürger" bezeichnet, fordert ein "neues Verständnis vom Deutschsein". Politiker sollten in Deutschland eine "konstruktive Streitkultur" etablieren, sagte der Buchautor und "Trainer für interkulturelle Toleranz" dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Hashtag-Bewegung habe gezeigt, dass es viele Menschen gebe, die schon sehr lange im Land lebten, ohne wirklich dazuzugehören.

Beklagt wird in den Beiträgen auf Twitter auch eine Doppelmoral, die unterschiedlichen Nationalitäten entgegengebracht wird.

Die Debatte erfährt viel prominente Unterstützung. Außenminister Heiko Maas forderte dazu auf, sich mit den geschilderten Geschichten auseinanderzusetzen - vor allem wenn man glaube, es gebe keinen Rassismus in Deutschland.

Dass es dennoch genügend Menschen gibt, die genau das nicht wahrhaben wollen, zeigt sich in den Reaktionen auf die geteilten Geschichten.

Er selbst habe aufgrund seines Namens in der Vergangenheit beispielsweise Probleme bei der Wohnungssuche gehabt, sagte Can. "Aus solchen Situationen erwächst ein Gefühl von Ausgrenzung, das integrationshemmend ist." Wenn alle Menschen, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen seien, diese Erfahrung teilten, werde aus der Flüchtlingskrise ganz schnell eine "Integrationskrise".

Can findet, dass seine Aktion bereits Wirkung zeigt. Dem Redaktionsnetzwerk sagte er: Ganze Menschengruppen würden etwa nach Terroranschlägen mit Argwohn betrachtet. "Davon wissen Menschen, die damit nicht jeden Tag zu kämpfen haben, oft gar nichts. Aus den Reaktionen auf all die MeTwo-Tweets lässt sich schon jetzt ablesen, dass sich das ändert."

Vereinzelt finden sich unter dem Hashtag auch positive Beispiele, wie das einer Klasse, die sich solidarisch hinter einen ihrer Mitschüler stellte. Diese Geschichten sind allerdings in der Unterzahl.

ust/uh (dpa, epd, dw, Twitter)

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