Merkel sieht gute Chancen für deutsche Wirtschaft in Indien | Aktuell Welt | DW | 02.11.2019
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Deutsch-indische Handelsbeziehungen

Merkel sieht gute Chancen für deutsche Wirtschaft in Indien

Kanzlerin Angela Merkel sieht in der deutsch-indischen Zusammenarbeit deutlich mehr Potenzial als bisher. Sie will das Visaverfahren für Fachkräfte erleichtern und ein neues Freihandelsabkommen mit der EU vorantreiben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf neue Verhandlungen der EU mit Indien über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit. "Wir brauchen einen neuen Anlauf für ein europäisch-indisches Freihandelsabkommen", sagte Merkel auf einer Veranstaltung der deutsch-indischen Auslandshandelskammer in Neu-Delhi. Sie habe darüber sehr ausführlich mit Ministerpräsident Narendra Modi gesprochen. Mit der neuen EU-Kommission solle es einen neuen Versuch für die 2013 ins Stocken geratenen Gespräche geben. Damals habe es Probleme gegeben, was das öffentliche Beschaffungssystem und die Landwirtschaft angeht.

Fachkräfte sollen leichter in Deutschland einreisen können

Merkel kündigte eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit an und warb um mehr indische Studenten, weil Deutschland mehr Fachkräfte brauche. Die Außenhandelskammern sollten ab März 2020 weltweit Kontaktstellen für potenzielle Fachkräfte werden. "Unser Vorschlag ist, dass die Außenhandelskammern bei der Rekrutierung Anlaufpunkte sind", sagte Merkel. In enger Abstimmung mit den Konsulaten sollten etwa Visa-Anträge vorbereitet werden. Deutsche Firmen beschweren sich seit langem über die langwierigen Visa-Verfahren für benötigte Mitarbeiter durch das Auswärtige Amt und das Innenministerium. Noch dieses Jahr solle es klärende Gespräche über das neue Verfahren mit der Wirtschaft geben, kündigte die CDU-Politikerin an. In einigen südlichen EU-Staaten waren über die Kammern bereits Fachkräfte angeworben worden.

Indien Neu Dehli | Angela Merkel bei Narendra Modi (Getty Images/AFP/P. Singh)

Bundeskanzlerin Merkel mit Premierminister Narendra Modi in Neu Delhi

Milliarde für die Infrastruktur

Deutschland werde zudem in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro für die Modernisierung des indischen Nahverkehrs bereitstellen. Merkel kündigte an, dass damit etwa 500 E-Busse und der Austausch von 2000 alten Diesel-Bussen finanziert werden sollen.

Merkel hatte bereits am Freitag gesagt, dass der indische Markt sehr viel Potenzial habe und dass sie auf Aufträge für deutsche Firmen etwa beim Ausbau der Infrastruktur in dem Land mit 1,3 Milliarden Menschen hoffe. So gebe es Gespräche über eine deutsche Beteiligung an den geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecken im Bahnsektor. Mehr Zusammenarbeit solle es auch im Digitalisierungs-, Innovations-, Gesundheits- und Landwirtschaftsbereich geben, sagte die Kanzlerin. Wirtschaftsstaatssekretär Christian Hirte bezeichnete vor allem die Zusammenarbeit deutscher Firmen mit indischen IT-Unternehmen als chancenreich.

Beim Klimaschutz und der innovativen Technologie würden Deutschland und Indien künftig stärker als bisher kooperieren, sagte Merkel.

Merkel in Indien (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Selfie beim Automobilzulieferer Continental

Merkel besuchte noch im Anschluss ein Werk des Automobilzulieferers Continental, der seit zehn Jahren mit Technologiepartnerschaften und Joint Ventures in Indien präsent ist. Continental beschäftigt mehr als 8000 Mitarbeiter an 15 Standorten. Darunter sind acht Werke für den indischen Markt und ein technisches Entwicklungszentrum, das globale Forschung unterstützt. Zum Abschluss ihres Besuchs in der indischen Hauptstadt informierte sich die Kanzlerin an einer solarbetriebenen Metrostation über Umwelt- und Energietechnik. An der Station kommen auch mit Batterien betriebene E-Rikschas zum Einsatz. 

as/ml (dpa, rtr)