Merkel: ″Die Welt wartet nicht auf uns″ | Deutschland | DW | 31.12.2017
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Neujahrsansprache 2018

Merkel: "Die Welt wartet nicht auf uns"

Die Bundeskanzlerin will 2018 schnell eine neue Regierung bilden und wünscht sich mehr gegenseitige "Achtung im umfassenden Sinne". Ein zentraler Gedanke ihrer letztjährigen Neujahrsansprache fehlt dieses Mal aber.

Angela Merkel sorgt sich um den Zusammenhalt in Deutschland. Schon lange habe es darüber nicht mehr so unterschiedliche Meinungen gegeben, sagte die Bundeskanzlerin in ihrer am Sonntag veröffentlichten Neujahrsansprache. "Manche sprechen gar von einem Riss, der durch unsere Gesellschaft geht." Die einen sagten: Deutschland sei ein wunderbares Land, stark und wirtschaftlich erfolgreich, mit einer weltoffenen und vielfältigen Gesellschaft. Die anderen sagten: Es gebe zu viele Menschen, die an diesem Erfolg nicht teilhätten, dass es zu viel Kriminalität und Gewalt gebe. Sie fragten sich, "wie wir die Zuwanderung in unser Land ordnen und steuern können".

Beides seien Realitäten, sagte Merkel: der Erfolg und die Zuversicht, aber auch die Ängste und Zweifel. "Für mich ist beides Ansporn."  Den Politikern sei der Auftrag gegeben worden, sich um die Herausforderungen der Zukunft zu kümmern und dabei die Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger im Auge zu haben. Diesem Auftrag fühle sie sich verpflichtet – auch und gerade bei der Arbeit daran, für Deutschland im neuen Jahr zügig eine stabile Regierung zu bilden. "Denn die Welt wartet nicht auf uns", fügte die deutsche Regierungschefin hinzu.

Soziale Marktwirtschaft als "unser Kompass"

Jetzt müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass es Deutschland auch in zehn oder 15 Jahren gut gehe. Das bedeute, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und ganz neue Jobs für die Zukunft zu schaffen. Unternehmen sollen laut Merkel noch mehr bei Forschung und Entwicklung in neue Technologien unterstützt werden, den Staat will sie zum "digitalen Vorreiter" machen.

Kanzleramt bei Nacht (picture-alliance/dpa)

Das Kanzleramt bei Nacht

Die Kanzlerin bezeichnete die soziale Marktwirtschaft als Leitgedanken, der auch in Zeiten des digitalen Fortschritts "unser Kompass" sein könne. Dabei seien Familien in den Mittelpunkt zu stellen und finanziell zu entlasten, damit sie Familienleben und Beruf "noch besser vereinbaren können". Es müsse auch eine "gute und würdevolle Pflege" ermöglicht und für gleichwertige Lebensverhältnisse gesorgt werden – "ganz gleich ob in der Stadt oder auf dem Land".

Europäische Werte "solidarisch und selbstbewusst" vertreten

Die Zukunft Deutschlands sieht Merkel "untrennbar" mit der Zukunft Europas verbunden. 27 Staaten müssten stärker denn je dazu bewogen werden, als eine Gemeinschaft zu handeln. Das werde die entscheidende Frage der nächsten Jahre sein. Es werde darum gehen, "ob wir Europäer in der globalen und digitalen Welt unsere Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten". Deutschland und Frankreich wollten gemeinsam dafür arbeiten, dass das gelinge.

Am Ende ihrer Neujahrsansprache nahm die Kanzlerin den Faden vom Anfang der Rede wieder auf. Das Ringen um richtige Antworten gehöre zu einer lebendigen Demokratie. Zu ihren Wünschen für das neue Jahr gehört demnach, "dass wir uns wieder stärker bewusst machen, was uns im Innersten zusammenhält". Dazu zählt Merkel, wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen und: "dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne".

Mehr Zusammenhalt und eine Stärkung der Demokratie hatte sich die deutsche Bundeskanzlerin auch schon vor einem Jahr gewünscht. Auf ein anderes Thema ging sie dieses Mal aber nicht ein: Terrorismus. Dieses Wort war vor zwölf Monaten unter dem Eindruck des Attentats auf einen Berliner Weihnachtsmarkt der prägende Gedanke ihrer Neujahrsansprache 2017.

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