Merino-Boom | Nahaufnahme - Die aktuelle Reportage | DW | 09.09.2019
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Nahaufnahme

Merino-Boom

Wolle von Merinoschafen wird immer beliebter - doch die Tiere werden gequält. Mit 88 Prozent ist Australien der weltweit größte Produzent. Das Tierwohl spielt auf den allermeisten australischen Farmen keine Rolle.

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Um möglichst viel Wolle zu produzieren, sind die Schafe überzüchtet. Je mehr Hautfalten, desto mehr Wolle. Das Problem: Hautfalten sind Angriffsziel für Fliegenmaden. Um das zu verhindern, werden Lämmern Falten um den After weggeschnitten - meist ohne Betäubung. Das Verfahren heißt Mulesing, benannt nach seinem Erfinder John Mules. Fast 90 Prozent der Wolle Australiens stammt von auf diese Weise verstümmelten Schafen. Filmemacherin Joanna Michna spricht mit Farmern und Insidern in Australien, mit Mulesing-Verfechtern und mit Schafzüchtern, die ihre Tiere durch alternative Methoden schützen. 75 Prozent der australischen Wolle geht nach China zur Weiterverarbeitung. Gelingt es dort, dass die Wolle von verstümmelten und nicht verstümmelten Schafen nicht vermischt wird? Wie kann man als Verbraucher in Erfahrung bringen, ob für ein Produkt Tiere leiden mussten? Die Filmemacherin gibt sich als Kundin aus und macht den Test. Sie fragt deutsche Händler und Label, ob sie wissen, welche Wolle in ihren Produkten steckt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von 34 angeschriebenen Unternehmen kann keiner auf eine transparente Lieferkette hinweisen. Und auch die bekannten Zertifikate bringen keine Klarheit in Sachen Tierwohl.