Mehr Menschen denn je auf der Flucht | Aktuell Welt | DW | 18.06.2021
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UNHCR-Flüchtlingsbericht

Mehr Menschen denn je auf der Flucht

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist 2020 trotz der Corona-Pandemie auf einen Höchststand von mehr als 82 Millionen Menschen gestiegen. Rund 42 Prozent der Vertriebenen sind laut UNHCR jünger als 18 Jahre.

Indien | Rohingya-Flüchtlingslager in Neu-Delhi

Geflüchtete Rohingya in einem Lager

Ende 2020 waren so viele Menschen wegen Konflikten, Verfolgung und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben, wie Deutschland Einwohner hat: 82,4 Millionen. Auch der Klimawandel treibe immer mehr Menschen in die Flucht, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr überleben könnten, heißt es im neuen Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Im Vergleich zu 2019 ist das laut UNHCR ein Anstieg der Geflüchteten um fast drei Millionen Menschen - und im Vergleich zu vor zehn Jahren eine Verdopplung. Insbesondere die Zahl der Binnenvertriebenen nahm zu. Deutlich mehr als die Hälfte der Menschen auf der Flucht suchte im eigenen Land eine neue Bleibe. Wer ins Ausland flüchtete, blieb vor allem in den Nachbarländern (fast 86 Prozent).

Weltspiegel 20.05.2021 | Spanien Ceuta Abschiebungen

Flüchtlinge aus Marokko versuchen, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen (Archivbild)

"Hinter jeder Zahl steht eine Person, eine Geschichte der Vertreibung, Enteignung und des Leids", sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. "Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung, nicht nur durch humanitäre Hilfe, sondern auch dadurch, dass wir eine Lösung für ihre Not finden." Die Zahl der Geflüchteten sei hoch, aber die Welt sei in der Lage, ihnen zu helfen, betonte Grandi. Mauern zu errichten oder Boote auf hoher See zurückzuschicken, löse die Probleme nicht.

UNHCR sieht kaum Chancen für Verbesserung

Trotz Corona und der damit verbundenen Beschränkungen seien die Flüchtlingszahlen gestiegen, betonte der UN-Hochkommissar. Zur Eindämmung der Pandemie hatten im vergangenen Jahr zahlreiche Länder ihre Grenzen geschlossen, dabei waren laut UN viele Grenzen auch für Schutzsuchende nicht mehr durchlässig.

Video ansehen 00:41

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi zu steigenden Flüchtlingszahlen

Grandi sieht wenig Anzeichen für eine Verbesserung der Lage. Keine der alten Krisen, wie in Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Jemen sei gelöst. Zudem zwangen auch eine Reihe neuer Konflikte zahlreiche Menschen in die Flucht: etwa in der äthiopischen Region Tigray und im Norden Mosambiks.

Chris Melzer, Pressesprecher von UNHCR Deutschland, verwies auf Aussagen geflüchteter Eltern: "Vergesst uns, wir sind eine verlorene Generation. Aber tut etwas für unsere Kinder - vermittelt ihnen Bildung, gebt ihnen eine Chance." Natürlich werde man die Elterngeneration nicht aufgeben, sagte Melzer der Deutschen Welle. Aber in der Tat sei Bildung ein Schlüsselfaktor.

Kinder und Jugendliche überproportional betroffen

Mehr als zwei Drittel der in den vergangenen Jahren ins Ausland Geflohenen stammen aus nur fünf Ländern: Syrien (6,7 Millionen), Venezuela (4 Millionen), Afghanistan (2,6 Millionen), dem Südsudan (2,2 Millionen) und Myanmar (1,1 Millionen). Deutlich überrepräsentiert unter den Flüchtenden sind junge Menschen unter 18 Jahren. Minderjährige machen rund 30 Prozent der Weltbevölkerung aus, unter den Geflüchteten sind es aber 42 Prozent. Eigene Schätzungen des UNHCR gehen davon aus, dass allein zwischen 2018 und 2020 fast eine Million Kinder als Flüchtlinge geboren wurden. Viele von ihnen würden jahrelang nichts anderes kennenlernen.

Griechenland Flüchtlingslager Samos

Hinter Stacheldraht: Flüchtlinge auf der griechischen Insel Samos (Archivbild)

Mit rund 3,7 Millionen Vertriebenen beherbergt die Türkei laut UNHCR nach wie vor die meisten Flüchtlinge weltweit, gefolgt von Kolumbien (1,7 Millionen), Pakistan und Uganda (jeweils 1,4 Millionen). In Europa nahm Deutschland mit 1,2 Millionen Geflüchteten die meisten Menschen auf. Die Zahl derer, die 2020 hier ankamen, sank nach Angaben des UNHCR allerdings das vierte Jahr in Folge deutlich. Mit 102.600 neuen Asylanträgen verzeichnete die Bundesrepublik die seit Jahren geringste Zahl.

qu/rb (dpa, afp, epd, kna)

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