Mehr Erziehung zur Demokratie an deutschen Schulen gefordert | Deutschlehrer-Info | DW | 15.11.2018
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Deutschlehrer-Info

Mehr Erziehung zur Demokratie an deutschen Schulen gefordert

Ein respektvoller Umgang, lernen, wie eine Debatte funktioniert, Mehrheiten finden: All das kann Teil des Schulunterrichts sein. Nur finden Lehrer das auch wichtig? Und haben sie etwas darüber in ihrem Studium gelernt?

In deutschen Schulen kommt das Thema Demokratie nach einer Studie zu kurz. Die Lehrer befassten sich damit in ihrer Ausbildung kaum, heißt es in einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zur schulischen Demokratiebildung. Nur rund 16 Prozent der Befragten hätten sich mit Demokratievermittlung im Studium intensiv befasst.

Nach der repräsentativen Studie, in der 1200 Lehrerinnen und Lehrer befragt wurden, hat Demokratiebildung in der Schule nur für jeden zwanzigsten Lehrer einen hohen Stellenwert. In der bundesweiten Internetbefragung von November und Dezember 2017 maßen fast 95 Prozent dem Thema mittelmäßige Bedeutung zu. Zwar gaben etwa drei Viertel an, in ihrem Unterricht demokratische Werte wie Respekt, Fairness und Gleichbehandlung zu vermitteln, doch nur 1,3 Prozent der Pädagogen nutzt laut Ergebnissen der Studie Unterrichtsmethoden wie Demokratiewochen oder Schülerparlamente, um Demokratie zu lehren.

Mehr Fortbildung und bessere Leitbilder

„Wir müssen die Lehrerschaft dabei unterstützen, sich für diese Aufgabe in Aus- und Weiterbildung die notwendigen Kompetenzen anzueignen“, sagte das Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, Brigitte Mohn. „Hier sind die Länder gefragt, um entsprechende Qualifizierungsangebote auszubauen.“ Zum Ausbau der schulischen Demokratievermittlung sei es wichtig, dass das Thema ins Leitbild der Schulen einfließe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte unterdessen Verbesserungen in der Lehrerausbildung und -fortbildung. „Das Thema Demokratie in der Schule spielt in der Lehrerausbildung an den Unis eine viel zu geringe Rolle. Das muss sich ändern“, sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Politische Bildung müsse von den frühkindlichen Angeboten bis in die Berufsschulen eine Rolle spielen. „Auch in der Kita können Kinder schon Demokratie üben und kleinere Fragen mitentscheiden“, sagte Tepe. Mit Blick auf die Lehrerfortbildung erklärte die Gewerkschafterin: „Fast alle Bundesländer haben die Fortbildung von Lehrern zurückgefahren. Da gilt das Motto: Jede Unterrichtsstunde, die nicht ausfällt, zählt – auch wenn dann niemand mehr zu Fortbildungen gehen kann.“ Für Tepe kommt das Thema „Demokratie in der Schule“ im Fortbildungsangebot zu kurz. Dies sei „kurzsichtig und falsch“, unterstrich die Gewerkschafterin.

Scheinheiligkeit vorgeworfen

Auch die Lehrergewerkschaft VBE mahnte mehr Unterstützung für die Pädagogen an: „Lehrkräfte brauchen Zeit und Gestaltungsspielräume, um Werte zu vermitteln und Demokratie erlebbar zu machen“, erklärte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Udo Beckmann, am 15. November. Von der Politik werde der Ruf schnell laut, dass Schule mehr Demokratiebildung betreiben müsse. Das sei jedoch scheinheilig, solange die Ressourcen dafür verweigert würden. Die Umsetzung gelinge dann besonders gut, wenn diese Ziele im Schulalltag etwa in Form von Projektwochen und Workshops ausgestaltet würden.


epd; KNA; mk/sts

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