Mehr als 10.000 Bauten im Westjordanland vom Abriss bedroht | Aktuell Nahost | DW | 07.09.2015
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Aktuell Nahost

Mehr als 10.000 Bauten im Westjordanland vom Abriss bedroht

Da Israel im Westjordanland immer wieder die Zerstörung von Gebäuden von Palästinensern anordnet, schlagen die UN nun Alarm. Sie befürchten, dass sich Israel systematisch das betroffene Gebiet zuschlagen will.

Tausende Gebäude palästinensischer Einwohner im von Israel kontrollierten Teil des Westjordanlands sind nach Angaben der Vereinten Nationen vom Abriss bedroht. Israel habe zwischen 1988 und 2014 in den allein unter seiner Kontrolle stehenden Regionen, dem sogenannten C-Gebiet, in 14.000 Fällen die Zerstörung von Gebäuden oder Gebäudekomplexen angeordnet. Davon seien 11.000 Anordnungen noch in der Schwebe, hieß es in einem am Montag vom UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) veröffentlichten Bericht mit dem Titel "Bedroht". Insgesamt sind laut Ocha 17.000 Bauten betroffen.

"Welle von Hauszerstörungen"

Vor zwei Wochen hatten 31 internationale Organisationen, darunter Oxfam und Amnesty International, eine "Welle" von Hauszerstörungen im Westjordanland beklagt. Allein in einer Augustwoche seien 63 Bauten zerstört worden, 132 Palästinenser seien obdachlos geworden. Aber auch die reine Bedrohung mit Abrissverfügungen lähme das Gemeindeleben der Palästinenser, mahnte Ocha.

Systematische Aneignung von Palästinensergebieten?

Die dem Verteidigungsministerium unterstellte israelische Zivilverwaltung für die besetzten Gebiete (Cogat) reagierte zunächst nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme zu dem UN-Bericht. In früheren Fällen verwies die Cogat darauf, dass die Abrissverfügungen aufgrund fehlender Baugenehmigungen erlassen wurden. In den von Palästinensern bewohnten Gebieten der C-Zone sind solche Baugenehmigungen allerdings so gut wie nie zu erhalten: Voraussetzung ist ein Flächennutzungsplan, der von der Cogat nur für israelische Siedlungen erstellt wird.

Deshalb befürchten die UN und die Palästinensische Autonomiebehörde, dass die Behörden Planungsrecht und Hauszerstörungen systematisch einsetzen, um das in den Oslo-Verträgen definierte C-Gebiet langfristig Israel zuzuschlagen. Das Gebiet umfasst 60 Prozent des Westjordanlands, für einen Palästinenserstaat bliebe geografisch nur noch ein Flickenteppich übrig. Nach Angaben von Ocha leben in der betroffenen Zone derzeit rund 300.000 Palästinenser und 356.000 israelische Siedler, die nach und nach seit dem Sechstagekrieg von 1967 zuzogen.

chr/gri (afp)