Mehr als 100 Tote bei Gewaltwelle in Afghanistan | Aktuell Asien | DW | 12.11.2018
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Taliban auf dem Vormarsch

Mehr als 100 Tote bei Gewaltwelle in Afghanistan

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert. Anschläge in der Hauptstadt Kabul sowie in den Provinzen Farah und Gasni sind an der Tagesordnung.

Afghanistan Anschlag in Kabul (picture-alliance/AP Photo/M. Hossaini)

Allein bei diesem Anschlag auf einen Kontrollposten in Kabul starben sechs Menschen

Mehr als 100 Menschen starben zuletzt in Kabul und bei Gefechten in den Provinzen Farah und Gasni. Erst an diesem Montag griff in der Hauptstadt ein Selbstmordattentäter einen Kontrollposten der Polizei an.

Die afghanischen Sicherheitskräfte haben seit Monaten massive Schwierigkeiten, den Attacken der radikalislamischen Taliban standzuhalten. Alleine im November überfielen diese mindestens sechs Militärbasen im ganzen Land. Die Regierung kontrolliert nach Angaben des Militärs nur noch etwas mehr als die Hälfte aller Bezirke des Landes. Das ist der niedrigste Wert seit beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2015. Zusätzlich destabilisiert auch der sogenannte "Islamische Staat" mit seinen Anschlägen das Land.

Sicherheitskräfte in desolatem Zustand

Zudem schaffen es die afghanischen Sicherheitskräfte laut einem neuen Bericht des Sonderinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan nicht mehr, ihre personelle Stärke zu halten. Sie liege rund 40.000 Mann unter ihrer Zielstärke von 352.000 Soldaten und Polizisten.

BdTD Afghanistan Sicherheitskräfte bei einer Übung in Nangarhar (picture-alliance/dpa/Xinhua/S. Safi)

Afghanische Sicherheitskräfte bei einer Übung - dennoch sind viele nicht ausreichend qualifiziert

Experten schätzen, dass rund ein Drittel der Sicherheitskräfte so genannte Geisterkräfte sind - sie haben ihre Posten verlassen, wurden aber nicht von der Gehaltsliste gestrichen. Viele andere gelten als schlecht ausgebildet und unqualifiziert. Die Zahl der Taliban-Kämpfer liegt laut afghanischen Militärexperten bei rund 60.000.

Unsichere Bezirke

Besonders betroffen von den Taliban-Angriffen sind neben Kabul die Provinzen Farah und Gasni. An diesem Montag schickte das afghanische Militär zusätzliche Soldaten in zwei Bezirke der südostlichen Provinz Gasni, die mehrheitlich von der Hasara-Minderheit bewohnt wird. Kämpfer der Hasara und afghanische Sicherheitskräfte liefern sich seit dem vergangenen Mittwoch Gefechte mit den Taliban.

Mit ihrer Offensive wollen die Taliban offenkundig ihre Position in den Verhandlungen mit US-Vertretern verbessern. Die Hauptforderung der Taliban ist der Abzug ausländischer Streitkräfte aus Afghanistan. Weil die USA das größte ausländische Kontingent stellt, sehen die Taliban in ihnen den wichtigsten Verhandlungspartner.

Deutschland Abschiebung vom Flughafen München (Imago/M. Trammer)

Abschiebeflüge von Deutschland nach Afghanistan sind umstritten

Wieder Abschiebungen aus Deutschland

Trotz der massiven Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan hält die Bundesregierung an der Abschiebung abgelehnter Asylbewerber dorthin fest. Am Dienstag soll laut Bayrischem Flüchtlingsrat erneut ein Flug vom Flughafen Halle/Leipzig starten. Seit Dezember 2016 wurden bisher 383 Männer in 17 Sammelabschiebungen nach Afghanistan zurückgebracht.

fab/qu (dpa, afp, rtr)

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