Medien: Mehr Kinder in geschlossenen Heimen | Aktuell Deutschland | DW | 05.09.2018
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Deutschland

Medien: Mehr Kinder in geschlossenen Heimen

Überforderte oder gewalttätige Eltern können ein Grund sein, dass Kinder in staatliche Einrichtungen kommen. Vielen Heimkindern wird sogar die Freiheit entzogen. Kritiker sprechen von "Wegfangen" und "Einsperren".

Symbolbild Kinderheim (picture-alliance/dpa/M. Schutt)

Zwei Mädchen in ihrem Zimmer in einem Kinderheim (Symbolbild)

Laut einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" werden immer mehr Kinder in geschlossenen Heimen untergebracht. 2016 hätten Familiengerichte in 15.534 Fällen genehmigt, dass Minderjährigen mit erheblichen Problemen die Freiheit entzogen wird. 2006 habe diese Zahl bei 6016 gelegen. Das gehe aus einer Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

Demnach habe sich in Bayern die Zahl der Heimunterbringungen mit Freiheitsentzug binnen zehn Jahren von 1026 auf 3528 mehr als verdreifacht, berichtet die Zeitung weiter. In keinem anderen Bundesland würden mehr Kinder in geschlossenen Einrichtungen untergebracht. In Baden-Württemberg habe sich die Zahl seit 2006 fast vervierfacht - von 410 auf 1539. In NRW und Niedersachsen hätten sich die Fallzahlen mehr als verdoppelt - von 1433 auf 3333 sowie von 975 auf 2187.

Opfer und Täter

Nach Paragraf 1631b des Bürgerlichen Gesetzbuchs BGB ist die Unterbringung in Heimen mit Freiheitsentziehung zulässig, wenn sie zum Wohl des Kindes erforderlich ist, insbesondere zur Abwendung einer erheblichen Selbst- oder Fremdgefährdung. Die zweite Voraussetzung ist, dass der Gefahr nicht auf andere Weise, auch nicht durch andere öffentliche Hilfen, begegnet werden kann. Die Betroffenen sind häufig Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt geworden, kommen aus Haushalten von Drogensüchtigen, haben psychische Störungen oder sind Intensivstraftäter.

Der jugendpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Norbert Müller, kritisierte den Anstieg: "Weil dank Sparzwang und Schuldenbremse Geld für frühzeitige Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe fehlt, steht am Ende oft nur noch das Wegfangen und Einsperren." Seine Partei fordere daher eine fachliche und personelle Stärkung der Kinder- und Jugendhilfe, mehr Beteiligungs- und Mitspracherechte für Kinder und Jugendliche und das Ende für alle Formen der geschlossenen Unterbringung: "Freiheitsentzug ist kein Mittel der Erziehung."

jj/kle (kna, passauer neue presse)

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