Medien: Ex-UEFA-Chef Michel Platini in Polizeigewahrsam | Sport | DW | 21.06.2019
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Korruption

Medien: Ex-UEFA-Chef Michel Platini in Polizeigewahrsam

Laut französischen Medienberichten ist der frühere UEFA-Präsident Michel Platini festgenommen worden. Er werde verhört, heißt es. Es gehe um den Verdacht der Korruption bei der Vergabe der WM 2022.

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Platini in Polizeigewahrsam

Der ehemalige Präsident der Europäischen Fußball-Union, Michel Platini, ist nach übereinstimmenden Medienberichten aus Frankreich festgenommen worden. Der 63-Jährige werde im Pariser Vorort Nanterre von der Anti-Korruptions-Abteiligung der Kriminalpolizei verhört, heißt es. Es bestehe der Verdacht der "aktiven und passiven Korruption" im Zuge der umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Laut einem Justizbeamten, der anonym bleiben wollte, wurde auch Sophie Dion, eine frühere Beraterin des französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy für den Bereich des Sports, in Polizeigewahrsam genommen.

Der derzeit für alle Fußballaktivitäten gesperrte Platini soll sich nach Medieninformationen wegen eines geheimen Treffens mit Präsident Sarkozy, Tamim Bin Hamad Al Thani, dem Emir von Katar, sowie Hamad Ben Jassem, damaliger Premierminister Katars, verantworten. Bei einem Mittagessen im November 2010 im Elysee-Palast in Paris sollen die Beteiligten Absprachen über die WM-Vergabe nach Katar getroffen haben. Angeblich sollte Katar den französischen Klub Paris St. Germain kaufen, im Gegenzug würde Platini seine Kontakte spielen lassen und für Stimmen bei der WM-Vergabe werben. 

Die WM wurde ein paar Wochen später dann tatsächlich an Katar vergeben, gleichzeitig wurde Russland als WM-Gastgeber 2018 auserkoren. 2011 kaufte sich Katar bei PSG ein. Im Zusammenhang mit den WM-Vergaben wurden immer wieder Korruptionsvorwürfe laut. 

Von der FIFA gesperrt

Schweiz Michel Platini und Sepp Blatter (picture-alliance/dpa/W. Bieri)

Damals ziemlich beste Freunde: Platini und Blatter (r.)

Platini war Ende 2015 im Zuge der FIFA-Korruptionsaffäre gemeinsam mit FIFA-Präsident Joseph Blatter von der Ethikkommission des Fußball-Weltverbands für acht Jahre gesperrt worden. Dabei ging es um eine ominöse Zahlung Blatters an Platini in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus dem Jahr 2011 - angeblich für Beraterdienste. Der Verdacht bestand, dass Blatter sich Platinis Unterstützung bei der Wiederwahl zum FIFA-Boss im selben Jahr erkauft habe. 

Das FIFA-Berufungsgericht bestätigte im Februar 2016 das Urteil gegen die beiden Spitzenfunktionäre, reduzierte die Sperre jedoch auf sechs Jahre. Platini zog vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS, der im Mai 2016 die Strafe des Franzosen auf vier Jahre herunterstufte. Platini sprach von einer "Ungerechtigkeit" und trat vom Posten des UEFA-Präsidenten zurück, den er neun Jahre lang innehatte. Bis zu seiner Sperre hatte Platini als Topfavorit auf die Nachfolge Blatters an der Spitze des Weltverbands FIFA gegolten.

In seiner Fußballerkarriere hatte Platini als Kapitän die französische Nationalmannschaft 1984 zum Europameister-Titel im eigenen Land geführt. Dreimal in Folge war er Europas "Fußballer des Jahres" und ist bis heute mit neun Treffern EM-Rekordtorschütze - neben dem Portugiesen Cristiano Ronaldo. 

sn/jst (afp, rtr, sid, dpa)

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