Markus Söder - der mächtige Macher aus München | Deutschland | DW | 22.05.2020
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Zum CSU-Parteitag

Markus Söder - der mächtige Macher aus München

In der Corona-Krise hat CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder an Beliebtheit gewonnen. Manche sähen in ihm auch einen veritablen Kanzlerkandidaten. Er selbst? Sagt nein. Jetzt zumindest noch.

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Markus Söder, Profiteur der Corona-Krise?

Er ist CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident und derzeit steht er auch der Ministerpräsidenten-Konferenz vor: Markus Söder. Seit dem Beginn der Corona-Krise ist der gebürtige Nürnberger auch eines der wenigen Gesichter, das nach Krisensitzungen neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Erscheinung tritt.

Söder und Bayern - programmatisch hatte der Landesvater im April 2018 nach der bayerischen Landtagswahl und seiner Wiederwahl zum Ministerpräsidenten seinen Freistaat beschworen: "Bayern erlebt goldene Zeiten: Bayern ist stark. Bayern wird größer. Bayern ist solide. Bayern ist sicher. Bei uns ist die Welt noch in Ordnung, und sie soll es auch bleiben."

Welch eine Zusammenfassung des CSU-Leitsatzes: Laut Söder gehe es Bayern gut, wenn es der Partei gut gehe. Und umgekehrt.

Ein politischer Allrounder

Dabei war es ein langes Ringen, ein Warten und Zögern und Feilschen und bestimmt auch ein Hauen und Stechen bis Söder Ministerpräsident von Bayern wurde. Söder, CSU-Generalsekretär von 2003 bis 2007, also noch aus der Zeit von Edmund Stoiber, machte früh deutlich, dass er sich in der Partei zu höherem berufen fühlt. Er verkörperte auch wie kaum ein anderer seiner Generation das Selbstbewusstsein und die Lust auf Verantwortung, die der kleineren der beiden Unionsparteien, der bayerischen Regionalpartei, so eigen ist.

Bund-Länder-Runde: Weitere größere Lockerungen wohl noch offen (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Markus Söder, unter anderem an der Seite von Angela Merkel, auf dem Weg einer Pressekonferenz zur Corona-Krise

Seit 2007 war er - nacheinander und unterschiedlich lang - Bayerischer Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Umwelt- und Gesundheitsminister, Minister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat. Bis er im März 2018 während der laufenden Legislaturperiode den heutigen Bundesinnenminister Horst Seehofer als bayerischen Regierungschef ablöste.

Söder ist "ehrgeizig"

Viele Dutzend, Hunderte Mal erwähnt Ronan Deininger in seinem neuen Buch "Die CSU - Bildnis einer speziellen Partei" den Namen Markus Söder. Aber das erste Attribut, das der Journalist gleich bei der ersten Erwähnung des Politikers nennt, ist "ehrgeizig". Wer CSU-Parteitage seit etwa 2014 verfolgte, bekam auf offener Bühne mit, wie Seehofer mal mit Amtsmüdigkeit als Ministerpräsident kokettierte und dann doch mit neuem Elan weitermachte, wie andererseits Söder wartete und drängelte und sich zusammenriss. Es war ein Machtkampf.

Wenn die Beiden vor Beginn der Parteitage einander in der Tagungshalle begegneten, herrschte herzliche Kälte und demonstratives Lachen für die Kameras. Und lange vor dem offiziellen Wechsel im März 2018 hatte der Jüngere den Älteren als besseren Redner bei Parteitagen abgelöst. Söder, früher einmal Journalist, kann den Saal kochen lassen. Man spürt bei ihm stets die Versuchung, bei Erfolg und Applaus, die Schraube etwas zu weit zu drehen.

Er steht für Tradition und Moderne

Söder verkörpert die ganze Spannbreite zwischen Tradition und Moderne. "Wir wollen modern sein und bayerisch bleiben. Wir managen die Zukunft und kümmern uns um die Probleme eines jeden Einzelnen. Machen und Kümmern - um die großen Linien und die kleinen Sorgen: Das ist unsere Philosophie", sagte er in seiner ersten Regierungserklärung im April 2018. Seit der bayerischen Landtagswahl im Oktober 2018 und einem für die CSU mageren Ergebnis von 36,7 Prozent steht er an der Spitze einer Koalition mit den in Bayern starken Freien Wählern.

CSU Parteitag München (Reuters/A. Gebert)

Es war ein Generationswechsel mit Söder an der Spitze der CSU - hier beim Parteitag 2019 mit Horst Seehofer


Für Kanzlerin Angela Merkel wurde er rasch zu einem starken Partner. Es folgte der Schulterschluss. Vorbei waren die Zeiten, als Seehofer und die CSU die stärkste Opposition gegen die Regierungschefin in Berlin waren. Söder setzte sich an die Spitze der Attacken gegen die AfD, gegen rechte und auch linke Extremisten.

Als die Corona-Krise begann, schaffte es Söder in die Spitzengruppe der beliebtesten Politiker in Deutschland. Mit zügigen, klaren Ansagen - beim Thema Schulschließung, bei der Frage von Fußballspielen - zog er andere Politiker hinter sich her - besonders Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet.

"Die Gefahr war groß"

Und als es um dieLockerung der Corona-Einschränkungenging, war es wieder Söder, der voranging. "Wir haben in den letzten Wochen schwere Zeiten erlebt, und die Gefahr für Bayern war riesengroß", sagte er. "Man muss nur noch mal überlegen, wie es manchen Ländern der Welt geht, Nachbarländern, entfernteren Ländern. Dann stellt man fest, dass wir unglaubliches Glück gehabt haben." Natürlich fügte er dann hinzu, dass dieses Glück "nicht per Zufall" kam, sondern "gemeinschaftlich erarbeitet worden sei" - durch "konsequente und schnelle Maßnahmen" seiner Regierung, der Kommunen und auch durch die Bevölkerung.

Jedenfalls wird Söder nach dem virtuell begangenen "Kleinen Parteitag" an diesem Freitag die Christsozialen weiter aus der Corona-Krise führen. Die CSU wird sich feiern und mit diesem Schwung auf die Bundestagswahl im Herbst 2021 zugehen wollen.

Deutschland Düsseldorf Armin Laschet und Friedrich Merz (Getty Images/Bongarts/L. Schulze)

Armin Laschet und Friedrich Merz sind zwei der derzeit drei Unions-Anwärter, die Kanzler werden wollen

Der Jüngste von vier

Wer Kanzlerkandidat der Union ist, bleibt aber vorerst offen. Der Wettkampf der drei Favoriten aus dem CDU-Lager - Armin Laschet, Friedrich Merz, Norbert Röttgen - ruhte seit der Verschärfung der Corona-Krise. Doch mittlerweile geben alle drei Politiker aus Nordrhein-Westfalen wieder die Interviews.

Und Markus Söder? Der Franke hatte früh gesagt, dass er für eine Kanzlerkandidatur nicht zur Verfügung stehe. Doch dann rödelte er wie ein Krisen-Kaiser. Für Bayern, für Deutschland. Der 53-jährige Franke wäre neben dem Terzett Merz (64), Laschet (59), Röttgen (54) der Jüngste. Er könnte natürlich auch warten. Aber da wartet sicher auch Jens Spahn, der gerade erst seinen 40. Geburtstag feierte. 

Der bislang prominenteste Politiker, der den Gedanken einer weiteren Amtszeit von Kanzlerin Merkel in der Krise ansprach, war Seehofer. Aber wer weiß? Vielleicht fände Seehofer es dann auch schön, wenn sie nach zwei oder drei Jahren Markus Söder Platz machen würde.

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