Marko Jakšić: ″In Kosovo herrscht die Angst″ | Europa | DW | 19.01.2018
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Kosovo

Marko Jakšić: "In Kosovo herrscht die Angst"

Nach der Ermordung von Oliver Ivanović ist Norden von Kosovo in einer Schockstarre, "Mitrovica ist ein Ort, wo es gefährlich ist zu leben", sagt serbischer Kosovo-Politiker Marko Jakšić.

Kosovo Mitrovica - Tausende Menschen auf den Straßen zeigen Respekt gegenüber dem ermordeten Politiker Oliver Ivanovic (J. Đukić-Pejić)

Tausende Menschen auf den Straßen zeigen Respekt gegenüber dem ermordeten Politiker Oliver Ivanovic

Deutsche Welle: Herr Jakšić, es wird viel gemutmaßt, wer hiner der Ermordung von Oliver Ivanović. steht. Aus Belgrad hört man sogar, dass es schwer sein wird dieses Attentat endgültig zu klären. Glauben Sie, dass die Täter und die Hintermänner je gefunden werden?

Marko Jakšić: Bisherige Erfahrungen geben wenig Hoffnung. In den letzten fünf Jahren, seit der jetzige Präsident Aleksandar Vučić in Serbien an die Macht gekommen ist, wurden in Mitrovica etwa hundert Autos ins Brand gesetzt, und oft wurden Häuser beschossen. Auch mein Auto wurde angezündet. Ich habe persönlich Vučić hier in Mitrovica seinerzeit gefragt: ' Stehst du dahinter? Denn du hast Kontrolle über vier verschiedenen Geheimdienste?' Ich weiß das nicht, ich kann nichts behaupten. 'Aber wenn du schon die Kontrolle hast, dann bist du verpflichtet auch zu sagen, wer das war. Denn Mitrovica ist klein.' Aber seit dem sind fünf Jahre vergangen, und es ist nichts passiert. So bin ich sehr skeptisch, dass jetzt etwas gefunden wird.

Beim Trauermarsch für Oliver Ivanović versammelten sich Tausende, und vor genau drei Monate bekam er bei den Bürgermeisterwahl genau 1462 Stimmen. Wie kann man das erklären?

Marko Jaksic (J. Đukić-Pejić)

Marko Jakšić: Serbien ist ein mafiaähnlicher Staat

Da waren natürlich auch Freunde, die um ihm trauern, aber noch mehr war das eine Art Protest. Ich glaube, das ist wegen der Lage  in Mitrovica, wegen dieser Perspektivlosigkeit. Mitrovica ist heute wie Kolumbien, ein Ort, wo es gefährlich ist zu leben. Leute protestieren gegen die Hoffnungslosigkeit, und nicht alle sind seine politische Unterstützer. Gleichzeitig hat man den Eindruck, dass die jetztige Herrscher in Belgrad aus ihm eine Zielscheibe gemacht hat. Ob sie hinter der Ermordung stehen oder nicht, das weiß ich nicht., dass solte die Untersuchung feststellen, obwohl ich glaube, dass daraus nichts wird. Aber sicher ist, dass Belgrad ihn zum Zielscheibe erklärt hat. Auch Vučić hat mehrmals gesagt, Ivanović hat was mit dem Tod von mehrere Menschen. Er wurde zu einer beweglichen Zielscheibe gemacht. nach den wahlen war Ivanović keine politische Bedrohung mehr für Vučić, aber manchmal entziehne sich die Entwicklungen der Kontrolle. Man kann nicht immer alles kontrolieren.

Sie haben gesagt, dass die Gewalt in den serbischen Teilen in Kosovo besonders seit 2013 eskaliert sei, als Vučić  an die Macht kam. Warum ist das geschehen?

Weil Vučić sowohl in Kosovo, als auch in ganz Serbien, mafiaähnliche Strukturen aufgebaut hat. Menschen fürchten sich , die Angst herrscht im ganzen Land. Es ist beinahe so, dass die Menschen nur noch flüstern. Das gab es nicht mal zu den Zeiten von Slobdan Milošević, egal was man heute von ihm erzćhlt. Dieses System regiert nach den Methoden von Cosa nostra. Wer was sagt, verliert seinen Job, oder kann gar kein Arbeitsplatz finden. Oder wird sein Fenster angeschossen, sein Auto in Brand gesetzt. Und letztendlich kann man wie Oliver Ivanović enden.  

Das Gespräch führte Jelena Đukić Pejić (Mitrovica)

Marko Jakšić ist Präsidiumsmitglied der Bewegung der Serben in Kosovo "Vaterland" ("Otadžbina"). Er war 2006-2008 Teil des serbischen Verhandlungsteams in den Gesprächen mit den Vertretern der albanischen Regierung in Prishtina.