Mariä Himmelfahrt auf Italienisch | Spurensuche | DW | 06.08.2019
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Spurensuche

Mariä Himmelfahrt auf Italienisch

„Ferragosto“ feiern, heißt, das Leben feiern: Dr. Christine Hober von der katholischen Kirche über Mariä Himmelfahrt in Italien und die himmlische Perspektive der Christen.

Schweiz Weingläser Weingut (HappyAlex/Fotolia.com)

„Tutto a posto – ferragosto“ prosten sich die Menschen in Italien am 15. August zu: an Ferragosto feiern sie das Leben.

Wie jeden Sommer verbringen wir auch in diesem August unsere Ferien an einem der oberitalienischen Seen und genießen die entspannte, heitere Atmosphäre. An den lauen Abenden trifft man Einheimische und Touristen auf den Straßen und Plätzen der Dörfer und Städte. Bars und Restaurants haben Hochkonjunktur. „Tutto a posto ferragosto“ prosten sich die Menschen zu. Die Krönung jeden Abends ist immer ein Feuerwerk, und es ist faszinierend, welche Effekte die Pyrotechniker an den nächtlichen Himmel zaubern.

Im August ist überall in Italien Hochsaison, denn auch die Italiener und ihre Familien haben Ferien. Der „Ferragosto“ ist ein italienischer Feiertag, der auf den 15. August fällt und dessen Tradition bis in die Antike zurückreicht. Im alten Rom hatte Kaiser Augustus im Jahr 8 vor Christus eine mehrtägige freie Zeit eingeführt, die genau in diesen Zeitraum fällt. Anlass war die Eroberung Ägyptens, die mit einem dreitägigen Triumph gefeiert wurde. Von da an waren die sogenannten „feriae Augustae“ im ganzen römischen Reich Feiertage. Übrig geblieben ist der 15. August, der mit der Einführung des Christentums – nicht nur in Italien – als Fest der Aufnahme Marias in den Himmel gefeiert wird.

Vom Sieg über die Ägypter zu Mariä Himmelfahrt

Das Fest „Maria Himmelfahrt“ ist das älteste aller Feste für die Muttergottes und geht auf ein Marienfest zurück, das im fünften Jahrhundert eingeführt wurde. Erinnert wird seitdem an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel. Im Allgemeinen ist das Marienfest als „Mariä Himmelfahrt“ bei den Gläubigen bekannt, richtiger ist die Bezeichnung „Aufnahme Mariens in den Himmel“. Denn Maria kommt lediglich eine passive Rolle zu, im Unterschied zu Christi Himmelfahrt – hier steigt Christus aus eigener Kraft in den Himmel empor. Auch wenn die Marienfrömmigkeit heute für viele Gläubige nicht mehr nachvollziehbar ist, hat Maria durch die Jahrhunderte hindurch – und das bezeugen auch unzählige Gebete und Kirchenlieder – immer wieder die Rolle als Fürsprecherin für alle menschlichen Belange bei Jesus oder Gott eingenommen. Maria war Mutter, und sie war ein Mensch wie wir, dadurch erschien sie vielen Gläubigen nahbarer und verständnisvoller. Ihr vertrauten viele ihre Sorgen und Nöte an.

Dass noch im vergangenen Jahrhundert der Glaube an die „leibliche Aufnahme Marias in den Himmel“ von Papst Pius XII. 1950 als Dogma verkündet wurde, ist sicher auch vor diesem Hintergrund zu verstehen. Der Glaube an die Aufnahme Marias in den Himmel erscheint mir insofern als ein wichtiges Zeichen, da Maria als Mensch das vorwegnimmt, was uns bei der Auferstehung am Jüngsten Tag erwartet: Mit ihrem Tod und damit der Vollendung ihres irdischen Lebens folgte die Aufnahme in das Himmelreich mit Leib und Seele.

Das Leben feiern

Im Neuen Testament findet man keine Anhaltspunkte über eine leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, allerdings wird eine Schriftstelle aus dem Buch der Offenbarung des Johannes als ein Hinweis gedeutet: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (1,2) Etliche apokryphe Evangelien, das sind Texte, die außerhalb des biblischen Kanons entstanden sind, erzählen umso ausführlicher von Marias Tod und ihrer Aufnahme in den Himmel. Historisch gesicherte Nachrichten über Ort oder Zeitpunkt des Todes Marias gibt es nicht.

Wenn die Italiener sich also ausgelassen zuprosten „Tutto a posto – ferragosto“, heißt das so viel wie „alles in Ordnung, es ist Ferragosto“! Ferragosto feiern, heißt, das Leben feiern. Die Woche um „Maria Himmelfahrt“ ist eine Woche voller Ausgelassenheit und Freude. Eine Freude, die – wenn bei vielen auch nicht mehr gewusst – auf den christlichen Sinn dieses Feiertags als „leibliche Aufnahme Marias in den Himmel“ zurückgeht. Gefeiert wird die Freude, dass Maria als erste von uns den Tod überwindet und in den Himmel aufgenommen wird. Gefeiert wird die Hoffnung, dass unser Tod nicht das Ende sein wird, weil wir uns jenseits des Todes in Gottes Freude geborgen wissen. 

 

Christine Hober, Dr. der Theologie, arbeitet als Lektorin und Autorin. Sie lebt in Bonn, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

 

 

 

Redaktionelle Verantwortung: Martin Korden, Katholischer Hörfunkbeauftragter, und Alfred Herrmann