Mangelnde Deutschkenntnisse an Grundschulen | Deutschlehrer-Info | DW | 08.08.2019
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Deutschlehrer-Info

Mangelnde Deutschkenntnisse an Grundschulen

Kinder lernen schnell, doch wenn im Klassenzimmer zu viele Kinder mit geringen Deutschkenntnissen sitzen, kann das zum Problem für alle werden. Vielen Eltern bereitet das Sorgen, wie eine Umfrage zeigt.

„Um es auf den Punkt zu bringen: „Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“, sagte der CDU-Politiker Carsten Linnemann und schlug eine Vorschulpflicht vor, damit ausländische Kinder erst mal die nötigen Deutschkenntnisse für den Schulbesuch erwerben.

Die Äußerung brachte ihm vor allem von linken Parteien harsche Kritik ein: Man wirft ihm Populismus und Diskriminierung von Ausländern vor. SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers nannte Linnemanns Aussagen „wirklich zum Fremdschämen und populistisches Getöse“. Man könne Kinder nicht von der Grundschule ausschließen, nur weil sie schlecht Deutsch sprächen. Das schaffe Parallelgesellschaften und langfristige Integrationsprobleme, anstatt sie zu lösen. Kein Kind solle ausgegrenzt werden, betonte auch der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz. Integration gelinge am besten in der Kita und in der Schule.

Verpflichtende Deutschkurse laut Umfrage erwünscht 

Carsten Linnemann (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Carsten Linnemann fordert eine Vorschulpflicht für Kinder ohne Deutschkenntnisse

Linnemann wehrt sich; er wolle keine Kinder ausschließen, sondern ihnen im Gegenteil besondere Förderung zukommen lassen, betont er. Notfalls müsse eine Einschulung eben zurückgestellt werden. Hinter Linnemanns Vorschlag stellt sich u.a. der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger. „Ich bin ein absoluter Anhänger von bundesweiten, flächendeckenden Sprachstandstests bei Drei- und Vierjährigen“, sagte er. Es gebe Ansätze dafür in einigen Ländern, aber leider passiere dann zu wenig, weil ausgebildetes Personal fehle und Grundschullehrer sowieso Mangelware seien. 

Fakt ist: Vor allem in Ballungsgebieten sind ausländische Kinder in Grundschulen mittlerweile in der Mehrheit. Dort ist Deutsch im Unterricht oft Fremdsprache, und die Pädagogen der Schule scheitern immer wieder an den unterschiedlichen Leistungsniveaus ihrer Schüler. 

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zufolge wünschen sich viele Deutsche daher von den Schulen verpflichtende Deutschkurse bei Sprachproblemen, mehr Geld für Brennpunktschulen und kleinere Klassen. Als wichtigstes Ziel nennen sie die gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik.

Hoher Ausländeranteil an städtischen Schulen schreckt deutsche Eltern ab

Ein Kind zeigt auf (picture-alliance/dpa/J. Stratenschulte)

Immer mehr Kinder gehen auf Privatschulen

Viele Eltern bewegt mittlerweile die Sorge, ihre Kinder könnten in Klassen mit einem hohen Ausländeranteil zu wenig lernen. Daher gibt es einen zunehmenden Ansturm auf Privatschulen. Die Entwicklung sei höchst problematisch, so Maike Finnern, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Die Existenz privater Schulen wirkt sozial selektiv.“

Erste Bundesländer ziehen schon Konsequenzen. So kündigte Kultusminister Alexander Lorz an, dass spezielle Sprachkurse für angehende Grundschulkinder mit schlechten Deutschkenntnissen in Hessen jetzt zum Pflichtprogramm werden. Bislang war der Besuch der sogenannten Vorlaufkurse freiwillig.

suc/rh (mit dpa,kna)

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