Mallorca: Eine Insel als Geldmaschine | Wirtschaft | DW | 21.07.2018
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Immobilienblase

Mallorca: Eine Insel als Geldmaschine

Auf Mallorca wachsen Kaufpreise und Mieten für Immobilien seit Jahren. Das hat einen regelrechten Maklerboom provoziert. Aber nicht alles läuft rund.

Im Zentrum von Palma wird auf einen Blick klar, was derzeit das Hauptgeschäft der Insel ist: "Italienisches Eis und Häuser verkaufen", sagt der dort lebende Tourismus-Experte Jordi Villart. In einigen Straβen finden sich auf 150 Meter vier Maklerbüros, alle scheinen unbekannt, haben aber den Begriff "Property" im Firmennamen. "Eis kann man ja bei der enorme Hitze gut gebrauchen, aber viele der Makler werden wieder schließen müssen", ist sich der deutsche Anwalt Tim Wirth sicher, der auch für viele deutsche Promis Kaufverträge auf der Insel abschließt. Denn der Kuchen ist eigentlich schon zwischen den fünf gröβten Maklern aufgeteilt. Sie alle sind sich zwar einig, dass 2017 ein absolutes Rekordjahr war, aber viel Platz gibt es nicht mehr am Markt.

"Es gibt immer weniger Objekte und die Käufer sind immer informierter. Sie fragen sehr viel nach. Die vielen neuen Makler können meist weder beim Know-how mithalten, noch haben sie den finanziellen Atem", glaubt Javier Ariola, Verkaufschef für Ibiza und Mallorca beim ältesten Makler der Insel, Kühn & Partner. Nach Angaben der spanischen Schätzungsgesellschaft Tinsa, dauert es derzeit fast neun Monate, um auf den Balearen eine Immobilie zu verkaufen. Den Preisanstieg in diesem Jahr beziffert Tinsa auf zehn Prozent, in Palma, wo derzeit alle hin wollen, liegt dieser bei knapp 13 Prozent.

Infografik Immobilienpreise Mallorca

Der Trend nach oben ist nicht für alle gut

Aber Ariola ist das perfekte Beispiel, wie zweischneidig Erfolg auf Mallorca sein kann. Als Verkaufschef von Kühn & Partner halfen ihm die seit 2015 steigenden Preise, sein Geschäft gegenüber dem absoluten Platzhirschen Engel & Völkers zu stabilisieren. Auf der anderen Seite sieht er durch seine Lebenspartnerin, die in der Gesundheitsversorgung arbeitet, wie der deutsche Run auf Mallorca und Ibiza, zu einem Arbeitsnotstand auf den Balearen führt, unter dem er auch selber leidet: "Krankenpfleger können sich bei den niedrigen Gehältern die Mieten nicht leisten und Hotels müssen teilweise ihr Personal im eigenen Haus unterbringen, weil die Wohnungen zu teuer sind und es in der Hochsaison auch keine freien Appartments mehr gibt."

Das Dilemma zwischen den traditionell im europäischen Vergleich niedrigen spanischen Gehältern und der im Vergleich dazu hohen Lebenshaltungskosten ist nirgendwo so spürbar wie auf Mallorca. Der Durchschnittslohn beträgt hier nach offiziellen Angaben gerade mal 1200 Euro brutto. Die Hauspreise sind jedoch nach Angaben von Porta Mallorquina Real Estate in den vergangenen drei Jahren im Umland von Palma um 54 Prozent und in der Stadt um knapp 29 Prozent gestiegen. Die Mieten haben sich parallel entwickelt: "Für eine 45 Quadratmeter-Wohnung in Palma wollen sie 1000 Euro Miete haben. Weil ich da nicht mitmache, habe ich mein Appartment dort unter Marktpreis vermietet", sagt Ariola. Viele Lokale weichen aufs weitere Umland aus, um noch einigermaßen erschwinglich leben zu können. Für Saisonkräfte kommt aber auch das nicht in Frage. "Diese neue Situation führt im Sommer zu einem enormen Verkehrschaos rund um Palma", sagt Ralf Spielvogel, Geschäftsführer von Porta Mallorquina Real Estate, der das jeden Tag selber miterlebt.

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Bettenangebot auf Mallorca wird reduziert

Zwar gab die balearische Hotellobby bekannt, dass im ersten Halbjahr 2018 die Buchungen um fünf Prozent zurück gegangen sind im Vergleich zum Vorjahr, aber das war auch ein Rekordjahr: 10,3 Millionen Menschen besuchten 2017 die Insel, wie das Spanische Fremdenverkehrsamt kundtat, 4,5 Millionen davon waren Deutsche. "Die Mallorquiner wissen, dass sie finanziell von diesem Geschäft abhängen, aber die Proteste wachsen gegen die negativen Auswirkungen der vielen Kreuzfahrtschiffe, welche im Sommer täglich Tausende von Menschen nach Palma bringen", sagt Villart.

Die balearische Regierung hat vor einem Jahr die Notbremse gezogen. Sie hat nicht nur die Touristensteuer auf drei Euro pro Tag verdoppelt, sondern auch ein Moratorium für die Ferienhausvermietung verhängt. Dieses läuft zwar am 1. August aus, aber auch dann werden nicht alle bestehenden Lizenzen automatisch verlängert. Neue Lizenzen werden nur an bestimmten ländlichen, noch nicht gesättigten Orten vergeben. Palma lässt gar keine Ferienwohnungen zu und als gesättigte Küstengebiete, wo gar nichts mehr geht, gelten Palmanova, Magaluf, Santa Ponça, Peguera sowie die Küstenorte von Llucmajor, also S'Arenal de Llucmajor, Bellavista, Cala Blava und Son Verí Nou. Der neue Bauboom auf Mallorca ist ebenfalls von privater Ferienvermietung ausgeschlossen. "Gemäß des neuen Touristengesetzes wird die touristische Nutzung nur in Immobilien erlaubt, die älter als zehn Jahre sind", warnt der auf Mallorca ansässige Rechtsanwalt Marcos Vera Stein.

Spanien Mallorca - Finca von Dr. Bassem Khalili in Binissalem (B. Khalili)

Finca von Dr. Bassem Khalili in Binissalem

Der 78jährige Iraner Bassem Khalili gehört zu denen, die vermieten dürfen, musste aber trotzdem mit dem Verkaufspreis für seine vor 18 Jahren gebautenFinca enorm heruntergehen: "Ich versuche, seit anderthalb Jahren, das Gästehaus zu verkaufen. Eigentlich wäre es gemäß der Bankschätzungen über vier Millionen Euro wert. Aber ich konnte es zu diesem Preis nicht verkaufen, deswegen musste ich auf drei Millionen heruntergehen." Khalili kaufte das 40.000 Quadratmeter große Ackerland im Jahr 2000 für 600.000 Euro. Damals war er 60 Jahre alt, hatte noch Energie: "Es dauerte fünf Jahre, bis ich alle Bau-Genehmigungen hatte". Er pflanzte 6000 Bäume, Sträucher und Blumen, legte Wasserleitungen, die es nicht gab und vermietete schließlich das Gästehaus. Jetzt hat er genug vom Land. Er will nach Palma: "Ich habe mir dort ein Appartment ausgesucht." Nach Deutschland, wo er früher als Arzt praktiziert hat, will der Iraner nicht mehr zurück, Mallorca ist seine Heimat geworden: "Ich will hier sterben." Wenn einer der Interessenten an seiner Finca jetzt zuschlägt, dann geht sein Plan auf: "Ich bin zu alt, um ein Gästehaus zu führen."

 

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