Mali - zehn Fragen, zehn Antworten | Afrika | DW | 20.02.2013
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Afrika

Mali - zehn Fragen, zehn Antworten

Die Islamistengruppen in Mali sind weitgehend zurückgedrängt. Doch erste Anschläge wecken Sorgen, dass in Westafrika ein neuer Dauerkonflikt wie in Afghanistan droht. Ein Überblick über Akteure und Aussichten.

Wie ist die Situation in Mali?

Die Lage im westafrikanischen Staat Mali ist rund fünf Wochen nach dem Beginn der französischen Militärintervention weiter angespannt. Zwar sind die größeren Islamistenverbände aus den nordmalischen Städten vertrieben. Es gibt jedoch erste Anschläge kleiner Islamistengruppen. Soldaten aus Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) sowie dem Tschad sichern mittlerweile einige Städte in dem Land, das dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland ist. Tuareg und Araber in den zurückeroberten Gebieten fürchten Racheakte der schwarzafrikanischen Bevölkerungsmehrheit. Auch die Hauptstadt Bamako kommt nicht zur Ruhe. Hier sind es allerdings rivalisierende Einheiten der malischen Armee, die sich bekämpfen. Das malische Militär erweist sich als kaum handlungsfähig und gespalten. Einheiten der Armee hatten im März 2012 gegen die eigene Regierung geputscht, weil diese nicht entschieden gegen die Rebellion im Norden vorgegangen sei.

Welche Akteure sind am Konflikt beteiligt?

In Mali ist eine Reihe von Aufständischen- und Islamistengruppen aktiv. Tuareg-Rebellen der nicht-religiösen MNLA wollen mehr Autonomie für ihre Volksgruppe. Als Folge des Bürgerkriegs in Libyen im Jahr 2011 eskalierte der Konflikt in Mali. Mit dem libyschen Regime von Muammar al-Gaddafi verbündete Tuareg-Kämpfer wurden nach dem Sturz von Libyens Diktator nach Nordmali abgedrängt. Dort rief die MNLA im April 2012 einen unabhängigen Staat aus. Anfangs kämpften Tuareg und verschiedene Islamistengruppen gemeinsam gegen die Zentralregierung in Bamako. Doch schnell übernahmen die radikalen Islamisten die Kontrolle in den eroberten Gebieten. Sie verdrängten die MNLA und zwangen der Bevölkerung ihre rigorose Sicht des Islam auf. Heute ist die MNLA stark geschwächt.

Welche Rolle spielen die Islamisten?

Die Islamisten, von denen viele aus Algerien und anderen Staaten stammen sollen, sind in mehrere Gruppen gespalten. Neben "Ansar Dine" operieren auch "Al-Qaida im islamischen Maghreb" (AQMI) und die "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO) in der Region. Von Ansar Dine spaltete sich die "Islamische Bewegung von Azawad" (MIA) ab und bot Verhandlungen an. Den Gruppen ist ihre extreme Auslegung islamischen Rechts gemeinsam. MUJAO und AQMI sind offenbar für Entführungen verantwortlich.

Wie verläuft die französische Militäroperation?

Bereits im Dezember 2012 hatte der UN-Sicherheitsrat die internationale Hilfsmission für Mali unter afrikanischer Führung (Afisma) beschlossen. Mehrere Ecowas-Staaten sagten Truppen zu. Unabhängig davon stellt auch der Tschad Soldaten. Treibende Kraft für die Stabilisierung Malis ist aber weiterhin die einstige Kolonialmacht Frankreich.

Ein malischer Militärkonvoi auf dem Weg nach Gao Foto: Jerome Delay (AP)

Auf Unterstützung angewiesen: Malis Militär allein konnte den Vormarsch der Islamisten nicht stoppen

Die Regierung in Paris entsandte am 11. Januar 2013 Soldaten nach Mali, um den Vormarsch der Islamisten auf Bamako zu stoppen. Der ehemalige deutsche Botschafter in Mali, Karl Flittner, wertet die französische Operation Serval als "Riesenerfolg". Allerdings müsse sich Frankreich nun auf einen Guerillakrieg versprengter Dschihadisten einstellen. Außerdem seien Paris und Bamako über den weiteren Umgang mit der Tuareg-Rebellengruppe Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) uneins, so Flittner im Gespräch mit der Deutschen Welle. Er war von 2008 bis 2012 deutscher Botschafter in Mali.

Greift ein auf Mali begrenzter Einsatz gegen Islamisten zu kurz?

Die verschiedenen Islamistengruppen bewegen sich mit ihren schnellen Geländewagen in der ganzen Sahelzone. Von Nordmali aus können sie leicht nach Algerien oder Libyen ausweichen. Alexander Stroh vom Hamburger Giga-Institut für Afrika-Studien mahnt deshalb eine regionale Strategie für das Problem an.

Was gehen Deutschland die Entwicklungen in Mali an?

Deutschland hat - wie andere Staaten auch - keine Interesse an einem zerfallenden Malis. "Es wird ein Nest des internationalen Terrorismus, wenn man da nicht gegenhält", warnt Ex-Botschafter Flittner. Von dort könne es terroristische Aktivitäten bis nach Europa geben. Der Hamburger Forscher Alexander Stroh verweist neben der Terrorgefahr auf den Waffen- und Drogenhandel, der in dem unkontrollierten Gebiet floriere. Außerdem sei Mali ein befreundeter Staat, der nicht im Stich gelassen werden dürfe.

In welcher Form beteiligt sich Deutschland an dem Militäreinsatz in Mali?

Die Bundesregierung leistet vor allem logistische und finanzielle Hilfe. Drei Transall-Flugzeuge sind für den Transport afrikanischer Einheiten im Einsatz. Außerdem beteiligt sich die Bundeswehr mit 40 Ausbildern und ebensovielen Sanitätssoldaten an der EU-Mission und wird mit Tankflugzeugen den französischen Militäreinsatz unterstützen. Darüber hinaus hat Deutschland humanitäre Hilfen zugesagt.

Die erste deutsche Transall-Maschine landet auf dem Flughafen von Bamako Foto: Katrin Gänsler (DW)

Deutsche Hilfe: Drei Transall-Maschinen der Bundeswehr wurden nach Afrika entsandt


Droht in Mali ein zweites Afghanistan?

Nach den ersten Anschlägen in der Stadt Gao drängt sich ein Vergleich mit Afghanistan auf. Doch Ex-Diplomat Karl Flittner will die Parallelen zum Konflikt am Hindukusch nicht zu weit ziehen: "Der malischen Bevölkerung - und zwar nicht nur der schwarzafrikanischen, sondern auch den Tuareg - ist diese Art des gewalttätigen Islamismus eigentlich völlig fremd." Auch Afrika-Experte Alexander Stroh schätzt beide Länder unterschiedlich ein. 90 Prozent der Bevölkerung lebten im überwiegend friedlichen Süden. Die meisten seien gegen die Islamisten. "Es geht um ein Territorialproblem, das einen großen Flächenanteil, aber nur einen kleinen Bevölkerungsanteil betrifft", sagt Stroh.

Wie soll es in Mali weitergehen?

Bislang fehlen Mali sowohl eine schlagkräftige Armee als auch eine starke Zentralregierung, um das Land zu stabilisieren. Übergangspräsident Dioncounda Traoré kündigte Neuwahlen im Juli an. Eine EU-Ausbildungsmission soll die Einsatzfähigkeit der nur wenigen Tausend malischen Soldaten verbessern. Aus Kampfhandlungen will sich die EU jedoch heraushalten.

Kann die malische Regierung irgendwann allein für Sicherheit sorgen?

Mali zählt zu den ärmsten Staaten der Welt. Es galt bis zum Putsch 2012 jedoch als eine Art Musterstaat für Demokratie. Heute ist die politische Landschaft völlig zersplittert. Mehr als 150 Parteien sind registriert, aber die meisten davon sind Ein-Mann-Organisationen. Eine starke Führungsfigur ist nicht in Sicht.

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