Malala Yousafzai - im Ausland geliebt, zu Hause verleumdet | Asien | DW | 31.03.2018
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Menschenrechte

Malala Yousafzai - im Ausland geliebt, zu Hause verleumdet

Malala hat ihre Heimat Pakistan besucht - zum ersten Mal seit dem Attentat des Jahres 2012. Der Aufenthalt zeigt, wie unterschiedlich die Friedensnobelpreisträgerin in ihrem Heimatland und im Ausland wahrgenommen wird.

Die meisten Gespräche mit Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft liegen hinter ihr, anschließend besuchte sie ihr ehemaliges Heimatdorf. Vier Tage hält sich Malala Yousafzai, die mit 20 Jahren jüngste Friedensnobelpreisträgerin, zu Besuch in Pakistan auf.

Der Besuch ist nicht ohne Risiko. Denn obwohl viele der Extremisten, die Malala im Jahr 2012 angegriffen hatten, inzwischen hinter Gittern sitzen, bedrohen radikale Islamisten die junge Frau weiterhin. Auch rechte Gruppen in Pakistan lehnen sie entschieden ab.

Malala hat Vorträge auf der ganzen Welt gehalten und sich für das Recht auf Bildung für Mädchen eingesetzt. Doch es dauerte sechs Jahre, bis sie in ihr Heimatland zurückkehren konnte. Denn Pakistan ist für Malala immer noch unsicher. Nichts beweist das eindrücklicher als die massiven Sicherheitsmaßnahmen, die anlässlich ihrer Rückkehr getroffen wurden.

Globales Symbol

Malalas Geschichte ist bekannt: Im Oktober 2012 wurde sie im Swat-Tal in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa von Militanten angeschossen. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für den Angriff und erklärten, Malala sei attackiert worden, weil sie den "Säkularismus" in dem Land unterstützt habe. Nach einer ersten medizinischen Behandlung in Pakistan wurde Malala nach Großbritannien gebracht, wo sie jetzt mit ihrer Familie lebt.

Vor dem Angriff hatte sich Malala in Swat für das Recht der Mädchen auf Bildung eingesetzt. Zugleich machte sie sich einen Namen als lautstarke Kritikerin islamischer Extremisten. International ausgezeichnet wurde sie für ihr Blog über die Gräueltaten der Taliban, den sie im Urdu-sprachigen Programm der BBC betrieb.

Pakistan Malala Yousafzai in Heimatstadt Mingora im Swat Valley (DW/Adnan Bacha)

Für kurze Zeit zurück in der Heimat: Malala Yousafzai im Swat Tal

Seitdem hat Malala einen langen Weg zurückgelegt. Inzwischen ist sie ein internationales Symbol des Engagements für Frauenrechte wie auch für das Recht auf Bildung. Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählt unter anderem der angesehene Sacharow-Menschenrechtspreis der Europäischen Union. 2016 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

In ihrem eigenen Land aber wird sie von vielen Menschen verachtet. Ihre Gegner beschuldigen sie, in Diensten des US-Geheidmiensts zu stehen. Ihr angeblicher Auftrag: Pakistan und den Islam zu verleumden.

"Ich vertrete Pakistan - nicht die Terroristen"

Vergangenes Jahr wurde Malala zur UN-Friedensbotschafterin ernannt. Bei einer Zeremonie am Sitz der Vereinten Nationen in New York überreichte ihr UN-Generalsekretär Antonio Guterres persönlich die Auszeichnung. Er selbst, erklärte Guterres, habe sich inspirieren lassen von Malalas "unerschütterlichen Engagement für den Frieden" und ihrem "Entschluss, für eine bessere Welt einzutreten".

In ihrer Rede vergaß die Frauenrechtlerin nicht, ihr Land zu erwähnen, in dem sie von den Taliban angeschossen und verwundet wurde. Sie bekannte sich zu ihrer Liebe zu Pakistan und plädierte eindringlich dafür, das südasiatische Land nicht als extremistisch anzusehen.

"Ich möchte, dass die Leute wissen, dass ich Pakistan vertrete - und nicht die Extremisten und Terroristen." Sie sind nicht Pakistan ", sagte Malala.

Pakistan Waziristan Taliban Kämpfer ARCHIV 2012 (picture-alliance/AP Photo)

Feinde der Frauenrechte: Taliban in Pakistan

Herausforderung der etablierten Ordnung

Aber sind auch die Pakistaner überzeugt, dass Malala Yousafzai sie und ihr Land repräsentiert?

"Mädchen wie Malala fordern die etablierte Ordnung heraus. Es leben viele Menschen in Pakistan, die das nicht mögen, vor allem, wenn es eine Frau ist, die Kritik äußert", sagt der in Karachi lebende Journalist und Dokumentarfilmer Sabin Agha im Gespräch mit der DW.

Zwar sind liberale Pakistanis stolz darauf, dass Malala inzwischen ein Symbol des Landes ist. Dennoch scheiden sich an der jungen Frau die Geister. Die Mehrheit der Konservativen behauptet, Malala agiere gegen den Islam und die pakistanische Souveränität.

Viele Pakistaner halten den Hype lokaler und internationaler Medien um die junge Frau für überflüssig. Rechtspopulisten hingegen werten die so genannte "Kampagne" zur Förderung Malalas als Beweis, dass hinter der ganzen Angelegenheit eine "internationale Lobby" steht.

"Ich glaube nicht, dass Malala den Friedensnobelpreis verdient hat. Meiner Ansicht nach gibt es in Pakistan Menschen, die den Preis eher verdient hätten", sagt der in Karachi arbeitende schiitische Aktivist Syed Ali Mujtaba Zaidi der DW. "Malala wurde von den Taliban angeschossen. Aber das allein ist kein hinreichender Grund für diesen Preis".

Kanzlerin Merkel und Friedensnobelpreisträgerin Malala (dpa)

Unübersehbare Gemeinsamkeiten: Malala bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, September 2015

Eine fatale Ideologie

Anhänger der pakistanischen Friedensnobelpreisträgerin hingegen sind überzeugt, dass Malalas Feinde eine Schmutzkampagne gegen sie führten. Malala könne so lange nicht dauerhaft in Pakistan leben, wie sich die Denkweise der Menschen nicht geändert habe.

"Malala wurde in Pakistan als westliche Agentin dargestellt - und das in einem Land, in dem viele Menschen Groll gegen den Westen hegen. Jeder, der in Pakistan als pro-westliche gilt, ist eine Zielscheibe für Hohn, Spott, Hass und sogar Gewalt", sagt der in Großbritannien lebende Forscher und Aktivist Farooq Sulehria der DW.

Ihn interessiere nicht allein das Schicksal Malalas, sagt der Filmemacher Agha. Für ihn zähle vielmehr die Lage der Frauenrechte in Pakistan insgesamt. "Es ist nicht ohne Ironie, dass Pakistan zwar als sicherer Ort für nationale und internationale Terroristen gilt - nicht aber für seine eigene weibliche Bevölkerung", so Agha. "Wir müssen die Gesamtsituation verändern - auch das patriarchalische Weltbild, das Gewalt gegen Frauen unterstützt."

Pakistan "kein sicherer Ort" für Malala

Im Jahr 2013 gab das pakistanische Militär die Verhaftung von Männern bekannt, die des versuchten Mordes an Malala verdächtigt wurden. Das ist zwar ein Fortschritt. Experten wenden allerdings ein, dieser Umstand allein mache das Land für die junge Frau nicht sicherer.

"Ein Land, das die Sicherheit seiner ehemaligen Premierministers Benazir Bhutto nicht garantieren kann (Sie wurde bei einer öffentlichen Kundgebung in der Stadt Rawalpindi im Jahr 2007 ermordet, Anm. d. Red.), kann auch Malala oder andere Kritiker der Taliban nicht hinreichend schützen", sagt Sulehria.

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Tränenreiche Heimkehr: Malala zurück in Pakistan

Pakistan sei noch kein sicherer Ort für Rechtsaktivisten, Kritiker der Regierung und des Militärs sowie Journalisten, sagt Agha. "In der Vergangenheit hat die Armee viele Operationen gegen die Terroristen durchgeführt. Trotzdem ist das Ausmaß der Gewalt nicht zurückgegangen."

Viele Analysten und Aktivisten beschuldigen das pakistanische Militär, über eine Reihe militanter islamistischer Gruppen die Hand zu halten. Sie würden als Milizen in Afghanistan und dem von Indien Teil Kaschmir eingesetzt. Die Trump-Administration hat einen Großteil ihrer Militärhilfe in Pakistan gekürzt - und zwar so lange, wie die Armee des islamischen Landes nicht entschlossen gegen die Islamisten vorgeht. Pakistan bestreitet allerdings, dass es militante Gruppen unterstütze.

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