Mahnwache für erschossenen Politiker Lübcke | Aktuell Deutschland | DW | 22.06.2019
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Kampf gegen Rechtsextremismus

Mahnwache für erschossenen Politiker Lübcke

Drei Wochen nach der Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben etwa 1200 Menschen gegen Rechtsextremismus und Gewalt demonstriert. Die Bundeskanzlerin forderte eine Aufklärung "ohne jedes Tabu".

Mit Schildern und Transparenten haben über tausend Menschen eine Mahnwache für den getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) in dessen Heimatstadt Wolfhagen abgehalten. "Der Marktplatz war voll", sagte der Dekan des Evangelischen Kirchenkreises, Gernot Gerlach, nach dem Gedenken. Die Teilnehmer folgten dem Aufruf eines Bündnisses von mehr als 60 lokalen Organisationen. Darunter waren SPD, Grüne und Linkspartei sowie Gewerkschaften, das Staatstheater und die für die Aufnahme von Mittelmeerflüchtlingen eintretende Bewegung Seebrücke. "Grundlage und Orientierung von Lübckes Handeln, auch seines Einsatzes für Geflüchtete, sei das Jesus-Wort gewesen", sagte Gerlach. 

Mahnwache anlässlich des Mordes an Walter Lübcke (picture-alliance/dpa/S. Pförtner)

Mahnwache anlässlich der Tötung an Walter Lübcke - rund 1200 Menschen folgten dem Aufruf

Während der Mahnwache, zu der auch eine Ansprache von Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos) gehörte, entzündete Dekan Gerlach drei Kerzen - darunter eine "für alle Anwesenden, die dem Zerstörungswahn der Rechtsextremisten widerstehen und sagen: Halt, stopp!". Die Täter hätten Lübcke zwar das Leben genommen, könnten ihm aber nicht seine Würde rauben.

Merkel warnt vor Vertrauensverlust 

Unterdessen ging die Debatte weiter, wie Politik und Behörden den Kampf gegen Rechtsextremismus verstärken können. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte im Zusammenhang mit der Tötung Lübckes vor einem Verlust der Glaubwürdigkeit in die staatlichen Institutionen. Der Fall Lübcke müsse ohne jedes Tabu aufgeklärt werden, sagte die CDU-Politikerin beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. "Sonst haben wir einen vollkommenen Verlust der Glaubwürdigkeit. Und der ist natürlich das Gegenteil von dem, was wir brauchen, nämlich Vertrauen", sagte Merkel.  

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte einen verstärkten Kampf gegen den Rechtsextremismus an. Rechtsextremismus stehe auf einer "Stufe mit dem islamistischen Terror und mit der Gefahr durch Reichsbürger", sagte Seehofer der Funke Mediengruppe. Wenn sich die Annahmen im Fall Lübcke bestätigten, sei "die Entwicklung brandgefährlich". 

Walter Lübcke ist tot (picture-alliance/U. Zucchi)

Walter Lübcke ist tot

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha erschossen worden. Dringend tatverdächtig ist Stephan E., der 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Ermittler vermuten einen rechtsextremen Hintergrund. Spekuliert wurde auch über mögliche Verbindungen zum NSU. Die rechts-terroristische Gruppe soll zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet haben: acht türkische Migranten, einen griechischen Einwanderer und eine Polizistin.

sth/kle (dpa, epd, afp) 

 

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