Macau: Geldversteck im Zockerparadies | Wirtschaft | DW | 08.01.2018
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Steueroasen

Macau: Geldversteck im Zockerparadies

Das Glücksspielparadies Macau will verstärkt am Bankensektor verdienen. Eher lasche Kontrollen locken immer mehr Schwarzgeld an. Davon profitieren auch portugiesische Banken in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Mal eben sehr viel Geld im Casino gewonnen, von dem das Finanzamt zuhause nichts erfahren soll? Oder Schwarzgeld diskret im Ausland parken? Alles kein Problem in Macau, der kleinen chinesischen Sonderverwaltungszone an der Perlflussmündung gegenüber von Hongkong. Selbst Geschäfte mit Nordkorea wickeln die Banken in der 500.000-Einwohner-Stadt ab, die bis 1999 noch unter portugiesischer Verwaltung stand. Darum hat sie die EU auch auf ihre schwarze Liste der "Steueroasen" gesetzt. Macau ist der größte Glücksspielort der Welt, stellt mit seinen mehr als 40 Casinos sogar Las Vegas in den Schatten. Dass dort viel Geld zweifelhafter Herkunft gewaschen wird, ist ein offenes Geheimnis. Aber auch die Banken im chinesischen Zockerparadies machen gern Geschäfte, die anderswo verboten sind.

Macao - Scott Chiang (Jochen Faget)

Scott Chiang, Abgeordneter im Stadtparlament von Macau

Die Delta Asia Bank zum Beispiel: Sie soll ebenso intensive wie illegale Finanztransaktionen mit und für Nordkorea abwickeln - obwohl harte UN-Sanktionen gegen das Land in Kraft sind. Der amerikanische Geheimdienst überwacht das Geldinstitut seit Langem, es darf keinerlei Geschäfte mit den USA machen. Der Rest der Welt, vor allem die Volksrepublik China, sind weniger zimperlich: "Es fällt schwer zu glauben, dass solche Aktivitäten im kleinen Macau ohne die Kontrolle des "großen Bruders" Peking stattfinden können", meint Scott Chiang. Er ist Abgeordneter im Stadtparlament von Macau - einer der wenigen demokratisch gewählten, die Mehrheit seiner Kollegen werden aufgrund des Wahlgesetzes letztendlich von der Volksrepublik China eingesetzt. Erstens, so Chiang, geschehe in Macau nichts, was Peking vorher nicht abgesegnet habe. Und zweitens habe die Regierung der Sonderverwaltungszone, anders als die der benachbarten Finanzmetropole Hongkong, kein Interesse daran, den Banken genauer in ihre Konten zu schauen.

Bankenwachstum um jeden Preis

Denn Regierungschef Fernando Chui Sai-on hat - natürlich auch, weil der "große Bruder" Peking dazu drängt - die Devise Diversifikation ausgegeben: Macau soll weg von der einzigen Einnahmequelle Glücksspiel; jetzt soll der Bankensektor wachsen - anscheinend nach dem Motto "legal, illegal, scheißegal"!

"Macau steht auf der schwarzen Liste der EU, weil die Geschäfte der Banken dort alles andere als transparent sind", stellt der portugiesische Wirtschaftswissenschaftler João Duque fest, die Bankenaufsicht lasse eher zu wünschen übrig. Anders als in der EU werden auch die eigentlich zuständigen Finanzämter nicht über die Konten ausländischer Kunden informiert. Ganz zu schweigen vom berüchtigten "off-shore-banking", das Steuerflüchtlinge so gerne nutzen, und praktisch alle in Macau vertretenen Banken anbieten. Ergebnis: Hauptsächlich die Neureichen aus Asien bunkern ihr Geld immer öfter in der Sonderverwaltungszone, statt in Singapur. Es heißt, vor allem Inder stünden in letzter Zeit Schlange, um Devisen in Macau zu deponieren.

Europäische Banken verdienen mit

Daran verdienen in Macau zwar vor allem chinesische Banken. Aber auch internationale Unternehmen wie die Bank of China, Standard Chartered oder die Hang Seng Bank unterhalten dort Filialen. Und auch portugiesische, also EU-europäische Banken: Die staatliche Gruppe "Caixa Geral de Depósitos", Portugals größte Bank, ist dort nicht nur mit einer Off-Shore-Filiale vertreten, ihr gehört auch die "Banco Nacional Ultramarino". Die ist eigentlich ein Überbleibsel aus Portugals Kolonialzeit, immerhin aber noch so wichtig, dass sie neben der Bank of China die Lokalwährung Pataca ausgeben darf.

João Duque (Jochen Faget)

João Duque, Finanzexperte in Macau

Zwar haben beide inzwischen verkündet, dass sie das "off-shore-banking" einstellen wollen. Das ändert aber nichts daran, dass sie weiterhin nur der kaum vorhandenen Bankenaufsicht von Macau unterliegen. Was ihre europäischen Kunden dort auf der hohen Kante haben, teilen sie natürlich auch keinem europäischen Finanzamt mit. "Das bedeutet ein hohes Risikopotential", formuliert diplomatisch der portugiesische Finanzfachmann João Duque. Scott Chiang, der Abgeordnete aus Macau, wird da schon deutlicher: "Ohne extrem starken internationalen Druck wird sich in der Finanz- und Steueroase Macau nichts ändern." Und selbst das mit dem "internationalen Druck" sei nicht so einfach: Schließlich verdiene Macau Milliarden am Glücksspiel, sei der Bankensektor für den Haushalt der Sonderverwaltungszone eher unbedeutend. Da tun mögliche internationale Sanktionen nicht wirklich weh...