Maas und die ″Erfolgsstory Sudan″ | Afrika | DW | 03.09.2019
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Sudan

Maas und die "Erfolgsstory Sudan"

Als erster ausländischer Außenminister seit der Revolution ist Heiko Maas in den Sudan geflogen. Die junge Generation dort ist voller Hoffnung – Deutschland will sie nicht enttäuschen. Aus Khartum Fabian von der Mark.

Sudan Bundesaußenminister Heiko Maas (picture-alliance/AP)

Außenminister Heiko Maas und der Staatssekretär im sudanesischem Außenministerium Omer Dahab Fadl Mohamed

Einen Großteil seiner Zeit im Sudan widmet Heiko Maas der sudanesischen Protestbewegung. Es ist für ihn die seltene Möglichkeit, "in einem Land zu sein, in dem gerade eine friedliche Revolution stattgefunden hat". Der deutsche Außenminister ist stolz, als erster ausländischer Minister seit dem Umsturz das Land zu besuchen.

"In der Situation, in der wir uns jetzt befinden, in der noch nicht entschieden ist, ob diese Entwicklung anhält und ob die Ziele, die die Menschen sich hier gestellt haben, auch erreicht werden, in dieser Phase braucht das Land die Unterstützung Deutschlands und Europas", sagte Maas in Khartoum. Insbesondere bei den Gesprächen mit Oppositionellen, Künstlern und Kreativen spürte Maas die hoffnungsvolle Aufbruchstimmung. Ihnen wolle er bei seinem Besuch seinen "Respekt zeigen", so der Minister.

Monatelang hatten vor allem junge Sudanesen gegen die Regierung von Machthaber Omar al-Bashir demonstriert. Fünf Monate nach dem Beginn der Proteste im Dezember 2018 errangen sie einen ersten Sieg: Am 11. April 2019 wurde al-Bashir 30 Jahre nach seiner Machtergreifung vom Militär abgesetzt. 

Sudan | Alaa Jaafar (DW/F. v.d. Mark)

Die Fotografin Alaa Jaafar dokumentierte den Umsturz im Sudan

"Wir hatten keine andere Wahl"

Doch nach dem Sturz Bashirs gingen die Proteste gegen die neue Militärregierung weiter. Am 3.Juni 2019 eskalierte die Lage: Eine Demonstration wurde vor dem Hauptquartier der Armee blutig niedergeschlagen, über 100 Demonstranten wurden getötet.

Die Fotografin Alaa Jaafar hat die Proteste mit ihrer Kamera dokumentiert. Jetzt zeigt sie dem deutschen Außenminister ihre Fotos. "Wir hatten keine andere Wahl, wir hätten uns schuldig gefühlt, wenn wir aufgehört hätten", erklärt die 31-Jährige.

Am Ende erzielten die Demonstranten einen weiteren Erfolg: Opposition und Militär einigten sich auf ein Abkommen und eine Übergangsregierung, die den Weg zu freien Wahlen vorbereiten sollen. Ein Rat aus sechs zivilen und fünf Vertretern des Militärs soll die dreijährige Übergangsphase begleiten.

Berlin sichert Humanitäre Hilfe zu

Maas sicherte dem sudanesischen Ministerpräsidenten Abdalla Hamdok deutsche Unterstützung zu. Deutschland werde die humanitäre Hilfe des Außenministeriums für den Sudan sofort um fünf Millionen Euro auf 15 Millionen pro Jahr erhöhen, verspricht Maas. Und: die seit 1989 eingefrorene Entwicklungshilfe könnte auch wieder fließen, stellt Maas in Aussicht.

Sudans neuer Premierminister Abdalla Hamdok (picture-alliance/AP Photo)

Hoffnungsträger: Der neue sudanesische Premierminister Abdalla Hamdok

Die finanzielle Unterstützung ist in Khartum willkommen. Denn Sudans neuer Premier Hamdok braucht vor allem Geld, um die Lebensverhältnisse im Sudan zu verbessern. Doch nach Jahren der Korruption und der Gewaltherrschaft gibt es große Hindernisse. So steht das Land weiterhin auf einer US-Liste von Staaten, die Terrorismus unterstützen, was den Zugang zu internationalen Krediten erschwert.

Maas kann sich Gespräche mit den Amerikanern über die Streichung des Sudans von der Terrorliste vorstellen, auch wenn er keinen Einfluss auf diese Entscheidung hat. Außerdem will er die "Erfolgsgeschichte" Sudan im UN-Sicherheitsrat ansprechen. Mit anderen Staaten der Gruppe "Friends of Sudan", so Maas, müsse nun überlegt werden, wie Hilfen so koordiniert werden, dass der Sudan schnell wieder in die Weltwirtschaft integriert werde.

Video ansehen 02:16

Ex-Machthaber al-Baschir steht im Sudan vor Gericht

Die sudanesische Fotografin Alaa Jaafar und die anderen jungen Kreativen aus Khartoum werden die Entwicklungen weiter genau beobachten. Für Jaafar war der Besuch des deutschen Außenministers ein wichtiges Zeichen: "Es fühlt sich nicht so an, als würden wir als irgendein Dritte-Welt-Land mit Problemen angesehen werden, sondern, als das, was wir wirklich sind."

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