Mäßige Beteiligung an europaweiten Pegida-Demos | Aktuell Europa | DW | 07.02.2016
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Aktuell Europa

Mäßige Beteiligung an europaweiten Pegida-Demos

Pegida-Anhänger haben in Dresden und anderen Städten Europas gegen die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert. Dabei kamen weniger Teilnehmer als erwartet. Die Polizei verhinderte Zusammenstöße mit Gegendemonstranten.

Zum europaweiten Aktionstag der islamfeindlichen Pegida-Bewegung sind deutlich weniger Menschen gekommen als erwartet. Bei der Hauptkundgebung in Dresden ging die Studenteninitiative "durchgezählt" von 6000 bis 8000 Pegida-Anhängern aus. Im Vorfeld des Aktionstages hatte die Polizei mit bis zu 15.000 Pegida-Sympathisanten in der sächsischen Hauptstadt gerechnet. Bei der Anti-Asyl-Demonstration waren "Merkel muss weg"-Rufe zu hören. Der Mitbegründer der Bewegung, Lutz Bachmann, hatte seine Teilnahme wegen Krankheit abgesagt.

In Dresden war die Polizei mit mehr als 1900 Beamten im Einsatz, um Auseinandersetzungen zwischen Pegida-Anhängern und Gegendemonstranten zu verhindern. Auch Wasserwerfer standen bereit. Nach dem Ende der Kundgebung kam es laut Polizei zu mehreren Zusammentreffen von Pegida-Anhängern und Gegendemonstranten. Dabei habe es größtenteils nur verbale Auseinandersetzungen gegeben, kleinere Handgreiflichkeiten seien von Einsatzkräften sofort unterbunden worden.

Liveschaltungen von Dresden zu Kundgebungen in Bratislava und Prag kamen wegen technischer Probleme nicht zustande. Stattdessen gab es anlässlich des gemeinsamen Aktionstages fremdenfeindlicher Gruppen Einspielfilme rechter Bündnisse aus der Slowakei, Ungarn, den Niederlanden und Estland. "Schämen sie sich, Kanzlerin Merkel", hieß es darin unter anderem. Durch die Einladung "massenhaft nicht integrierbarer oder unwilliger" Flüchtlinge stelle sie eine "Gefahr für die Freiheit und die Sicherheit Europas" dar.

Als Kreuzritter kostümiert demonstriert ein Mann in Prag gegen Einwanderung (Foto: Reuters)

Als Kreuzritter kostümiert demonstriert ein Mann in Prag gegen Einwanderung

Bengalos in Prag

In Prag kam es bei einer mit Pegida abgestimmten islamfeindlichen Kundgebung zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten. Es flogen Flaschen und Feuerwerkskörper. Rund 1500 Islamgegner hatten sich vor der Prager Burg versammelt und hielten Spruchbänder mit Parolen wie "Nein zur Einwanderung - Stopp der Merkelisierung" hoch.

In Calais und Kopenhagen, wo jeweils etwa 100 Demonstranten gezählt wurden, gab es einige Festnahmen. In Montpellier in Südfrankreich gingen etwa 200 Menschen gegen Migranten auf die Straße.

In Warschau kamen die Gegner einer Zuwanderung von Muslimen mit polnischen Fahnen (Foto: Reuters)

In Warschau kamen die Gegner einer Zuwanderung von Muslimen mit polnischen Fahnen

In Warschau rief Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling auf einer Kundgebung polnischer Nationalisten zum europäischen Schulterschluss gegen eine islamische Einwanderung auf. Vor einigen Hundert Teilnehmern, darunter Skinheads und militante Fußballfans, erinnerte sie an den Kampf von "Polen und Litauern, Sachsen und Österreichern" bei der Verteidigung Wiens gegen die Türken im 17. Jahrhundert. Damals habe das Heer des polnischen Königs das christliche Abendland gerettet.

Solidarität in Australien

Im australischen Canberra folgten etwa 400 Islamfeinde einem Demonstrationsaufruf. Sie skandierten Parolen wie: "Wir lieben Schweinefleisch!" Die Demonstranten trugen Banner mit Aufschriften wie "Rapefugees not welcome" und "Der Islam ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Anti-Pegida-Demonstranten zeigen Herz für Flüchtlinge (Foto: Reuters)

Anti-Pegida-Demonstranten zeigen Herz für Flüchtlinge

Gegen die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) waren in Dresden bereits am Vormittag Gegendemonstranten auf die Straße gegangen. Auf dem Platz vor der Semperoper, an dem für gewöhnlich montags Pegida-Kundgebungen stattfinden, waren bis zu 3500 Menschen versammelt und trugen Plakate mit Sprüchen wie "Kein Platz für Nazis".

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) forderte ein konsequentes Vorgehen gegen gewalttätige Pegida-Anhänger. Die Redner bei den Demonstrationen nähmen mittlerweile keine Rücksicht mehr und riefen offen zur Gewalt gegen Ausländer oder Politiker auf, sagte der amtierende Bundesratspräsident. "Da ist jetzt zunehmend die Staatsanwaltschaft gefragt", meinte Tillich.

ago/haz (dpa,afp, epd)

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