Lyriden: Ein leiser Schauer | Wissen & Umwelt | DW | 19.04.2018
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Astronomie

Lyriden: Ein leiser Schauer

Sternschnuppen sind immer wieder spektakulär. Ob die Geminiden, Perseiden oder wie gerade die Lyriden regnen - sie alle sind zauberhaft. Aber was ist diesmal so besonders? Nun ja, es gibt gute und schlechte Nachrichten.

Mit etwas Glück kann man natürlich das ganze Jahr über hier und da eine Sternschnuppe am Himmel erspähen. Aber es gibt Monate, zu denen der Blick gen Himmel in dieser Hinsicht etwas erfolgsversprechender ist - nämlich wenn sogenannte Meteorströme aktiv sind. "Es gibt nur etwa zwei Handvoll, die sich von der Erde regelmäßig mit dem bloßen Auge beobachten lassen", sagt Dominik Elsässer von der Vereinigung der Sternfreunde. Insofern ist der derzeitige Meteorstrom schon etwas besonderes: Vom 14. bis 30. April sind die Lyriden aktiv, die auch April-Lyriden genannt werden. 

Woher kommen die Lyriden?

Der Lyridenschauer entstammt dem Sternbild "Leier" (auch "Lyra"). Hier liegt der Radiant des Meteorstroms, damit bezeichnen Astronomen den scheinbaren Ursprung der Sternschnuppen. Die Leier gehört zwar zu den kleineren Sternbildern, trotzdem ist sie von Mai bis Januar leicht am abendlichen Himmel zu finden. Versuchen Sie's doch mal! Orientieren können Sie sich dabei am Hauptstern des Sternbildes, der auch gleichzeitig einer der hellsten ist: die Wega.

Tatsächlich ist es aber so, dass Sternschnuppen für gewöhnlich von Kometen stammen, die unsere Erdumlaufbahn kreuzen oder gekreuzt haben. Wer es ganz genau wissen möchte: Die Lyriden werden von Staubteilchen verursacht die der Komet C/1861 G1 (Thatcher), dessen Bahn die Erde immer um dieselbe Zeit im April kreuzt, verloren hat. Bei Kometen in Sonnennähe bilden solche Staubteilchen einen Teil des Kometenschweifs.

Augen auf!

Wer nun angefixt ist und ein paar Wünsche loswerden möchte, sollte sich die Nächte auf den 22. und 23. April im Kalender notieren. An diesen beiden Tagen werden von etwa Mitternacht bis zur Morgendämmerung die besten Beobachtungschancen bestehen, so Elsässer.

Bis zu 20 Meteore pro Stunde sollen dann aufblitzen. Dies mag nun etwas enttäuschend sein, wenn man bedenkt, dass in einer normalen Nacht mit bloßem Auge durchschnittlich fünf bis zehn Meteore - so die wissenschaftliche Bezeichnung für Sternschnuppen - pro Stunde zu sehen sind und bei den größten Meteorschauern wie den Perseiden bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde vorbeihuschen können.

Und huschen trifft hier tatsächlich zu: Bei den Lyriden handelt es sich um schnelle Sternschnuppen, die mit Geschwindigkeiten um 50 Kilometer pro Sekunde - also 180.000 Kilometer pro Stunde - in die Erdatmosphäre eindringen und verglühen. Eine Reise von der Erde zum Mond würde bei dieser Geschwindigkeit nur zwei Stunden dauern. Zum Vergleich: Beim ersten Flug zum Mond von der Erde 1969 waren die Astronauten rund viereinhalb Tage unterwegs. Zugegeben ist die Apollo-Kapsel damals jedoch auch eine Transferbahn mit sehr viel längerem Weg geflogen. 

Meteorströme auf der Südhalbkugel noch wenig erforscht

Grundsätzlich haben in gemäßigten nördlichen Breiten alle Menschen eine Chance, Sternschnuppen zu sehen. Etwas anders sieht dies auf der Südhalbkugel aus, erklärt Astrophysiker Dominik Elässer. Natürlich gebe es hier auch Sternbilder und Meteorströme, "die sind aber einfach noch nicht so ausführlich kartiert wie die auf der Nordhalbkugel". In Zukunft könnte demnach also noch der ein
oder andere interessante Schauer dazukommen.

Infografik Meteorschauer: Wann kann man die meisten Sternschnuppen sehen? DEU

Wann sind welche Meteorschauer aktiv? Die ZHR (Zenithal Hourly Rate) gibt an, mit wie vielen Sternschnuppen wir bei besten Beobachtungsbedingungen in der Stunde rechnen können

Dunkel und früh

Aber zurück zur Beobachtung der Lyriden. "Bei der Wahl der Beobachtungszeit ist so wenig Mondlicht wie möglich immer besser." Die Voraussetzungen dafür sind gut. Denn "das Maximum des Sternschnuppenstroms wird bei zunehmendem Halbmond erwartet", so Elsässer. Damit sei es einigermaßen dunkel. Der Mond gehe zudem um 3.00 Uhr unter - zu einem Zeitpunkt, wenn das Sternbild Leier, aus dem die Sternschnuppen "herauszuströmen" scheinen, hoch über dem Horizont steht.

Die Morgenstunden sind demnach die beste Zeit, um Sternschnuppen zu beobachten. Auch dann, weil wir dann frontal in die Richtung der in die Erdatmosphäre eindringenden Sternschnuppen schauen.

Der nächste Schauer kommt bestimmt

Unser Fazit? Wir freuen uns auf die Lyriden! Es kommen zwar nicht so viele Sternschnuppen vorbei wie bei anderen Meteorschauern, es verdecken aber auch nicht so viele Wolken die Sicht wie es so oft passiert. 

Wem die Lyriden trotz allem nicht spektakulär genug sein sollten, kann sich auf die Perseiden im Juli und August sowie auf die Geminiden im Dezember freuen - sie sind erfahrungsgemäß DIE Sternschnuppenereignisse des Jahres.

 

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