Lymphödeme - weniger Essen hilft nicht! | Wissen & Umwelt | DW | 23.02.2014
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Lymphödeme - weniger Essen hilft nicht!

Beine oder Arme können bei schlimmen Lymphödemen bis auf das drei- oder sogar vierfache anschwellen. Unförmige, extrem dicke Oberschenkel kommen also nicht immer von zu viel Essen und zu wenig Bewegung.

Es gibt viele Vorurteile gegen Menschen, die mit Lymphödemen zu kämpfen haben. Überwiegend Frauen leiden an dieser Erkrankung, die meist an den Beinen auftritt. Der Oberkörper ist normal gebaut oder sogar zierlich, die unteren Extremitäten überdimensinal dick.

Das filigrane Lymphsystem des Körpers ist gestört, die Gewebeflüssigkeit kann nicht mehr abfließen. Sie staut sich beim Lymphödem zwischen den Zellen, die Lymphen können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen.

"Sie sind das Entwässerungssystem des Körpers und werden vom Immunsystem genutzt", erklärt Bernhard Fleischer vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. "Alle Stoffe, die der menschliche Körper auf Fremdstoffe hin quasi untersucht, werden in den kleinen Lymphbahnen gesammelt und dann durch die Lymphknoten abtransportiert. Die schwellen an, wenn ein Infektionserreger im System ist und entfernen dann die Erreger." Diese Immunüberwachung funktioniert nicht mehr, wenn die Lymphbahnen verstopft sind und nicht mehr ausreichend viel Flüssigkeit abführen können.

Ein Lymphödem ist oft eine Folgeerkrankung

Bei den meisten Patienten ist das Lymphödem sekundär. Es kommt im Schlepptau einer anderen Erkrankung, nach einem Unfall oder auch nach einer Operation. So können die Lymphbahnen durch Brustkrebsoperationen geschädigt werden, wenn etwa die Lymphknoten unter den Achseln entfernt wurden. Auch Bestrahlungen können die wichtigen Transportwege des Körpers angreifen, genauso wie ein Tumor oder ein Schlaganfall.

Als eine Therapie verordnen Ärzte meist Lymphdrainagen, bei denen erfahrene Physiotherapeuten die betroffenen Körperregionen mit einer speziellen Massagetechnik behandeln und so die Lymphen anregen. Das muss regelmäßig gemacht werden, denn die Erkrankung ist chronisch, geheilt werden kann sie nicht. Auch eng sitzende Kompressionsstrümpfe gehören für viele Patienten zum Alltag, egal welcher Altersgruppe sie angehören.

Mit Kompressionsstrümpfen in die Disco?

Während sich die sekundäre, die erworbene Form also, meist im Erwachsenenalter entwickelt, hat die primäre Form des Lymphödems erbliche Ursachen. Sie kann schon im Säuglingsalter auftreten. Auch hier sind meistens Mädchen betroffen. Sie leiden nicht nur körperlich, sondern oft auch seelisch, gerade in der Pubertät. Wenn Freundinnen und Klassenkameradinnen vielleicht enge Hosen tragen oder schmale Röcke - für Mädchen mit Lymphödemen kommt das meist nicht infrage. Durch die überdimensionale Schwellung der Oberschenkel sind manchmal sogar dicke Kompressionsstrümpfe angesagt. Diese unterstützen den Körper dabei, Schlackenstoffe abzutransportieren, gelten aber nicht gerade als sexy. Die Betroffenen müssen häufig gegen Hänseleien und Vorurteile kämpfen. Viele denken bei dicken, aufgedunsenen Armen und Beinen wohl eher an zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Bewegung hilft tatsächlich, kann die Lymphödeme dauerhaft aber nicht beseitigen. Drei Stadien dieser Erkrankung gibt es. Die schlimmste Form ist die sogenannte Elefantiasis. Da erklärt sich der Name von selbst.

Elefantiasis ist die schlimmste Form

Vor allen Dingen in Asien, Afrika und Teilen Südamerikas leiden viele Menschen unter der so genannten lymphatischen Filariasis. Auch dabei sind die Lymphbahnen verstopft. Aber anders als beim primären und sekundären Lymphödem in Industrieländern ist die Filariasis eine Infektionskrankheit. Übertragen wird sie durch Insekten, erklärt Bernhard Fleischer. "Die Mücke überträgt eine Larve, die in die Lymphbahnen wandert und sich dort zu einem großen Wurm entwickeln kann. Man kann ihn sogar im Ultraschall sehen.

Ein Mädchen mit Filariasis

In Afrika und Asien wird die Elefantiasis durch Würmer ausgelöst

"Schätzungen zufolge, so der Mediziner weiter, seien weltweit 120 Millionen Menschen in 83 Ländern infiziert. Die medizinische Versorgung reicht in vielen der betroffenen Länder nicht aus, um die Infektion im Keim zu ersticken. "Ist die Krankheit erst einmal fortgeschritten, ist es schwierig sie zu behandeln. Schon im Kindesalter können die Würmer in die Lymphbahnen gelangen und sie verstopfen." Es gebe Medikamente, die gegen diese Fadenwürmer wirken, so Fleischer, aber wenn es über längere Zeit immer wieder zu Infektionen kommt, die nicht entsprechend behandelt werden, kann sich nach vielen Jahren eine Elefantiasis entwickeln.

Einiges ist auf diesem Gebiet erforscht worden, auch am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin: "Wir haben an diesem Institut herausgefunden, dass die Würmer im Inneren Bakterien tragen. Die brauchen sie, um zu überleben. Wenn man diese Bakterien mit Antibiotika vernichtet, dann stirbt auch der Wurm ab." Man müsste die Menschen direkt behandeln, auch die Kinder. In Gegenden aber, in denen Infektionen immer wieder übertragen werden, ist das schwierig.