Lufthansa-Chef will kein ″blindes Wachstum″ | Aktuell Welt | DW | 20.08.2019
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Luftverkehr

Lufthansa-Chef will kein "blindes Wachstum"

Die Ferien-Saison geht dem Ende zu, viele Deutsche treten den Rückflug an. Und die Fluglinien versuchen sich mit Billig-Preisen zu unterbieten. Lufthansa-Chef Spohr fordert mehr "qualitatives Wachstum" für die Branche.

Deutschland Lufthansa stellt Quartalszahlen vor (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Für Carsten Spohr ist der Klimaschutz in der Luftfahrt ein wichtiges Thema (Archivbild)

Für 15 Euro von Berlin nach Madrid, 10 Euro für die Strecke Düsseldorf - Stockholm. Auf den Webseiten vieler Fluggesellschaften sind solche Angebote Alltag. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich jetzt für ein langsameres Wachstum des Luftverkehrs ausgesprochen. "Diese Branche braucht qualitatives Wachstum, kein blindes quantitatives Wachstum", sagte der Vorstandschef des Dax-Konzerns. Ohne den Namen des Konkurrenten Ryanair zu nennen, kritisierte Spohr den "weltweit einzigartigen Preiskampf", der in diesem Sommer auf dem deutschen und österreichischen Kurzstrecken-Markt stattgefunden habe.

Blick auf das Klima

"Nicht nur, weil 5-Euro-Tickets das System verstopfen, sondern auch, weil 5-Euro-Tickets uns angreifbar machen für Kritik - und die vielen nachhaltigen Dinge, die wir tun als Branche, in Frage stellen," so Spohr. Denn insbesondere beim Thema Klimaschutz wolle auch die Lufthansa ihren Beitrag leisten. Den wichtigsten Hebel zur Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes in der Luftfahrt sieht Spohr im Einsatz moderner Flugzeuge. Damit könne der CO2-Ausstoß pro Passagier um 25 Prozent gesenkt werden. Weitere zehn Prozent weniger CO2 könnten durch eine effizientere Flugsicherung erreicht werden. Die Luftverkehrssteuer sollte für Forschungsprojekte genutzt werden, die der Luftfahrt zugute kommen.

Auf das Kerosin als Treibstoff würden die Flugzeuge wegen der notwendigen Energiedichte aber auch auf lange Sicht nicht verzichten können. "Der letzte Tropfen Benzin wird durch ein Flugzeugtriebwerk fließen", zeigte sich der Lufthansa-Chef überzeugt. Allerdings könne das Flugkerosin synthetisch hergestellt und so CO2-frei werden, so Spohr. Noch sei diese Art des Kerosins aber sehr teuer. 

Deutschland British Airways und Lufthansa (picture-alliance/dpa/M. Mainka)

Laut Spohr wird es in Zukunft nur noch einige große Fluglinien geben (Archivbild)

Lufthansa "gut positioniert"

Eine weitere Entwicklung wird laut Spohr die Konsolidierung der Luftfahrtbranche sein. Die erkennbare Abschwächung der Konjunktur werde dies beschleunigen, erläuterte der Vorstandschef. Hierauf sei die Lufthansa vorbereitet: "Wir sind gut positioniert für die zunehmende globale Konsolidierung, in der wir eine Rolle spielen wollen und eine Rolle spielen werden." Der Konzern hatte etwa an der Ferienfluggesellschaft Condor des britischen Reisekonzerns Thomas Cook Interesse gezeigt, der Verkaufsprozess wurde aber ausgesetzt. Nach Ansicht Spohrs wird es irgendwann - neben kleineren Fluglinien - nur noch etwa zwölf echte globale Carrier geben - "drei in den USA, drei in China, drei am Golf und drei in Europa." Die Lufthansa werde einer davon sein.

Um auf dem Markt mithalten zu können, will die Lufthansa vor allem bei der Tochter Eurowings drastisch die Kosten senken. Im Juni musste der Konzern aber wegen des schwachen Geschäftsverlaufs seine Jahresprognose kappen. Vor allem kleine Wettbewerber bleiben in diesem Umfeld auf der Strecke, zuletzt die isländische Wow Air, davor in Deutschland die Fluggesellschaft Germania und 2017 Air Berlin.

rku/haz (dpa, rtr)

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