„Los, Marsch, Marsch!“ | Sprachbar | DW | 23.09.2015
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Sprachbar

„Los, Marsch, Marsch!“

Man kann es alleine tun, aber auch zu mehreren: marschieren. Ein Marsch kann demonstrativen, repräsentativen oder militärischen Zwecken dienen. Marsch ist aber auch Musik, Brauchtum und ein Wort der Alltagssprache.

Audio anhören 06:51

„Los, Marsch, Marsch!“ – die Folge als MP3

Das Wort Marsch kommt aus dem Französischen: „marche“ heißt hier „Gang“, „Wanderung“. Im Altfränkischen gab es das Wort „Mark“, eine Spur hinterlassen. Wer marschiert, geht also immer weiter, ohne Rücksicht auf den Untergrund oder den Weg. Natürlich hinterlässt er dabei Spuren.

Im Gleichschritt Marsch

Nur wer würde schon bei einer Wanderung oder beim Spaziergang im Gleichschritt marschieren? Beim Militär gehört das dazu. Der Gleichschritt stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Schließlich geht es um den Kampf gegen Feinde – und da ist Mut gefragt. Der steigt, wenn man sich als Teil einer Gruppe fühlt. Der Gegner erscheint dann sogar nicht mehr so gefährlich – das haben zumindest Psychologen herausgefunden.

Soldaten stehen in Reih und Glied

Eine Brigade kurz vor dem Abmarsch

Marschieren ist eine beliebte Truppenübung. Es gibt den Nachtmarsch oder den Gewaltmarsch. Für beide braucht man eventuell Marschverpflegung, also etwas zu Essen und zu Trinken. Gewaltmärsche und Marschverpflegung können sich übrigens auch bei Wanderungen wiederfinden. Wer dort Proviant mitnimmt beziehungsweise ohne Pausen wandert, spricht gerne scherzhaft von Marschverpflegung beziehungsweise einem Gewaltmarsch. Marschiert wird beim Militär in einer geordneten Formation, in Kolonne. Wenn diese sich zum Gefecht aufstellt, spricht man von einem Aufmarsch. Wenn die Soldaten wieder zurück in die Kolonne gehen, heißt es Abmarsch, was übrigens manchmal auch scherzhaft in der Umgangssprache verwendet wird, wenn man aufbricht.

Marsch ohne Gleichschritt

Ostermarsch in Duisburg

Ostermärsche haben in Deutschland eine lange Tradition

Doch nicht nur beim Militär wird marschiert. Auch eine Demonstration kann ein Marsch sein, wenn sich Menschen in einem Protestmarsch vorwärts bewegen. Bekannt geworden sind die Ostermärsche, mit denen seit den 1960er Jahren für Frieden und Abrüstung demonstriert wird.

Ebenfalls politische Wurzeln hat der redensartlich lange Marsch durch die Institutionen. Dieser Begriff wurde während der Studentenrevolte Ende der 1960er Jahre geprägt. Innerhalb des bestehenden Systems wurde versucht, gesellschaftspolitische Veränderungen zu erreichen. Nur dafür brauchte man einen langen Atem, viel Geduld und Zähigkeit. Eigentlich zurück geht der Begriff auf den „Langen Marsch“ der chinesischen Roten Armee unter Mao Tse-tung 1934/35 von Kiangsi nach Schensi. Tja, Mao war damals sehr beliebt bei den Studenten.

Mit Musik marschiert sich's besser

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Schon die Landsknechte im Mittelalter spielten Marschmusik

Kehren wir zurück zum „Gleichschritt, Marsch!“ Natürlich lässt sich besser marschieren, wenn Musik dazu erklingt. Begonnen hat das allerdings bei kirchlichen Prozessionen im späten Mittelalter. Das sind ja auch irgendwie Märsche. Auch wenn ein Fürst in die Stadt einzog, wurden Pauken und Trompeten gespielt, oder man begleitete festliche Umzüge mit Trommeln und Pfeifen. Es gab auch immer Lieder, die beim Marschieren gesungen wurden, von den sogenannten Landsknechtsliedern des Mittelalters bis zu Wanderliedern wie: „Mein Vater war ein Wandersmann“.

Musik eignete sich immer dann zum Marschieren, wenn sie einen geraden Takt hatte. Daher stammt auch das sprichwörtlich gewordene „Links zwo, drei, vier“. Und je nachdem, wie schnell man marschieren muss, gibt es den passenden Marsch dazu: vom langsamen Parademarsch über den Geschwindmarsch bis zum Quickmarsch. Doch auch die klassischen Komponisten entdeckten den Marsch für sich. Es gibt ihn in Opern und als Klaviermusik. Und mit einem Marsch wird manchmal auch die Braut zum Altar geführt. Bekannt sind hier die Hochzeitsmärsche der beiden deutschen Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner.

Der Karneval und die Märsche

Trompeter in Uniform beim Rosenmontagszug

Beim Rosenmontagszug wird der Marsch geblasen

So richtig beliebt ist das Marschieren nicht in Deutschland. Militär, Marschmusik, Zucht und Ordnung, all das lässt doch sehr an das Preußentum sowie später das Dritte Reich denken. Nur im Karneval sieht das anders aus. Der entstand in Städten wie Köln und Mainz zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Karnevalsbräuche, Uniformen, Orden und die Musik machten sich damals über das preußische Soldatentum lustig – wie beispielsweise der Narrhallamarsch der Mainzer Karnevalisten.

Heute hat jede Karnevalsgesellschaft ihre eigenen Märsche, in den Karnevalsumzügen spielen die typischen Militärkapellen, Fanfarenzüge, Spielmannszüge mit Pfeifen und Trommeln und große Blaskapellen. Und hin und wieder wird auch im Gleichschritt marschiert. Immerhin ist es egal, ob mit dem rechten oder linken Fuß zuerst begonnen wird.

Marsch ins Bett

Schlafendes Kind mit Teddybär

Die Aufforderung "Marsch ins Bett" hat offenbar gewirkt ...

Auch die Redewendungen, in denen der Marsch vorkommt, sind immer ein wenig ironisch gemeint. Meine Mutter sagte zu uns: „Jetzt aber Marsch ins Bett“, wenn es am Abend mal wieder spät geworden war. Und wenn man sich nicht daran hielt, konnte man drauf wetten, dass ein ordentliches Gewitter im Anmarsch war. Natürlich nur im übertragenen Sinn, denn dann wurde man ausgeschimpft. Wenn ein richtiges Gewitter im Anmarsch ist, dann kommt es näher. Und wer dann nicht nass werden will, der sollte sich langsam mal in Marsch setzen. Übrigens: Selbst bei der Feuerwehr geht's nicht ohne Marsch: Der Befehl, den Wasserhahn zum Löschen aufzudrehen, heißt „Wasser, Marsch!“ Das ist dann ausnahmsweise nicht ironisch gemeint.




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