Lieferung frei Haus könnte bald passé sein | Wirtschaft | DW | 01.12.2017
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Onlinehandel

Lieferung frei Haus könnte bald passé sein

Die wachsende Paketflut nicht nur zur Weihnachtszeit wird zum Problem. Nun diskutiert die Branche über Maßnahmen, die am Ende auch die Verbraucher spüren dürften.

Rund 3,16 Milliarden Sendungen beförderten Paketdienste wie DPD, GLS, Hermes oder UPS im vergangenen Jahr. In diesem Jahr erwarten sie einen Anstieg auf über 3,3 Milliarden Sendungen. Zu Spitzenzeiten werden demnach "deutlich mehr" als 15 Millionen Sendungen pro Tag befördert. In der Weihnachtszeit würden 25.000 zusätzliche Zusteller beschäftigt.

"Wir hatten im Sommer bereits die Spitzenwerte von Weihnachten 2016", sagte der Präsident des Bundesverbandes Onlinehandel (BVOH) Oliver Prothmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Im Sommer 2018 könne die Branche dann wieder bei den Spitzenwerten von Weihnachten dieses Jahres landen. "Wir haben dauerhaft ein Logistikproblem", sagte er. "Da muss schnell eine Lösung her."

Prothmann schlägt Abholpunkte für die Empfänger vor. Der Lieferdienst DPD fordert einen privilegierten Zugang seiner Fahrzeuge zu öffentlichen Parkflächen. In einer Studie des Beratungsunternehmens PwC werden auch digitale Lösungsansätze angeregt, etwa die bessere Nutzung von Verkehrsdaten für die Verkehrsplanung und -steuerung durch Datenplattformen oder der Einsatz von Apps zur Information und Kommunikation zwischen den Beteiligten.

Deutschland Paketzustellung per Roboter in Hamburg (picture-alliance/dpa/D. Bockwoldt)

Paketbote Roboter?

Aufschlag für Lieferung bis zur Haustür

Eine andere Lösung könnte sein, Paketkunden für Lieferungen bis zur Haustür extra zur Kasse zu bitten. "In der Zukunft kann es so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann zum Beispiel 50 Cent kostet", sagte der Geschäftsführer des Paketdiensts DPD, Boris Winkelmann, der "Wirtschaftswoche".

Zustimmung bekam der DPD-Chef vom Konkurrenten Hermes: "Die Zustellung an die Haustür muss angesichts des hohen Aufwandes teurer werden", sagte Hermes-Geschäftsführer Frank Rausch der Zeitschrift. "Was wir dringend brauchen, sind große Paketshops oder Mikrodepots in den urbanen Räumen, die alle Paketdienste nutzen können."

Hermes erwartet in diesem Jahr das mengenstärkste Weihnachtsgeschäft seiner Geschichte. Das Unternehmen liefert nach Angaben eines Sprechers in der Weihnachtszeit täglich bis zu 2,2 Millionen Pakete in Deutschland aus - deutlich mehr als an durchschnittlichen Tagen. Das Unternehmen will deshalb mit den Händlern erstmals Obergrenzen aushandeln, über die hinaus das Unternehmen keine weiteren Pakete zur Sendung annimmt.

DHL beruhigt die Kunden

Den Weihnachtsstress spürt auch der Marktführer DHL. Bis zu 8,5 Millionen Pakete täglich stellen die Fahrer in den Tagen kurz vor Weihnachten zu - etwa doppelt so viele wie an Durchschnittstagen. Rund 10.000 zusätzliche Aushilfskräfte hat das Unternehmen für die Weihnachtszeit eingestellt. DHL sieht sich damit gut vorbereitet: "Einen Zuschlag für das Weihnachtsgeschäft oder Obergrenzen für unsere Großversender haben wir aktuell ebenso wenig geplant wie eine zusätzliche Gebühr für die Zustellung von Paketsendungen an der Haustür", teilte eine Sprecherin mit.

Frachtzentrum der Deutschen Post in Nürnberg (picture-alliance/dpa/D. Karmann)

Branchenführer DHL sieht noch keinen Handlungsbedarf

Die Verbraucher selbst sind laut PwC-Umfrage oft unzufrieden mit der Paketzustellung: Jeder Fünfte bemängelt unpünktliche Lieferungen, fast ebenso viele Befragte gaben an, beschädigte Sendungen bekommen zu haben. Verbraucher wünschen sich demnach vor allem pünktliche Lieferungen, die aber nichts kosten sollen, und am besten umweltfreundlich und leise daherkommen - etwa per Elektroauto oder Fahrrad. Das ist den meisten laut der im Oktober veröffentlichten Umfrage sogar wichtiger als eine besonders schnelle Lieferung.

zdh/rb (afp, dpa)