Libyen nach Gaddafis Tod vor Neuanfang | Welt | DW | 21.10.2011
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Welt

Libyen nach Gaddafis Tod vor Neuanfang

Nach dem Tod von Ex-Diktator Gaddafi steht das Land vor einem politischen Neustart. Gaddafi selbst soll in Kürze beigesetzt werden. Doch wer feuerte die tödlichen Schüsse auf den 69-Jährigen?

Mann in Uniform tritt gegen ein Mauer-Graffiti, das Gaddafi darstellt (Foto: dapd)

Genugtuung nach dem Tod des Týrannen

Nach dem blutigen Ende des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi fasst Libyen seine politische Zukunft ins Auge. Der Chef der amtierenden Regierung, Mahmud Dschibril, sagte, die Zeit für ein geeintes Land sei gekommen: "Ein Volk, ein Libyen."

Der Übergangsrat wolle schon am kommenden Samstag offiziell den Beginn der Übergangsphase auf dem Weg zu einem demokratischen Staat verkünden. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, wolle dies in Sirte, der Heimatstadt von Ex-Diktator Gaddafi tun.

Chef der amtierenden Regierung: Mahmud Dschibril (Foto: ap/dapd)

Chef der amtierenden Regierung: Mahmud Dschibril

Die Weichen stellen

Dann werde binnen 30 Tagen eine neue Übergangsregierung gebildet. Acht Monate später solle dann ein Nationalkongress einberufen werden, um die Weichen für einen kompletten Neuanfang zu stellen.

Gaddafi soll noch im Laufe dieses Freitag (21.10.2011) an einem geheimen Ort nach islamischem Ritus beigesetzt werden. Offenbar will der Übergangsrat so verhindern, dass die Grabstätte zu einem Wallfahrtsort für Gaddafi-Anhänger wird.

Tödlicher Kopfschuss

Wer den 69-Jährigen am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte tötete, liegt weiter im Unklaren. Dschibril erklärte, Gaddafi sei ins Kreuzfeuer von Regierungskämpfern und eigenen Anhängern geraten und habe dabei einen tödlichen Kopfschuss erlitten. Ein Gerichtsmediziner habe nicht feststellen können, von welchen Kämpfern das Geschoss stammte.

Nach Darstellung Dschibrils war Gaddafi "bei guter Gesundheit", als er gefunden wurde, und er habe eine Waffe bei sich gehabt. Anschließend habe man ihn auf einen Pickup gebracht. Als das Fahrzeug losfuhr, sei es zu einer Schießerei zwischen Gaddafi-Anhängern und Gegnern gekommen. Dabei habe Gaddafi einen Kopfschuss erlitten. Bis zu seinem Eintreffen im Krankenhaus in Misrata sei er jedoch am Leben gewesen.

Wollte Gaddafi fliehen?

Ein Kommandeur der Truppen des Übergangsrats in Sirte hatte zuvor gesagt, Gaddafi habe aus einem Jeep zu fliehen versucht, als dieser beschossen wurde. Er habe sich in einem Abwasserkanal versteckt, sei dann jedoch mit einer Kalaschnikow und einer Pistole in den Händen herausgekommen. Dann sei er von Kämpfern des Übergangsrats an der Schulter und am Bein getroffen worden. "Danach starb er", so der Kommandeur.

Videoaufnahmen zeigen Gaddafi nach seiner Festnahme lebend inmitten von Kämpfern des Übergangsrats. Anschließend ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie Gaddafi auf einen Pickup gezogen wird.

Den Haag dringt auf Untersuchung

Bei den Kämpfen um Sirte wurde auch mindestens ein Gaddafi-Sohn getötet. Nach Angaben des Übergangsrates handelte es sich um Muatassim Gaddafi. Saif al Islam, der lange als Nachfolger des Machthabers gehandelt worden war, sei verletzt worden, sagte Justizminister Mohammed al Alagi.

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam (Foto: ap/dapd)

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam

Dschibril erklärte, der Übergangsrat habe noch am Donnerstag, nachdem Gaddafi getötet worden sei, Kontakt mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgenommen. Das Gericht in Den Haag habe die Libyer gebeten, Gaddafi vorerst nicht zu begraben, damit der Leichnam untersucht werden könne.

Nato beendet Einsatz

Der Übergangsrat habe jedoch anders entschieden. Ärzte hätten allerdings Haar- und Gewebeproben von der Leiche genommen, um keine Zweifel an der Identität des Getöteten aufkommen zu lassen.

Der Nato-Rat will auf einer Sondersitzung voraussichtlich schon an diesem Freitag den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Libyer zur Versöhnung auf: "Die Kämpfer aller Seiten müssen ihre Waffen in Frieden niederlegen. Das ist die Zeit der Versöhnung, nicht der Rache."

Autorin: Eleonore Uhlich (dpa,afp,rtr)
Redaktion: Marko Langer

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