Libra: Weltweit bezahlen mit der Facebook-Münze | Wirtschaft | DW | 18.06.2019
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Kryptowährung

Libra: Weltweit bezahlen mit der Facebook-Münze

Sie fürchten die Macht von Facebook, wenn es um Ihre Daten geht? Dann halten Sie jetzt Ihr Portemonnaie fest: Facebook plant, eine eigene Währung an den Start zu bringen. Für mehr als zwei Milliarden Nutzer.

Facebook ist nach eigenen Angaben in gut 200 Ländern rund um den Globus aktiv, fast 1,6 Milliarden Menschen nutzen das Netzwerk täglich, so der Stand Anfang 2019. Dazu kommen die Nutzer der Facebook-Töchter Instagram und WhatsApp - noch einmal mehr als 2,5 Milliarden. Und dieser globale Riese nimmt eine Menge Geld in die Hand, um selber Geschäfte mit Geld machen zu können.

Libra heißt das Projekt einer eigenen Währung bei Facebook. Details des Mega-Projekts stellte das Unternehmen an diesem Dienstag vor.

"Der Facebook-Coin könnte ein echter Meilenstein in der Geldgeschichte sein", sagte Thorsten Polleit, Chefökonom von Degussa Goldhandel der Zeitung "Welt". Facebook will, dass die eigenen Nutzer im Netz gekaufte Waren mit dem neuen digitalen Zahlungsmittel bezahlen können, dass sie Geld untereinander überweisen und womöglich an eigens aufgestellten Geldautomaten die neue Kryptowährung in die jeweilige Landeswährung umtauschen können.

"Meilenstein in der Geldgeschichte"?

Stichwort "Kryptowährung" - genau darum geht es, also um ein Zahlungsmittel, das ähnlich wie Bitcoin und viele andere digitale Münzen auf komplexen Rechnerprozessen basieren soll, der sogenannten Blockchain-Technologie. Der entscheidende Unterschied: Während Bitcoin und andere bisherige  Kryptowährungen starken Kursschwankungen ausgesetzt sind, will Facebook die eigene "Währung" stabil halten - dazu soll sie an einen ganzen Währungskorb gekoppelt werden, zu dem Dollar, Euro, Yen, Schweizer Franken und vielleicht andere Währungen gehören.

 Kryptowährungen (Reuters/D. Ruvic)

Kryptowährungen: Es gibt bereits mehr als 2.200 verschiedene digitale Münzen

Für Libra denkt Facebook offenbar an eine Stiftung oder ein Konsortium, das die Digitalwährung kontrolliert. An dieser LibraAssociation wollen sich nach Medieninformationen gut zwei Dutzend Firmen beteiligen. Unter den aktuell 28 Mitgliedern sind die Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal und Stripe, mit an Bord sind aber auch Vodafone und Ebay, die Reisebuchungs-Plattform Booking.com sowie der Musikstreaming-Dienst Spotify und die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft.

Die Firmen investierten jeweils etwa zehn Millionen Dollar (8,9 Millionen Euro) in das Konsortium, berichtete die US-Zeitung "Wall Street Journal". Insgesamt will Facebook für das Projekt laut WSJ rund eine Milliarde Dollar aufbringen. Im Jahr 2020 soll Libra an den Start gehen, bis dahin hofft man auf mehr als 100 Mitglieder.

Das Ziel: eine globale Währung

Die neue Währung soll denn auch nicht nur für Nutzer von Facebook & Co. bereit stehen, sondern genauso als Zahlungsmittel außerhalb der eigenen Netzwerke. Der Facebook-Coin hätte durchaus das Zeug, zur Weltwährung des 21. Jahrhunderts zu werden, mutmaßen Ökonomen. Die gigantische Marktmacht von Facebook macht's möglich. 

Facebook lässt keinen Zweifel daran, dass Libra am Ende eine globale Währung werden soll, mit der man genauso wie mit dem heutigen Geld alles und überall kaufen kann - egal, ob online oder in einem Laden. Der für das Projekt zuständige Facebook-Manager Manager David Marcus schränkte zugleich aber ein: "Ich denke, dass jede neue Währung viel Zeit brauchen wird, um so groß zu werden wie eine existierende nationale Währung einer großen Volkswirtschaft."

USA San Jose Mark Zuckerberg (picture-alliance/AP Photo/M. Jose Sanchez)

Bald Banker? Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Die Grenzen einer einzelnen Volkswirtschaft, und sei sie auch so groß wie die der USA, will die Facebook-Libra jedenfalls hinter sich lassen. Die Vision sei, Libra schließlich zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen zu machen. Für Verbraucher soll es einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu machen.  

"Mehr Daten über unser Verhalten"

Facebook hat gute Gründe, sich an das anspruchsvolle Vorhaben zu machen. Die Zahl der Nutzer des Netzwerks steigt nicht mehr wie früher, Datenmissbrauch und andere Skandale machen Facebook zu schaffen, neue Geschäftsfelder müssen her. Im Zentrum dabei: die Kenntnis über Daten und Kunden. "Facebook will neue Einnahmequellen erschließen", sagte Thomas Schouten von Lisk Marketing der DW, "aber will auch mehr Daten über unser Verhalten bekommen, um herauszufinden, was uns zu unseren Online-Käufen bewegt."

Schaut man auf die Börsenreaktionen, nachdem das Projekt nun mehr und mehr Gestalt annimmt, scheint Facebook auf dem rechten Weg: Von "Euphorie" war am Montag die Rede, und Facebook-Aktien stiegen an der Nasdaq in New York um 4,2 Prozent im Wert. Ein Experte schätzte die Kryptowährung "Libra" als Schritt ein, der die Wachstumsperspektiven des Social-Media-Unternehmens dramatisch verbessern könnte.

Allerdings bedarf es für Libra noch der Zustimmung staatlicher Aufsichtsbehörden, und die Hürden für eine Zulassung in den USA, der EU und anderen Staaten sind hoch. Ob es auf Dauer bei Macht und Einfluss dieser staatlichen Behörden bleibt, scheint aber nicht so gewiss, wenn die Facebook-Pläne Wirklichkeit werden: "Wenn Facebook eine Kryptowährung ausgibt", sagt etwa Sven Korschinowski, Experte für digitales Bezahlen bei KPMG, "wird der Konzern zu einer Zentralinstanz ähnlich wie eine FED oder eine EZB."

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