Lehrermangel an Grundschulen nimmt bis 2025 massiv zu | Deutschlehrer-Info | DW | 01.02.2018
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Lehrermangel an Grundschulen nimmt bis 2025 massiv zu

Schon heute gibt es zu wenig Lehrpersonal an deutschen Grundschulen. Eine Studie prognostiziert, dass das in den nächsten Jahren noch viel schlimmer werden könnte, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Der Lehrermangel an den Grundschulen in Deutschland spitzt sich nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in den nächsten Jahren dramatisch zu. Bis ins Jahr 2025 werden demnach rund 35.000 Lehrer für die ersten Schuljahre fehlen. Insgesamt müssten in diesem Zeitraum etwa 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Es stünden aber nur rund 70.000 Absolventen zur Verfügung.

Laut der Studie werden allein 26.000 Lehrer zusätzlich benötigt, um den Unterricht bei steigenden Schülerzahlen zu gewährleisten. Weitere 19.000 müssten für den Ausbau der Ganztagsschulen eingestellt werden. Auf der anderen Seite gingen 60.000 Lehrkräfte bis 2025 in den Ruhestand, so die für die Studie verantwortlichen Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn.

Eine Entspannung der Situation sei erst ab 2026 zu erwarten, weil die Geburtenzahlen inzwischen wieder sinken. An den weiterführenden Schulen werde der Anstieg der Schülerzahlen dann gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts zu spüren sein und auch dort für Lehrermangel sorgen.

Kein neues Problem

Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit schon rund 2.000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt. „Gute Schule ist guter Unterricht und der wird durch gute Lehrer gemacht. Angesichts des bundesweiten Lehrermangels sollten sich die Länder die Lehrer nicht länger gegenseitig abwerben", forderte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, bei der Veröffentlichung der Studie in Gütersloh. „Die Verantwortlichen sollten gemeinsame Lösungen suchen, um den Bedarf zu decken – und zwar ohne die Qualität einreißen zu lassen."

Was kann man tun?

Die Bertelsmann-Stiftung sieht drei Möglichkeiten, den vorübergehenden Bedarf an Grundschullehrern besser abzudecken. Die Forscher schlagen vor, den überwiegend weiblichen Lehrkräften, von denen 40 Prozent in Teilzeit arbeiten, Anreize zum Aufstocken zu bieten.

Auch könnten Grundschullehrer, die kurz vor der Pensionierung stehen, wieder mehr unterrichten. Die Studienautoren schränken aber ein, dass wegen der Freiwilligkeit nur schwer einzuschätzen sei, wie diese Angebote angenommen würden.

Als dritte Möglichkeit schlagen die Autoren vor, Quereinsteiger ohne Grundschulstudium einzusetzen. „Flexible Zugangswege zum Lehrerberuf und pädagogische Qualität dürfen nicht im Widerspruch stehen. Wir brauchen einheitliche Standards für die Qualifizierung von Seiteneinsteigern", sagte Dräger.

Kultusminister weisen Kritik zurück

Angesichts der Warnungen unterstrichen die Bundesländer ihr Engagement zur Lösung des Nachwuchsproblems. „Alle 16 Länder sind sich der Lage bewusst und ergreifen bereits landesspezifische Maßnahmen", sagte der Vize-Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Ein „Weckruf" der Bertelsmann-Stiftung sei nicht nötig.

Durch steigende Geburtenzahlen und Zuwanderung sei bereits prognostizierter Lehrermangel verstärkt worden. „Vorhersehbar war das in dieser Größenordnung nicht", so Lorz.  Von der Stiftung vorgeschlagene kurzfristige Maßnahmen – wie Erhöhung des Stundendeputats von Teilzeitkräften und Einsatz von Pensionären – würden in vielen Ländern bereits umgesetzt.

Die Studie biete „wenig Neues und manch Falsches", erklärte die baden-württembergische Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU). Es sei „schon bemerkenswert, wie Bertelsmann wieder einmal versucht, die Politik unter Druck zu setzen." Eisenmann räumte ein, dass es in Deutschland einen Mangel an Grundschullehrern gebe. Es seien aber Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.

Schwere Versäumnisse der Politik

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wirft der Politik schwere Versäumnisse vor. „Es ist ein Armutszeugnis, dass eine Stiftung die Hausaufgaben der Politik machen muss, um zu einer realistischen Lehrerbedarfsprognose zu kommen", kommentierte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

Nach Ansicht der GEW müssten die Kultusministerien vor allem um Quer- und Seiteneinsteiger werben. Diese müssten „sofort berufsbegleitend nachqualifiziert und durch Mentoringprogramme unterstützt werden", sagte Gewerkschaftschefin Marlis Tepe. Dafür müsse es bundesweit einheitliche Standards geben.

Zugleich müssten die Ausbildungskapazitäten deutlich hochgefahren werden. Tepe betonte, es sei „vollkommen unverständlich, dass es noch Studiengänge für das Lehramt an Grundschulen gibt, die mit einem Numerus clausus belegt sind."

mk/rh  (dpa/kna/afp)

 

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