Leavenworth in den USA - Bayerischer geht′s nicht | DW Reise | DW | 31.08.2018
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Reise

Leavenworth in den USA - Bayerischer geht's nicht

Das Oktoberfest ist ein Exportschlager. In Leavenworth in den USA wird es besonders stilecht gefeiert: Der Ort ist die perfekte Kopie eines bayerischen Dorfs. Ein Klischee, das jährlich eine Million Besucher anzieht.

Rustikale Architektur, Lüftlmalerei und deutschsprachige Wegweiser lassen in Leavenworth echtes Bayern-Flair aufkommen. Touristen fahren in der Hauptstraße mit der Kutsche, trinken in den Wirtshäusern und Biergärten bayerisches Bier. Vor vielen Häusern wehen Fahnen mit weiß-blauem Rautenmuster. "Eine Million Besucher kommen deshalb jedes Jahr in unsere Stadt", schätzt Bürgermeisterin Cheri Farivar.

Die Stadt im äußersten Nordwesten der USA lebt vom weiß-blauen Brauchtum. Tatsächlich ist die bayerische Kultur ein Exportschlager. In Nord- und Südamerika gibt es Dörfer im Bayern-Stil. In China steht ein Nachbau von Schloss Neuschwanstein. Und das Münchner Hofbräuhaus hat mehr als ein Dutzend Kopien in den USA, China und Brasilien.

Auch in Leavenworth schenken Wirtshäuser Bier aus Bayern aus und bieten auf ihren Speisekarten Schnitzel und Sauerbraten, Roulade und Leberkäse an. 

Warum ist gerade weiß-blauer Lebensstil gefragt?

"Die Bayern inszenieren sich gut. Das kommt an", fasst es Julia Lichtl, Volkskundlerin im Haus der Bayerischen Geschichte in München, zusammen. Was viele Menschen mit Bayern verbinden - Oktoberfest, Dirndl, Neuschwanstein - würde oft mit ganz Deutschland gleichgesetzt.

Das heutige Bayern-Bild ist im 19. Jahrhundert entstanden. Die Natur, Almhütten und Menschen in Trachten wurden wichtige Motive der romantischen Landschaftsmalerei. Oft haben auch Auswanderer solche Bilder gekauft und in ihre neue Heimat mitgenommen.

Schloß Hohenschwangau (picture-alliance/akg-images)

Hohenschwangau in Öl: Seen, Berge, weiß-blauer Himmel und ein fesches Paar

Die Landschaft ist einer der Gründe, warum Leavenworth zum bayerischen Dorf wurde. Anfang der 1960er-Jahre sei der Ort am Aussterben gewesen, erzählt Bürgermeisterin Farivar. Die Holzindustrie am Boden, Häuser mit Brettern vernagelt und Familien, die ihr berufliches Glück anderswo suchten. Eine Gruppe von Geschäftsleuten und Bürgern habe nach einem neuen Wirtschaftszweig gesucht.

Die Menschen fanden, die Region ähnele Bayern. Nach etlichen Diskussionen über den Ort und die Schönheit der Berge und des Tales habe festgestanden: "Das neue Motto für Leavenworth soll 'Das bayerische Dorf' werden." 

USA | Das bayerische Dorf Leavenworth in den USA (picture-alliance/dpa/U. Wessels)

Leavenworth erfand sich in den 1960ern neu - als "Das bayerische Dorf"

Einige Deutsche, die in der Stadt lebten, hätten maßgeblich am Design und der Umgestaltung der Häuser mitgewirkt. Heute lebt der 2000-Einwohner-Ort vom Tourismus.

Bayerisches Bier: Getränk und Gefühl

Gemütlichkeit, Geselligkeit und Gastfreundschaft sind Aspekte, die Menschen aus dem Ausland am Bayern-Bild immer wieder aufs Neue begeistern. Der Ausschank von bayerischem Bier gehört untrennbar dazu. Mit Schuhplattler und Geranien an den Balkonen befeuerten die Bayern das Bild zusätzlich.

USA | Deutsche Kneipe in Greenwich Village, New York City (picture-alliance/imageBROKER)

Wirtshaus in Manhattan, New York: Bayerische Kultur ist in den USA beliebt

Der Export der bayerischen Kultur - nach Leavenworth hat er funktioniert. Bürgermeisterin Farivar hat vor Jahren selbst Deutschland besucht. Was sie besonders beeindruckte? "Die schöne Natur und wie sauber die Städte waren."

uw/ fm, ks (dpa)

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