Küstenerosion und Deichbau: Javas Kampf gegen das Meer
Indonesiens Küsteninsel Java versinkt im Meer. Eine gigantische Seedeich-Mauer für 80 Milliarden Dollar soll helfen - doch Kritiker warnen vor ökologischen Folgen und fordern natürliche Lösungen wie Mangroven.

Drohender Untergang
Das Meer schwappt gegen das Fundament eines Gebäudes im Dorf Bedono in Demak und hat so schon viele Gebäude auf der indonesischen Insel Java verschluckt. Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, hat die Regierung laut eigenen Angaben einen Plan: Es soll ein Deich gebaut werden.
Teurer Koloss
Der rund 700 Kilometer lange Deich entlang der Küste soll 80 Millionen Dollar kosten. Die Regierung bezeichnet die gewaltige Mauer als eine ihrer "wichtigsten" Initiativen zur Unterstützung der Küstengemeinden auf Java, wo mehr als die Hälfte der 280 Millionen Einwohner Indonesiens lebt.
Große Skepsis
Die Bewohner von Bedono, darunter auch der Dorfvorsteher Muhammad Syarif, haben ihre Häuser mit Lehmboden erhöht. Doch um eine Katastrophe abzuwenden, sei ein Deich "dringend notwendig". Die Finanzierung ist weiterhin ungewiss, obwohl Präsident Prabowo Subianto auf Investitionen aus Asien und dem Nahen Osten gedrängt hat.
Vorbilder im Ausland
Der Alltag findet halb im Wasser statt. Deiche und andere Küstenbefestigungen werden weltweit zum Schutz vor zerstörerischen Gezeiten eingesetzt. In Japan wurden nach den Erdbeben und dem Tsunami 2011 mancherorts festungsartige Barrieren errichtet, während die Niederlande auf ein System hügelartiger Deiche setzen, um trocken zu bleiben.
Vergebliche Hoffnung
Für den indonesischen Krabbenzüchter Rasjoyo ist die Küstenerosion kein theoretisches Problem. Er und Hunderte andere lebten einst im inzwischen verlassenen Dorf Semonet, wo Meerwasser in evakuierte Häuser schwappt. Das Dorf liegt nun eine 20-minütige Bootsfahrt vom Festland entfernt. Er sagt, der Deich - erstmals 1995 vorgeschlagen - käme zu spät.
Kein Ort zum Leben
Bei den meisten Erledigungen im Dorf, holt man sich nasse Füße. "Oft fällt die Schule aus, die Kinder können nicht spielen. Sie können nur auf dem Steg sitzen und auf das Wasser starren", klagen Anwohner. Jedes Jahr verschwinden ein bis zwanzig Zentimeter Land an der Nordküste Javas.
Langwierige Diskussionen
Im Jahr 2022 warnte ein UN-Bericht davor, dass Deiche nur eine vorübergehende Lösung bieten und die Auswirkungen des Klimawandels sogar noch verschlimmern können. Eine Alternative könnte eine Mischung aus Umsiedlungen und gezielteren, begrenzten Deichen sein, so Heri Andreas, ein Experte für Bodenabsenkungen am Bandung Institute of Technology. Was auch immer geplant ist - es muss schnell gehen.