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Ein historischer Schritt: Kölner Dom führt Eintritt ein

30. Juni 2026

Erstmals müssen Besucherinnen und Besucher für den Kölner Dom Eintritt zahlen. Die neue Regelung sorgt für Diskussionen und Kritik. Ist der Dom mit anderen Kirchen vergleichbar?

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Die Skyline von Köln mit Kölner Dom und dem Fernsehturm Colonius rechts. Rechts vorne erkennt man das Dach des Kölner Hauptbahnhofs. Hinten rechts ein Heizkraftwerk im Kölner Umland
Der Kölner Dom bestimmt die Silhouette der Stadt. Bislang gibt es kaum Gebäude, die höher sind als die Türme des Gotteshauses. Wer über eine der verschiedenen Autobahnen auf Köln zufährt, sieht den Bau oft viele Kilometer vorher Bild: Christoph Reichwein/dpa/picture alliance

Eine Neuerung in Köln: Für den Kölner Dom wird erstmals Eintritt verlangt. Das Domkapitel begründet dies mit steigenden Kosten für Schutz und Betrieb der Kirche. Besucherinnen und Besucher, die zum Gebet kommen, erhalten weiterhin über einen separaten Zugang kostenlosen Eintritt zu einem abgegrenzten Bereich des Doms.

"Für Heimat zahlt man keinen Eintritt"

Die Ankündigung fügt sich eigentlich in die aktuelle Entwicklung: Kosten steigen, öffentliche Mittel werden knapper, und vielerorts – etwa in Museen oder Schwimmbädern – werden Besuche teurer. In Köln jedoch hat die Einführung des Eintritts für den Dom eine anhaltende Kontroverse ausgelöst. "Für Heimat zahlt man keinen Eintritt", schrieb Anfang Juni der Medien-Manager Oliver Eckert im "Kölner Stadt-Anzeiger". Nun verliere Köln "einen Ort, der immer allen gehörte".

"Dass in der Zukunft zum Besuch der wichtigsten Kirche in Deutschland ein Eintritt fällig wird, ist in mehrfacher Hinsicht ein großer Fehler", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaz Zimmermann, der DW. "Der Dom ist Kirche, nicht Museum!"

Die kolorierte Aufnahme zeigt im linken Bilddrittel den schwarz anmutenden Kölner Dom, an dem kaum Schäden erkennbar sind. Sowohl in der Kölner Innenstadt, die man rechts daneben sieht, als auch bei den Rheinbrücken sind die schweren Schäden durch Bombardierungen oder Sprengungen erkennbar.
Köln 1945 - nach dem Zweiten Weltkrieg überragt der Dom die in vielen Teilen zerstörte InnenstadtBild: JT Vintage/Glasshouse Images/picture alliance

Der Dom. Er ist weit mehr als eine Kirche. Vor bald 780 Jahren begann ein katholischer Erzbischof den Bau. 630 Jahre später machte sich ein preußischer, protestantischer König an die Vollendung. Und der deutsche Kaiser, gleichfalls Protestant, feierte den Dom nach dessen Fertigstellung 1880 als Zeichen für die Einheit des Reiches.

Der Kölner Dom ist eben nicht nur Gotteshaus und er ist, als eine der weltweit wichtigsten gotischen Kathedralen, nicht nur Kulturgut. Für die Kölner Seele ist er Heimatbegriff und Orientierungspunkt, besungen, beschworen, in der Fremde vermisst. Kein anderer Kirchenbau in Deutschland wird in vergleichbarer Weise geherzt und in Besitz genommen.

Als Willy Millowitsch (1909–1999), eines der prägendsten Kölner Originale des vergangenen Jahrhunderts, Volksschauspieler und Karnevalist, im September 1999 starb, wurde er im Kölner Dom aufgebahrt und dort feierlich verabschiedet – so, wie es diese Stadt nur in Ausnahmefällen tut. Der Dom wurde dabei zum symbolischen Übergang in den "kölschen Himmel".

Kardinal Rainer Maria Woelki in liturgischen Gewändern am Ambo, dem Rednerpult im Dom. An den brennenden Kerzen und seiner Gestik mit ausgebreiteten Armen erkennt man, dass er gerade einer Feier vorsteht
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von KölnBild: Henning Kaiser/dpa/picture alliance

Dieser Dom "gehört sich selbst", heißt es oft. Der Erzbischof von Köln, derzeit Kardinal Rainer Maria Woelki, ist kirchlich gewiss ein wichtiger Mann. Und er zählt angesichts der Größe und der Besitztümer des Erzbistums zu den weltweit finanzstärksten Erzbischöfen. Aber mit dem Kölner Dom, in dem er gelegentlich Gottesdienst feiert, hat er rechtlich nichts am Hut. Weder darf er einfach so darauf zugreifen noch muss er dafür zahlen.

Steigende Kosten des Unterhalts

Doch die Not ist groß bei denen, die sich um den Dom kümmern. Bei der Ankündigung der künftigen Eintrittsgebühr verwies Dompropst Guido Assmann auf eine Finanzlage. Es koste 16 Millionen Euro jährlich, den Dom zu unterhalten.

An der Finanzierung beteiligten sich das Erzbistum, der Zentrale Dombauverein, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Köln. Aber angesichts gestiegener Löhne, Material- und Energiekosten gebe es mittlerweile eine jährliche Finanzierungslücke von vier Millionen Euro. "Wir haben die Verpflichtung, die Menschen, die am Dom arbeiten, vernünftig zu bezahlen", so Assmann.

Deshalb nun die Eintrittsgebühr. Es gibt Ausnahmen, wie gesagt, für Gottesdienstbesucher und Beter, auch Sonderregelung für die üblichen Gruppen wie Kinder, Schüler, Behinderte. Und der Zentrale Dombauverein registriert einen kräftigen Mitglieder-Aufschwung, seitdem bekannt ist, dass die Mitgliedschaft das Ticketing ersetzt.

Dabei ist der Dom ist Deutschland nicht die erste Kirche, die Eintritt verlangt. Auf katholischer Seite findet sich das ansonsten kaum. Sie betont ja gern, die Kirchen seien immer Orte des Gebets und der Andacht, der Präsenz des Heiligen. Auf evangelischer Seite wird häufiger kassiert, so beim Berliner Dom (im 19. Jahrhundert vom gleichen Baumeister gebaut, der auch in Köln tätig war), beim Naumburger Dom und anderen Kirchen.

Im Ausland werden Besucher häufiger zur Kasse gebeten, egal ob bei der weltbekannten "Sagrada familia" in Barcelona, bei der Westminster Cathedral in London, dem Fraumünster in Zürich oder dem Stephansdom in Wien.

Der Berliner Dom am Lustgarten im Zentrum von Ost-Berlin. Im Vordergrund sieht man Menschen, die sich am Brunnen vor dem Dom abkühlen
Der evangelische Berliner Dom, Hauptkirche der deutschen HauptstadtBild: Maryam Majd/REUTERS

In der aktuellen Debatte wird oft auf den Berliner Dom mit 15 Euro Eintritt verwiesen. "Nur weil die Protestanten beim Berliner Dom mit schlechtem Beispiel vorausgegangen sind, muss die katholische Kirche diesem Beispiel nicht folgen", meint dazu Kulturrat-Geschäftsführer Zimmermann. Er verweist darauf, dass Köln als eines der reichsten Bistümer weltweit gelte.

Offene Orte gesellschaftlich bedeutsam

Zimmermann verweist auch auf die gesellschaftliche Bedeutung von Orten, die einfach so, ohne Eintritt, für jedermann offen stünden. Eine Kirche müsse eben "ein offener Ort für alle sein". Das gilt nicht nur zu Gottesdienst-Zeiten. Und er bekräftigt eine Frage, die in den vergangenen Wochen immer mal wieder im Raum steht: "Wer kommt zum Beten, wer zum Staunen, wer aus Trauer, wer als Tourist?"

Olaf Zimmermann bei einer Pressekonferenz, an der Farbe der Wand im Hintergrund kann man erahnen, dass des der Saal der Bundespressekonferenz in Berlin ist
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen KulturratsBild: Felix Zahn/photothek/picture alliance

Als "Katastrophe" bewertet Zimmermann die jüngste Entscheidung des Domkapitels. Der Dom sei öffentliches Kulturerbe. Das Bistum Köln und die Stadt Köln hätten gemeinsam eine andere Lösung finden müssen.

Doch Köln ist – wie viele deutsche Städte – chronisch klamm und hoch verschuldet. Forderungen aus der Bürgerschaft nach einer stärkeren Unterstützung des Doms verhallten. Nun wird auch für das Wahrzeichen der Stadt in der Regel Eintritt fällig: Wer den Kölner Dom besichtigen will, zahlt künftig zwölf Euro.

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