Kurdenmilizen in Nordsyrien auf dem Rückzug | Aktuell Nahost | DW | 20.10.2019
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Türkische Offensive

Kurdenmilizen in Nordsyrien auf dem Rückzug

Die Kurdenmilizen im Norden Syriens haben bestätigt, dass sie sich, wie vereinbart, komplett aus dem Gebiet um die belagerte Stadt Ras al-Ain zurückgezogen haben. Rund 500 Kämpfer haben die Stadt verlassen.

Syrien Kurdenmilizen beginnen Rückzug aus Nordsyrien (AFP/N. Al-khatib)

Kurdischer Fahrzeugkonvoi - mit vielen Krankenwagen - beim Verlassen von Ras al-Ain

Drei Tage nach Verkündung einer Waffenruhe in Nordsyrien haben die von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nach eigenen Angaben den vereinbarten Abzug abgeschlossen. "Wir haben keine Kämpfer mehr in der Stadt", schrieb ein SDF-Sprecher auf Twitter. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, dass sich rund 500 SDF-Kämpfer aus Ras al-Ain zurückgezogen hätten. Zuvor seien Leichen und Verwundete aus dem Ort gebracht worden. Der Rückzug der Milizen von SDF und YPG ist Bestandteil einer mit der Türkei vereinbarten fünftägigen Feuerpause, die unter US-Vermittlung zustande gekommen war. 

Türkei bestätigt Kurden-Rückzug

Auf Bildern des türkischen Militärs aus Ras al-Ain ist zu sehen, dass sich in dem Konvoi, der die Stadt verlassen hat, viele Krankenwagen befinden. Das türkische Verteidigungsministerium erklärte, ein Konvoi aus 55 Fahrzeugen sei nach Rais al-Ain hereingefahren. Danach habe ein Konvoi aus 86 Fahrzeugen die Stadt in Richtung Tall Tamar verlassen. Das Ministerium teilte weiter mit, es verfolge den Abzug der YPG. Es gebe dabei "keinerlei Hindernisse".

Zuvor hatten türkische Militäreinheiten Rais al-Ain im Rahmen ihrer Offensive in Nordsyrien belagert. US-Vizepräsident Mike Pence hatte die Waffenruhe zwischen der Türkei und den Kurdenmilizen am Donnerstag nach Gesprächen in Ankara verkündet. Die Feuerpause sollte den kurdischen Kämpfern Gelegenheit geben, sich aus dem Gebiet auf der syrischen Seite der Grenze zurückzuziehen, in dem die Türkei eine sogenannte Sicherheitszone errichten möchte.

Die Türkei hatte die Militärangriffe im Norden Syriens am 9. Oktober gestartet, um kurdische Verbände der YPG zu bekämpfen und von der Grenze zu vertreiben. Die Türkei bezeichnet sie als Terroristen. Der Abzug von US-Truppen, die mit der YPG im Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verbündet waren, hatte dies erst möglich gemacht.

Redur Chalil, Kommandeur und Sprecher der SDF, hatte den Rückzug seiner Kämpfer mit einer Bedingung verknüpft: Seine Truppen würden sich erst dann entfernen, wenn die türkische Regierung die Evakuierung ihrer verbliebenen Kämpfer, Zivilisten und Verwundeten aus Ras al-Ain erlaube und ihnen freien Abzug garantiere.

Feuerpause weiterhin brüchig

Die bis Dienstag angesetzte Waffenruhe in Nordsyrien ist am Sonntag nach Angaben der türkischen Regierung erneut verletzt worden. Ein türkischer Soldat sei getötet, ein weiterer bei dem Angriff kurdischer Milizkämpfer verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Die Soldaten wurden bei einer "Aufklärungs- und Überwachungsmission" in der Region um Tall Abjad unter anderem mit Panzerabwehrwaffen attackiert. Um sich zu verteidigen, hätten die Soldaten zurückgeschossen.

Die Türkei und die kurdischen Milizen hatten sich bereits am Samstag gegenseitig vorgeworfen, gegen die Waffenruhe zu verstoßen.

Video ansehen 03:20

Türkei-Offensive: Die Not der Zivilisten

qu/uh (dpa, afp, ap)

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