Kulturinitiative ″Die Vielen″ bekommt immer mehr Zulauf | Aktuell Deutschland | DW | 01.02.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kulturpolitik

Kulturinitiative "Die Vielen" bekommt immer mehr Zulauf

Von Bayern bis Mecklenburg-Vorpommern: Künstler und Kulturschaffende setzen ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung und werben für mehr Toleranz. Die Aktivisten gewinnen landesweit weitere Unterstützer.

Viele kulturelle Einrichtungen und Künstler in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern haben sich der Initiative "Die Vielen" angeschlossen, die für eine offene Gesellschaft und die Freiheit der Kunst eintritt. Bei der bundesweiten Aktion bündeln Institutionen der Kunst, Kultur, Wissenschaft und freie Kulturschaffende ihre Kräfte, um gegen rechtskonservative Vorstöße einzustehen und für eine pluralistische Gesellschaft einzutreten.

310 Einrichtungen und freie Künstler aus ganz Bayern verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich hinter die Forderungen der Gruppierung "Die Vielen" stellten. Dazu gehören die Münchner Kammerspiele mit ihrem Intendanten Matthias Lilienthal, das Staatstheater Nürnberg, das Staatstheater Augsburg, die Bayerische Staatsoper und die Akademie der Bildenden Künste München.

Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung seien Teil der alltäglichen Erfahrungen, teilten die Initiatoren in Nürnberg mit. Verächtlicher Umgang etwa mit hilfsbedürftigen Menschen auf der Flucht und mit Künstlern, die das Phänomen ihrer Zeit aufzeigen wollten, könne nicht geduldet werden. Nürnbergs Staatsintendant Jens-Daniel Herzog sagte, es sei eigentlich Konsens, dass Kunst und Kultur frei und unabhängig seien, obwohl sie vom Staat gefördert werden. Allerdings würden viele Kulturschaffende "von rechts attackiert".

Schulterschluss in Hessen

Mehr als 50 Frankfurter Kulturinstitutionen machten sich am Freitag in einer gemeinsame Erklärung ebenfalls für eine offene Gesellschaft stark. Demokratische und künstlerische Freiheit sei niemals einfach, heißt es in der "Frankfurter Erklärung der Vielen". Die Theaterwissenschaftlerin Sophie Osburg betonte: "Die Entwicklungen in Frankfurt, Deutschland und Europa beobachten wir mir Besorgnis." Man werde keine Verschiebung nach rechts oder generell hin zu menschenverachtenden Perspektiven dulden. Zeitgleich würden in 14 weiteren Städten ähnliche Erklärungen verkündet, so Osburg.

Deutschland Die Vielen Initiative für Toleranz (picture-alliance/dpa/C. Soeder)

Diese neun Kulturschaffenden stellten die Kampagne am 9. November 2018 in Berlin vor

Auch Kulturschaffende aus Mecklenburg-Vorpommern schlossen sich der Initiative mit einer eigenen Erklärung an. Das Papier wurde in Greifswald vorgestellt. Initiatoren sind der Intendant des Theaters Vorpommern in Greifswald und Stralsund, Dirk Löschner, und der Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Lars Tietje. Die Erklärung wurde von rund 30 kulturellen Institutionen zwischen Schwerin und Usedom erarbeitet. Der AfD-Landesvorsitzende Leif-Erik Holm nannte die Erklärung der Vielen ein Armutszeugnis einiger Weniger: "Hier wollen ein paar linke Politaktivisten ihren persönlichen Hass gegen Andersdenkende auf steuerfinanzierte Bühnen tragen."

"Baden-Württemberger Erklärung der Vielen"

Auch in Baden-Württemberg übten sich mehr als 100 Kulturinstitutionen und freie Kunstschaffende im Schulterschluss mit der Bewegung. In der "Baden-Württemberger Erklärung der Vielen" heißt es: "Rechte und nationalistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur." Die Initiative "Die Vielen" will dem entgegenwirken, etwa durch einen kritischen Dialog über rechte Strategien und durch Solidarität "mit Menschen, die durch rechte Ideologien immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden".

Die bundesweite Initiative war im November 2018 gestartet mit Erklärungen aus Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen. Bis Mitte Januar wuchs das Bündnis bereits auf rund 500 Kulturinstitutionen.

kle/uh (dpa, swr.de, FAZ, journal-frankfurt.de)