Kroos lässt die deutsche Elf überleben | Sport | DW | 23.06.2018
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WM 2018

Kroos lässt die deutsche Elf überleben

Lange sieht es so aus, als ob die deutsche Mannschaft bei der WM in Russland die nächste Enttäuschung erlebt. Bis sich Toni Kroos den Ball schnappt und für die Erlösung für eine ganze Fußballnation sorgt.

Ein verstohlenes Lächeln konnte sich Toni Kroos nicht verkneifen. Der Abpfiff war gerade einmal ein paar Sekunden zuvor ertönt, als sich der 28-Jährige an die Nase fasste, um mit seinem Arm das Grinsen zu verbergen. Er wollte den Gegnern keinesfalls respektlos gegenübertreten. Kroos war es schließlich, der die deutsche Mannschaft erlöste und vor einer bisher nicht gekannten Schmach schützte. Noch nie war eine deutsche Nationalmannschaft bei einem WM-Turnier in der Vorrunde ausgeschieden.

Und bei diesem Turnier sah es bis zur 94. Minute gegen Schweden danach aus, als könnte es dieses Mal soweit kommen. Bis Toni Kroos sich den Ball schnappte, sich konzentrierte und die Kugel in letzter Sekunde nach einem kurz ausgeführten Freistoß von der linken Strafraumseite in das schwedische Tor zirkelte. Das 2:1 bedeutete, in Russland weiter das Schicksal in der eigenen Hand zu haben. "Im Spiel haben wir die Phasen, in denen wir richtig gut waren, nicht zu einem Treffer genutzt. So wie wir gefightet haben, haben wir uns das auch verdient", sagte Kroos. Eben dieser Kroos, der bislang alles andere als überzeugen konnte.

Kroos voller Selbstvertrauen

Beim 0:1 gegen Mexiko wirkte er phasenweise wie ein Unbeteiligter, der seinen Kollegen dabei zusah, wie sie sich erfolglos abmühten. Gegen die Schweden leitete er mit seinem Fehlpass die Führung der Skandinavier nach 32 Minuten ein. "Natürlich geht das erste Tor auf meine Kappe. Aber wenn man 400 Pässe spielt, dann gibt es auch mal zwei Fehler. Aber da muss man auch mal die Eier haben, um die zweite Halbzeit so zu spielen", sagte Kroos.    

Und Kroos drohte tatsächlich wieder in den Trott aus dem Mexiko-Spiel zu verfallen. Er war danach unscheinbar, zeigte keinerlei Präsenz und ging in der völlig verunsicherten Masse der deutschen Spieler unter. Allerdings schien sich der zentrale Mittelfeldspieler in der Halbzeitpause seiner Stärken besonnen zu haben, die ihn zum dreifachen Champions-League-Sieger mit Real Madrid und zum Weltmeister 2014 mit Deutschland gemacht haben.

Bundestrainer gibt sich betont ruhig    

Bundestrainer Joachim Löw gestikuliert (Foto: picture-alliance/GES-Sportfoto/T. Eisenhuth)

Bundestrainer Joachim Löw gestikuliert

Kroos zog die Initiative wieder an sich, war wieder der umsichtige Aufbauspieler, der stets anspielbar war und seiner Mannschaft auf dem Spielfeld die Richtung vorgab. Er näherte sich von Minute zu Minute diesem Spieler an, der so oft den Unterschied auf höchstem Niveau macht. Kroos war da, als es darauf ankam und der Abgrund immer und immer näher rückte. "Es freut mich für den Toni, dass er diese Tor in der letzten Minute gemacht hat", sagte Bundestrainer Joachim Löw fast schon emotionslos.   

Tief in sich drin wusste Löw, dass einer seiner Lieblingsspieler das große Desaster verhindert hatte und die ganze Fußballnation aufatmen ließ. Gegen Südkorea am kommenden Mittwoch muss noch ein weiterer Sieg folgen, um das Achtelfinale zu erreichen. Der Abend von Sotschi war einer dieser besonderen Abende, die einer Mannschaft einen besonderen Kick geben können. Toni Kroos hat dafür den entscheidenden Schuss auf dem Feld abgegeben.    

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