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Kroatien bringt Flüchtlinge nach Ungarn

19. September 2015

Immer mehr Länder kapitulieren vor dem stetig wachsenden Flüchtlingsstrom. Jetzt hat auch Kroatien seine Grenze zum Nachbarland Serbien dichtgemacht - wie zuvor Ungarn. Die Spannungen zwischen den Ländern steigen.

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Flüchtlingszug und Soldaten in Magyarboly
Fahrt ins Ungewisse: Flüchtlingszug im ungarischen MagyarbolyBild: Reuters

Eigentlich will Kroatien sich als flüchtlingsfreundliches Land präsentieren. Das hatte Premierminister Zoran Milanovic in den vergangenen Tagen mehrfach betont. Doch die Menge an Schutzsuchenden überfordert sein Land. Statt sie, wie noch am Mittwoch versprochen, "in die Regionen, in die sie wollen" zu leiten, ordnete das Innenministerium die Schließung von sieben der acht Grenzübergänge zu Serbien an.

Nach der Ankunft von 14.000 Menschen seit Mittwoch seien die Aufnahmekapazitäten erschöpft, begründete das Innenministerium in der Hauptstadt Zagreb den Abschottungsversuch.

Flüchtlinge Richtung Ungarn transportiert

Mehr als tausend Flüchtlinge ließ Kroatien mit Bussen und Bahnen zur ungarischen Grenze bringen. Sein Land habe keine andere Wahl, sagte Regierungschef Milanovic. Ungarns Außenminister Peter Szijjarto warf dem Nachbarland dagegen vor, die Flüchtlinge "zum Gesetzesbruch zu ermutigen".

In einem der Züge kam es zu einem Zwischenfall, über den es unterschiedliche Berichte gibt. Der ungarische Regierungssprecher Zoltan Kovacs sagte am späten Freitagabend, 40 kroatische Polizisten, die einen nicht angekündigten Zug mit 1000 Migranten begleitet hätten, seien entwaffnet und der Zugführer festgenommen worden.

Die kroatische Seite widersprach dieser Darstellung umgehend. Eine Polizeisprecherin erklärte, niemand sei entwaffnet oder festgenommen worden. Auf die Eskorte habe man sich vorab verständigt. Die Polizisten seien nach Kroatien zurückgekehrt.

Karte Neue Balkan Fluchtroute Deutsch

Spekulationen über Korridor

Ungarn hatte am Dienstag seine Grenze zu Serbien vollständig abgeriegelt. Seitdem versuchen viele Flüchtlinge, durch Kroatien weiter Richtung Nordwesten zu kommen. Tausende campieren in den Feldern nahe der Kleinstadt Tovarnik. "Die Lage ist völlig dramatisch, wenn kein Zug kommt, werden sie sich prügeln", beschrieb der Notfalldirektor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Peter Bouckaert, die Situation am Nachmittag.

Eine Weiterreise durch Kroatien und Slowenien Richtung Österreich und weiter nach Deutschland ist den Flüchtlingen seit Freitag ebenfalls nicht mehr möglich: Die slowenische Regierung stoppte den Bahnverkehr mit Kroatien. Nur bereits registrierte Flüchtlinge würden durchgelassen. Ungarn wiederum will sich noch weiter abschotten und hat nach dem Bau eines Grenzzauns zu Serbien jetzt damit begonnen, einen Stacheldrahtwall an der Grenze zu Kroatien zu errichten.

Ungarn dementierte auch vehement Berichte kroatischer Medien, dass es einen Korridor für einen Flüchtlingstransfer direkt von Kroatien über Ungarn nach Österreich geben könnte. Eine Einigung der drei Länder in dieser Sache habe es nicht gegeben, hieß es aus Budapest.

EU verspricht Hilfe

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, hat Kroatien unterdessen Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise angeboten. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, sicherte Juncker dem kroatischen Ministerpräsidenten Milanovic in einem Telefonat technische und logistische Unterstützung zu.

Beide hätten betont, wie wichtig es sei, vor Krieg, Terror und Unterdrückung Flüchtende menschenwürdig und in Übereinstimmung mit den europäischen Werten zu behandeln. Außerdem seien sie sich einig gewesen, dass die EU-Außengrenzen besser geschützt werden müssten.

mak/cw (dpa, rtr, afp)