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Kritik am China-Plan des DFB wird lauter

23. Juni 2017

Die Idee des DFB, die chinesische Olympia-Auswahl in der Regionalliga als 20. Mannschaft einzugliedern, spaltet den Fußball. Einige Klubs kritisieren das Vorhaben auf das Heftigste - auch unbeteiligte Vereine.

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Fussball - Relegation 3. Liga - SV Waldhof Mannheim vs. SV Meppen
Bild: picture-alliance/nordphoto/Fabisch

Der aus der viertklassigen Regionalliga abgestiegene FK Pirmasens hat mit Bestürzung auf die geplante Eingliederung der chinesischen U20-Nationalmannschaft in die Fußball-Regionalliga Südwest reagiert. "Ich habe dafür keine Worte mehr, im Verein herrscht komplette Fassungslosigkeit", sagte Geschäftsstellenleiter Christoph Radtke am Donnerstag gegenüber "Zeit online". "Sechs Mannschaften steigen ab, und nun holt der DFB die chinesische Nationalmannschaft. Wir müssen das wohl hinnehmen, aber für mich ist das purer Kapitalismus."

Kurz nach den Pirmasensern meldete sich auch der ehemalige Bundesligist Waldhof Mannheim zu Wort, der mittlerweile in der Regionalliga spielt: Der Verein steht der Teilnahme der chinesischen U20-Nationalmannschaft vorerst ablehnend gegenüber. "Waldhof Mannheim hat einer Teilnahme an den beiden Partien gegen die Asiaten nicht zugestimmt und wird nach interner Absprache auch an keinem Spiel teilnehmen", schrieb der Klub am Freitag auf seiner Facebook-Seite.

"Der SV Waldhof hat keine Zustimmung erteilt. Aktuell sind die notwendigen Details für uns noch nicht vollumfänglich geklärt", sagte Geschäftsführer Markus Kompp der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Freitag. Auch wenn eine Partie gegen die Chinesen "eine gute Vermarktungsmöglichkeit" biete, "sollte man den regionalen Bezug nicht komplett verlieren", so Kompp. Die Waldhöfer wollen daher nicht gegen Chinas U20 spielen, sondern bieten stattdessen dem FK Pirmasens ein Freundschaftsspiel an.

Kompps Äußerungen stehen im direkten Widerspruch zu den Aussagen der Offiziellen der Regionalliga Südwest, die herausgestellt hatten, wie zufrieden sie mit der "China-Lösung" seien, und dass eine Nachfrage bei allen 19 Vereinen der kommenden Saison - zu denen Pirmasens nicht gehört - dem China-Plan nur Positives abgewinnen können. Das hatte auch der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, Felix Wiedemann, im DW-Interview bestätigt. "Alle 19 Vereine stehen dieser Geschichte sehr positiv gegenüber und haben den Wunsch geäußert: 'Das wäre eine tolle Sache. Bitte guckt doch, dass das zustande kommt'", sagte er.

China U20 Mannschaft
Die Teilnahme der chinesischen U20 in der Regionalliga wird kontrovers diskutiertBild: Imago/VCG

Der FK Pirmasens hatte laut Radtke "einen Antrag gestellt, die Liga auf 20 Teams aufzustocken, weil auch unser U23-Team als Achter der fünftklassigen Oberliga absteigen muss, wenn wir absteigen. Aber statt uns zu behalten, wird nun offenbar, man muss es wohl so sagen, eine Geldquelle aus China ausgewählt. Eine Horrormeldung."

RWO und RWE zeigen sich solidarisch

Auch in der nicht direkt betroffenen Regionalliga West sorgte das Thema für Kopfschütteln. "Das ist Kirmes, eine Verarschung. Warum sollen wir uns in Zukunft noch den Arsch aufreißen?", sagte Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen dem Reviersport: "Der DFB sieht die Regionalliga als Kirmesliga. Wenn es aber um die Vorschriften geht, wird genau hingeschaut."

"In der Regionalliga gibt es dringendere Probleme als die Ausbildung chinesischer Jungnationalspieler. Wir haben das Gefühl, dass der DFB nicht mehr erkennt, wo die Grenze der Kommerzialisierung liegt", sagte Michael Welling, Präsident vom West-Regionalligisten Rot-Weiß Essen und fragte: "Wollen wir für 30.000 Euro wirklich die Seele des Fußballs verkaufen? Ich nicht!". Angesichts der Lizenzverweigerung für den Verein Westfalia Rhynern in der West-Staffel fügte er spöttisch hinzu: "Macht den Platz doch für die Inder frei."

Anstoß kam aus China

Deutschland Chinesische Vize-Premierministerin Liu Yandong besucht Berlin
Chinas Bildungsminister Ping mit DFB-Präsident GrindelBild: picture-alliance/dpa/R. Jensen

Der chinesische Nachwuchs soll in der 19er-Liga die Lücke für den jeweils spielfreien Verein füllen und gegen jeden Klub im Saisonverlauf zweimal antreten, ohne offiziell in der Tabelle geführt zu werden. Das hätte laut DFB und Regionalliga den Vorteil, dass immer ein fester Gegner für ein Freundschaftsspiel zur Verfügung steht. Jeder Verein soll dafür zwischen 15.000 und 20.000 Euro erhalten.

Der Anstoß, die chinesische U20 in der Regionalliga einzugliedern, ging nach DW-Recherchen definitiv von chinesischer Seite aus. Die Chinesen sind aber nicht nur an einer attraktiven sportlichen Herausforderung für ihre Olympiaauswahl interessiert, sondern auch an mit Fußball verbundener Analysetechnik aus Deutschland. Von deutscher Seite stecken wirtschaftliche Interessen und engere Geschäftsbeziehungen mit China hinter dem Abkommen.  

asz/ck (sid, dpa)