Kritik am Bitcoin wird immer heftiger | Wirtschaft | DW | 18.12.2017
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Kryptowährungen

Kritik am Bitcoin wird immer heftiger

Wie weit geht es noch beim Bitcoin? Die Digitalwährung steigt und steigt. Fachleute sehen sie inzwischen als reines Spekulationsobjekt und fordern mehr Kontrolle. Politiker und Finanzexperten warnen immer eindringlicher.

Dänemarks Zentralbankchef Lars Rohde hat Anleger mit ungewöhnlich scharfen Worten vor den Gefahren der Cyber-Währung Bitcoin gewarnt. "Bleiben Sie weg. Das ist tödlich", sagte Rohde dem Radiosender DR in einem Interview, das online veröffentlicht wurde. Falls jemand sich entschließe, diese Warnung zu ignorieren, sei er ziemlich auf sich allein gestellt. "Das ist kein regulierter Markt. Das liegt nicht in der Verantwortung der Behörden. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen", sagte Rohde.

Investoren sollten sich nicht beschweren, falls etwas schiefgehe, sagte der Notenbank-Chef. "Ich sehe Bitcoin als Tulpenmanie, was eine außer Kontrolle geratene Blase ist", ergänzte er. In den Niederlanden waren im 17. Jahrhundert die Preise für Tulpenzwiebeln aufgrund von Spekulationen in astronomische Höhen geschossen. Als die Blase schließlich platzte, verloren viele Menschen ihr Vermögen.

Warnungen auch aus den USA

"Ich rate zu Vorsorge", sagte auch Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die Staaten und die Notenbanken sollten sich dringend Gedanken über eine Regulierung machen."

Der Ifo-Chef sieht beim Bitcoin eine Reihe von Problemen: "Wir sollten uns fragen: Was ist mit Transaktionen, die in Bitcoin abgewickelt werden? Werden da Steuern erhoben, finden möglicherweise illegale Transaktionen statt?" Zudem müsse man genau beobachten, ob Risiken für die Finanzstabilität entstehen, wenn Institutionen beginnen, in Bitcoin zu investieren.

Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, hatte vergangene Woche dagegen keine großen Risiken für die Finanzstabilität gesehen, aber vor Gefahren für Anleger gewarnt. Der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, sieht den Bitcoin sogar als nicht werthaltig an. Um Kleinanleger zu schützen, sollten die Regulierer einschreiten, sagte der ehemalige Bundesbankchef der "NZZ am Sonntag".

Der Bitcoin kennt weiter nur eine Richtung

Die Warnungen und Forderungen treffen den Bitcoin in einem Moment, in dem er in die traditionellen Finanzmärkte vorzudringen scheint. Am Montag startete die Börse CME in Chicago ihren Handel mit Terminkontrakten auf den Bitcoin. Sie folgt damit der US-Börse CBOE, die den Future-Handel vor gut einer Woche aufgenommen hatte. Der Preis für die Cyber-Währung war an einigen Handelsplätzen am Wochenende zeitweise über 20.000 Dollar geklettert. Am Montag notierte er knapp darunter. 

Südkorea: Bitcoins nicht in Kinderhand!

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire kündigte an, mit den G20-Partnern über eine mögliche Regulierung sprechen zu wollen. "Ich mag ihn nicht. Er kann Aktivitäten wie Drogenhandel oder Terrorismus verschleiern", sagte Le Maire mit Blick auf den Bitcoin im französischen Fernsehen. Außerdem bestünden Risiken für Anleger. Es gebe ein offensichtliches Spekulationsrisiko.

Bestrebungen, den Bitcoin-Handel zu regulieren, sind nicht neu. So hat beispielsweise China spezielle Finanzierungen (ICOs), bei denen Digitalwährungen verwendet werden, verboten. Südkorea, eine Hochburg des Bitcoin-Handels, erwägt die Besteuerung von Gewinnen aus diesem Handel. Zudem will Südkorea verhindern, dass Minderjährige mit Kryptowährungen handeln und Anlagekonten eröffnen können.

dk/sam (AFP, dpa rtr)