Kriegsverbrechen in Palästinensergebieten? | Aktuell Welt | DW | 20.12.2019
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Weltstrafgericht

Kriegsverbrechen in Palästinensergebieten?

Ist der Internationale Strafgerichtshof auch für die Palästinensergebiete zuständig? Das lässt dessen Präsidentin gerade prüfen. Wenn ja, will Fatou Bensouda dort Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen einleiten.

Niederlande Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag | Fatou Bensouda (picture-alliance/AP Photo/P. Dejong)

Fatou Bensouda, die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs (Archivbild)

Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes (IStGH) sieht ausreichenden Grund für eine Untersuchung zur Lage in den Palästinensergebieten und Ost-Jerusalem. Sie sei überzeugt, dass dort Kriegsverbrechen begangen wurden oder werden, teilte Fatou Bensouda in Den Haag mit. Zuvor müsse die zuständige Kammer allerdings noch entscheiden, inwiefern das Gericht für die Palästinensergebiete rechtlich zuständig sei.

Karte Israel Gaza Westjordanland Hebron EN

Bereits seit 2015 prüft Bensouda Berichte über Kriegsverbrechen beider Seiten des Konflikts. Im vergangenen Jahr hatten die Palästinenser den Fall dem Internationalen Strafgerichtshof übergeben. Die palästinensische Regierung hatte sich wegen der israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland und Ost-Jerusalem, der Tötung von Palästinensern an der Gaza-Grenze und wegen der palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen an das Gericht gewandt. Die Palästinenser an der Gaza-Grenze wurden bei teilweise gewaltsamen Demonstrationen von israelischen Soldaten erschossen.

Israel: Es gibt keinen souveränen Palästinenserstaat

Palästina ist seit 2015 Vertragsstaat des Weltstrafgerichtes. Damit wäre das Gericht im Prinzip auch für Verbrechen zuständig, die dort begangen wurden. Israel gehört dem Gericht zwar nicht an, aber das ist kein Schutz vor Strafverfolgung. Das Gericht könnte zum Beispiel internationale Haftbefehle gegen israelische Offiziere ausstellen. Palästinenservertreter begrüßten die Entscheidung des Gerichtes. Die Politikerin Hanan Aschrawi bezeichnete die Entscheidung als "einen guten Schritt vorwärts". Der Strafgerichtshof sei rechtlich zuständig für die Palästinensergebiete. "Israel muss für seine Verbrechen bezahlen."

Hanan Aschrawi mit Sydney Peace Preis ausgezeichnet (picture-alliance/dpa)

Die palästinensische Parlamentarierin Hanan Aschrawi (Archivbild) begrüßt die Initiative des IStGH

Dagegen kritisierte Israel die Entscheidung scharf. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: "Dies ist ein schwarzer Tag für Wahrheit und Gerechtigkeit." Das Gericht habe keine rechtliche Zuständigkeit in diesem Fall. "Der Internationale Strafgerichtshof hat nur eine rechtliche Zuständigkeit für Petitionen, die von souveränen Staaten eingereicht werden. Aber es hat nie einen souveränen palästinensischen Staat gegeben."

Israel hat während des Sechstagekriegs 1967 unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und den Ostteil Jerusalems erobert. Die Palästinenser wollen diese Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Mittlerweile leben mehr als 600.000 israelische Siedler in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland. Aus dem Gazastreifen war Israel 2005 abgezogen.

nob/ww (dpa, afp)

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