Konsumscham zu Weihnachten? Ach was. | Wirtschaft | DW | 23.12.2019
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Weihnachsgeschäft

Konsumscham zu Weihnachten? Ach was.

Während das Wort „Flugscham“ durch die neue Umweltbewegung Verbreitung gefunden hat, bleibt beim Konsum offenbar auch zu Weihnachten alles beim Alten – Umwelt hin oder her. Das Weihnachtsgeschäft muss laufen.

Wären Weihnachten und das Klima ein Paar, ihr Beziehungsstatus würde wohl lauten: "Es ist kompliziert." Weihnachtliche Werte wie Nächstenliebe sprechen eigentlich dafür, den Schutz der Erde beim Feiern zu bedenken. Doch beim Schenken und Schlemmen kann das schnell auf der Strecke bleiben. "Wir spüren, dass da etwas nicht so ganz zusammen passt", sagt die Münsteraner Nachhaltigkeitsforscherin Carolin Bohn. Die Frage sei, inwiefern sich diese kritische Reflexion dann auch wirklich ins Handeln übersetze.

Weihnachten - das ist nichts Neues - ist nicht nur das Fest der Liebe, sondern auch das des Überflusses. Wie passt das in eine Zeit, in der das Klima zum Topthema in Politik und Wirtschaft geworden ist und sich Menschen zunehmend über ihren eigenen Einfluss Gedanken machen?

Google und die "Konsumsucht"

Gibt es das schlechte Gewissen, das sich beim Fliegen in dem Schlagwort "Flugscham" manifestiert hat, auch beim Kaufen, Schenken, Essen, Verpacken rund ums Fest? Google weiß zumindest noch nichts davon. Während "Flugscham" schon rund 157.000 Treffer ausspuckt, fragt die Suchmaschine bei "Konsumscham", ob man nicht eigentlich nach "Konsumsucht" habe suchen wollen.

Deutschland Weihnachtsgeschenke unter dem Weihnachtsbaum (Imago Images/Geisser)

Konsumsucht statt Konsumscham?

Im Handel wünscht man sich naturgemäß, dass das auch so bleibt. H&M-Chef Karl-Johan Persson sorgte für Schlagzeilen, als er in einem Interview davor warnte, weniger zu konsumieren, da das gar nicht so viel für die Umwelt bringen würde, dafür aber schreckliche Konsequenzen wie den Verlust von Arbeitsplätzen haben würde.

Carolin Bohn, die sich aus politikwissenschaftlicher Perspektive mit Nachhaltigkeit auseinandersetzt, hat - zumindest aus Skandinavien - das Wort "Kaufscham" schon mal gehört, meint aber trotzdem: "Eine Einschränkung des Konsums zeichnet sich nicht ab." Auch der Handelsverband ging zuletzt davon aus, dass das aktuelle Weihnachtsgeschäft die Umsätze des Vorjahres nochmal toppen könnte.

Plastik auf dem Weihnachtsmarkt

Bei den Veranstaltern der Weihnachtsmärkte steht das Thema Plastikvermeidung zwar mittlerweile auf der Agenda – weitgehend bleibt es aber bei guten Absichten. Aachen will mit gutem Beispiel vorangehen und ab 2020 "plastikfrei" werden. Andere Städte wie Düsseldorf oder Münster loben das und geloben, sich Mühe zu geben.

Deutschland Weihnachtsmarkt in Aachen (picture-alliance/R. Kiedrowski)

Weihnachtsmarkt in Aachen

Doch die "Abers" sind zahlreich: Hygiene, Vorschriften, und, und, und. Bislang quellen die Mülleimer auf den Märkten wie gewohnt über. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass rund um Weihnachten die Menge an Verpackungsmüll um bis zu 20 Prozent steigt. "Die Mengen sind leider gewaltig", sagt Referent Thomas Fischer. Mit einer kurzfristigen Umkehr dieses Trends sei auch nicht zu rechnen, da Hersteller bislang keine ausreichenden Alternativen böten. Das boomende Online-Geschäft wirke außerdem einer "Konsumscham" eher entgegen, da man im Internet ungesehen und anonym einkaufen könne.

"Besseres Klima" auf dem Wunschzettel

Und doch ist das Klima in den Köpfen präsent, sogar in denen der Kleinsten: Stärker als in den Vorjahren ist das Thema 2019 auf den Wunschzetteln angekommen, wie ein Blick ins Christkind-Postfach in Engelskirchen zeigt. "Besseres Klima, keinen Krieg und kein Plastik mehr im Meer", hat sich etwa ein Mädchen namens Lisa gewünscht, wie die Post-Sprecherin Britta Töllner berichtet. Auf die Playmobil-Figuren oder neuesten Spiele verzichten wollten die Absender dafür allerdings bisher nicht. 

 

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