Konfliktbarometer 2017: Mehr Kriege, aber weniger Konflikte | Aktuell Welt | DW | 28.02.2018
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Konfliktforschung

Konfliktbarometer 2017: Mehr Kriege, aber weniger Konflikte

Nur auf dem ersten Blick scheint es 2017 auf der Welt etwas friedlicher zugegangen zu sein. Zwar haben sich einige Konflikte offensichtlich gelöst, aber die noch andauernden werden meistens gewaltsam ausgetragen.

Demorkatische Republik Kongo - Soldaten der Democratic Republic of Congo nach Kämpfen mit Rebellen (Reuters/G. Tomsaevic)

Demokratische Republik Kongo: 2017 eskalierte der Konflikt zwischen Milizen und der Regierung zum Krieg

Es gibt zwei Kriege mehr auf der Welt, aber weniger Konflikte. Das ist ein zentrales Ergebnis des Heidelberger Konfliktbarometers. So sei die Zahl der Kriege weltweit von 18 im Jahr 2016 auf 20 im vergangenen Jahr gestiegen. Zugleich hätten sich die Konflikte von 402 auf 385 verringert, teilte das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) mit, das dieses Barometer seit mehr als 25 Jahren veröffentlicht. Mehr als die Hälfte der Konflikte werde allerdings gewaltsam ausgetragen.

Zum Vergleich: Für das Jahr 2013 hatte das Institut einen Höchststand gemeldet und die Zahl der Kriege auf 20 und die der Konflikte auf 414 beziffert. Im Jahr 1998 nannten die Forscher neun Kriege und mit 119 vergleichsweise wenige Konflikte.

Besonders betroffene Regionen

Die afrikanischen Sub-Sahara-Staaten waren laut Studie mit zehn Kriegen und drei "begrenzten Kriegen" Schauplatz der meisten hochgewaltsamen Auseinandersetzungen weltweit. Beispielsweise eskalierten 2017 die Auseinandersetzungen zwischen Milizen und der Regierung in der Demokratischen Republik Kongo zum Krieg. Auch die Kämpfe in Äthiopien zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen werteten die Heidelberger Konfliktforscher als Krieg.

Sechs Kriege und fünf "begrenzte Kriege" beobachteten die Forscher im Vorderen und Mittleren Osten und den Maghreb-Staaten. Allein für Syrien werden drei Kriege aufgelistet: der Krieg zwischen Assad-Regime und oppositionellen Kämpfern, der Krieg zwischen rivalisierenden Oppositionsgruppen sowie der Krieg mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Für Afghanistan verzeichnet die Studie in 2017 mindestens 7000 Verletzte und 3400 zivile Todesopfer. Die Opferzahlen stiegen laut HIIK hier im Vorjahresvergleich um neun Prozent. Gewalt gebe es im gesamten Land. Die Regierung kontrolliere nur 56 Prozent der 407 Distrikte des Landes.

Konflikte als Fluchtursache

Für Asien und Ozeanien listet das Konfliktbarometer 120 Konflikte auf, die aber zumeist nicht gewaltsam ausgetragen wurden. Nach den Übergriffen des Militärs in Myanmar auf die muslimische Rohingya-Minderheit kam es laut Bericht zu einer der größten Fluchtbewegungen des Jahres 2017: Mehr als 600.000 Rohingya flohen ins Nachbarland Bangladesch. Auf den Philippinen starben bei Kämpfen zwischen Regierung und islamistischen Gruppen 1400 Menschen, 400.000 flohen vor der Gewalt.

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent war laut HIIK 2017 der Drogenkonflikt zwischen Regierung und Kartellen in Mexiko der einzige Krieg. Hochgewaltsame Konflikte habe es zudem in Brasilien, El Salvador und - trotz des Friedensschlusses zwischen Regierung und FARC-Rebellen - in Kolumbien gegeben. 

Zu den häufigsten Konfliktursachen zählen die Forscher ideologische - darunter auch religiöse - Gegensätze. Weitere wichtige Auslöser für gewaltsame und politische Auseinandersetzungen waren demnach ethnische Gegensätze, Kämpfe um Ressourcen wie Wasser und Land sowie um nationale Macht.

Lage in Europa

In Europa ist der einzige hochgewaltsame Konflikt der Krieg in der Ostukraine zwischen von Russland unterstützten Rebellengruppen und der ukrainischen Regierung. Der Bericht verzeichnet aber auch Übergriffe mit fremdenfeindlichem Hintergrund in Deutschland: So habe es 2017 rund 1.400 Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte gegeben.

Das Konfliktbarometer erscheint seit 1992 einmal jährlich. Darin analysieren die Forscher das weltweite Konfliktgeschehen. Dazu zählen gewaltlose und gewaltsame Krisen, Kriege, Staatsstreiche sowie Friedensverhandlungen. 

bri/stu (kna, epd)