Kommentar: Türkei unter Schock | Kommentare | DW | 21.07.2015
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Kommentare

Kommentar: Türkei unter Schock

Der Anschlag in der Türkei hat für große Bestürzung gesorgt. Um dem Terror zu begegnen, muss das Land seine Sicherheitskräfte ausbauen, meint Seda Serdar. Vor allem muss nun schnell eine neue Regierung gebildet werden.

Ein terroristisches Attentat mit über 30 Toten und 104 Verwundeten hat die Türkei erschüttert. Die Attentäter schlugen in der Stadt Suruc, im Süden des Landes, zu. Ihr Ziel war eine Versammlung des sozialistischen Jugendbundes, in der nahe der syrischen Grenze gelegenen Stadt. Die türkische Regierung vermutet die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hinter dem Anschlag. Der Angriff fand kurz nach Ende des Fastenmonats Ramadan statt, zu einer Zeit, als Premierminister Ahmet Davutoğlu die zweite Runde der Sondierungsgespräche für die neue Regierungskoalition führen wollte. Der größte Teil der Opfer waren Studierende der juristischen und geisteswissenschaftlichen Fakultät.

Seda Serdar (Foto: DW)

Seda Serdar

Die türkische Polizei steht nun stärker unter Druck als jemals zuvor. Obwohl syrische Attentäter bereits mehrere Angriffe verübten, galten diese den Behörden bislang nichts als ernsthafte Bedrohung. Dabei schuf die ungenügende Kontrolle der Grenzen bereits zahlreiche Probleme.

Unzureichende Sicherheitsmaßnahmen

Die internationale Gemeinschaft hatte die türkische Außenpolitik in Syrien sowie den Strom ausländischer Kämpfer in das Land bereits wiederholt kritisiert. Obwohl die türkischen Sicherheitskräfte ihre Kontrollen verschärften, zeigt dieses seit 2013 verheerendste Attentat, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend sind.

Die Türkei unterschätzte offenbar die Vorgänge im Nachbarland. Die Gefahr, dass die Kämpfe zwischen der Kurdisch-demokratischen Partei (Kurdish Democratc Party, PYD), dem syrischen Äquivalent der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und dem IS überschwappen könnte, wurde unterschätzt. Nach dem Anschlag von Suruc warnen türkische Terrorismus-Experten vor weiteren Anschlägen in der Türkei.

Zügige Koalitionsverhandlungen nötig

Auf einer Pressekonferenz am 21. Juli erinnerte Premierminister Davutoğlu an frühere Terroranschläge in der Türkei. "Die Attentate zeigen, Al-Kaida die PKK und der IS alle Kinder des gleichen Geistes sind." Unmittelbar nach dem Attentat am Montag rief Davutoğlu alle politischen Parteien zu einer gemeinsamen politischen Erklärung auf, die den Terrorismus verurteilte und sich eine gemeinsame Haltung aller Parteien aussprach.

Allerdings sind in der Türkei die Tage längst vorbei, wo es reichte, reine Absichtserklärungen zu unterzeichnen. Nicht nur an den Grenzen, sondern im gesamten Land müssen ernsthafte Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden. Auch die Präsenz von IS-Schläferzellen in der Türkei muss dringend angesprochen werden. Nicht zuletzt müssen die politischen Parteien die Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung nun zügiger abgehen. Offenbar kann nur eine neue Regierung mit einem neuen Blick auf diese Herausforderungen der Türkei eine bessere und sichere Zukunft verschaffen.

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