Kommentar: Schluss mit dem Homöopathie-Hokuspokus | Kommentare | DW | 14.07.2019
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Wissenschaft

Kommentar: Schluss mit dem Homöopathie-Hokuspokus

In Frankreich wurde entschieden, dass Patienten zukünftig homöopathische Mittel selbst zahlen müssen. Auch in Deutschland ist eine Debatte entfacht. Für Fabian Schmidt gibt es da keine Diskussion.

Die Homöopathie ist eine obskure Irrlehre. Vermeintliche Heilungserfolge erklärt sie mit einem mystisch-magischen "Gedächtnis des Wassers", mit "Energie" und "Schwingungen." Dieser Hokuspokus ist um nichts wissenschaftlicher als die Geisterbeschwörungen der Santeria-Vodoo-Priester in Haiti.

Homöopathie ist durch die moderne Medizin eindeutig widerlegt. Damit gehört diese Ideologie allerhöchstens noch ins Gruselkabinett medizinhistorischer Forschung. Am besten legt man sie ganz hinten im letzten Regal ab - weit versteckt hinter den verstaubten, in Alkohol eingelegten Exponaten aus der pathologischen Sammlung von Rudolf Virchow. Denn dessen Grusel-Fundstücke sind immerhin noch ein Teil echter wissenschaftlicher Forschung gewesen und haben vor über einem Jahrhundert den Grundstein gelegt für die heutige moderne Medizin.

Fabian Schmidt, Wissenschaftsredakteur (Foto: DW)

Fabian Schmidt

Medizin darf nicht beliebig sein

Seitdem Rudolf Virchow sich mit Zellen befasst hat und Robert Koch die Bakterien entdeckte, ist viel passiert: Heute geht es in der Medizin um die molekulare Ebene. Unsere medizinische Forschung ist durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms besser und leistungsfähiger geworden denn je.

Noch nie war das Verständnis für Prozesse, die im Körper ablaufen und für das Zusammenspiel von Enzymen, Hormonen und Proteinen umfassender als heute. Die Forschung arbeitet mittlerweile sogar an individuell maßgeschneiderten Molekülen für die personalisierte Krebsmedizin.

Gerade weil die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse heute so präzise, umfassend und nachprüfbar sind, darf der Ärztestand es nicht zulassen, dass die Medizin weiterhin durch unwissenschaftliche Glaubenslehren aus der Zeit Napoleons der Beliebigkeit preisgegeben und damit entwertet wird.

Endlich Stellung bezogen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat sich nun endlich klar gegen die Finanzierung von Globuli und Co positioniert. Die universitäre Forschung und auch die wissenschaftlich forschenden Pharmaunternehmen müssen unbedingt folgen: Homöopathie muss geächtet werden! Sie gehört weder in Arztpraxen noch in Apotheken oder seriöse Forschungslabore. 

Auch in den Lehrplänen medizinischer Fakultäten hat diese Esoterik nichts verloren. Lasst die Globuli den Historikern, die sich mit den Irrwegen der Medizingeschichte beschäftigen, den Ethnografen, die abergläubische Rituale beschreiben oder den unverbesserlichen Schamanen, die davon nicht lassen können. Aber die haben dann wenigstens keine ärztliche Approbation.

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