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Die US-Weltraumarmee ist reine Symbolpolitik

13. August 2018

Die Ankündigung von Donald Trump, ein "US Space Command" ins Leben zu rufen, wird an der militärischen und zivilen Nutzung und Erforschung des Weltalls nichts ändern, meint Fabian Schmidt.

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Star Wars Rogue One
Bild: picture alliance/dpa/ AP Photo/Lucasfilm

Neben der Army, der Navy, den Marines, der Küstenwache und der Air Force werden die US-Streitkräfte also nun auch noch eine Weltraum-Armee bekommen – das US Space Command. Das weckt starke Erinnerungen an Ronald Reagans Star Wars Programm.

Die einen sehen es als Zeichen, dass der Krieg der Sterne endlich ernst genommen wird: Der Westen rüstet sich vielleicht bald im All mit Raketenabwehr-Technik gegen nukleare Angriffe aus irgendwelchen Schurkenstaaten oder aus feindlich gesinnten möchtegern-Weltmächten wie Russland oder China. Er schützt seine – tatsächlich immer mehr im Erdorbit installierte – Kommunikations-, Erdbeobachtungs- und Navigations-Infrastruktur gegen die Zerstörung durch feindliche Killersatelliten. Und er wehrt Hackerangriffe ab, deren Ziel es ist, die für unsere komplexen Gesellschaften lebenswichtigen Anlagen zu übernehmen oder lahmzulegen.

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DW-Wissenschaftsredakteur Fabian Schmidt

Kritiker fürchten hingegen eine Militarisierung des Weltraums. Die vorbildliche internationale Kooperation, die wir etwa auf der Internationalen Raumstation (ISS) sehen, könnte dabei unter die Räder geraten – und damit auch die friedensstiftende Brückenfunktion der zivilen Weltraumforschung. Militarisierung, Misstrauen und Spionage stünde uns in der Raumfahrt bevor. 

Doch weder die Hoffnungen der Einen, noch die Befürchtungen der Anderen werden sich durch Trumps Entscheidung erfüllen. Im Kern wird sich nämlich gar nichts ändern.

Das Weltall ist schon längst militarisiert

Weltraumforschung wurde seit jeher durch das Militär vorangetrieben. Die gesamte heutige Raketentechnik hat ihren Ursprung in der militärischen Forschung. Angefangen hat es mit dem Bau von Hitlers sogenannter "Wunderwaffe", der V2 in Peenemünde.

Von dort ging die Raketentechnik samt Ingenieuren quasi als Kriegsbeute direkt in die Sowjetunion. Auch die USA griffen auf V2-Entwickler zurück. Der bekanntesten von ihnen war Wernher von Braun.

Der Wettlauf ins All zwischen den beiden Weltmächten war technologisch nicht zu trennen von der Entwicklung und dem Bau von Interkontinental-Raketen, deren einziges Ziel es ist, Städte auf der anderen Seite der Erde mit Atombomben zu zerstören.

Auch die ersten Erdbeobachtungssatelliten wurden für die Militärs in ihre Umlaufbahnen geschossen – als Spionagesatelliten zur Feindbeobachtung. Sie lieferten Bilder lange bevor ähnliche zivile Anwendungen marktreif wurden. Der erste bemannte Flug von Juri Gagarin – kurz vor der Kuba-Krise – war natürlich ein Symbol militärischer Macht.

Ähnlich war es mit der Satellitennavigation. Sie war ursprünglich ein militärisches Projekt und wurde erst später auch für zivile Anwendungen freigegeben – allerdings anfangs noch mit geringerer Präzision. Und auch heute haben die Militärs für die Satellitennavigation einen Not-Aus-Schalter in der Hand.

Die Weiterentwicklung der Raumfahrt war also immer die andere Seite der Medaille des Rüstungswettlaufes. Beides lief Hand in Hand, und die beteiligten Industrien bauten stets beides: Forschungssatelliten und Raumkapseln genauso wie Marschflugkörper und Interkontinentalraketen. 

Die unzähligen wirtschaftlichen Aktivitäten, die es heute zwischen Orbit und Erde gibt, sind alle erst seit den 1980er Jahren im Gefolge des militärisch inspirierten Wettlaufs ums All entstanden.   

Mehr dazu: Raketenabwehrsysteme und ihre Grenzen

USA bauen Raketenabwehr in Südkorea auf
Abwehrsysteme sind gegen Interkontinentalraketen machtlos. Bild: picture-alliance/dpa/R. Scott/Department Of Defense

Alter Wein in neuen Schläuchen

Bisher laufen alle militärischen Weltraumaktivitäten der USA unter der Federführung der Luftwaffe, mit Ausnahme gewisser Teile der Seegestützten Raketenabwehr, die zur Navy gehören. Und die Luftwaffe tut schon jetzt alles, was in ihrer Macht liegt, um die eigene militärische Infrastruktur im Erdorbit abzusichern. Was sich nun vor allem ändern wird, ist, dass der neue Teilbereich der Streitkräfte diese Aufgaben von der Luftwaffe übernehmen wird.

Die NASA, die vor allem die zivile Raumfahrt und Forschungsaktivitäten in ihrer Verantwortung hat, wird das natürlich auch weiter tun. Und über sie wird auch weiterhin die zivile Kooperation mit den anderen internationalen Partnern laufen – mit Roskosmos, der ESA oder der japanischen Raumfahrtagentur JAXA - und natürlich die Arbeit auf der ISS.

Von heute auf morgen wird sich auch kein neues Star Wars Programm umsetzen lassen. Die heutigen Raketenabwehrsysteme sind nach wie vor nur in der Lage, mit Kurz- und Mittelstreckenraketen umzugehen. Primitive Kassam-Raketen lässt etwa der israelische Iron Dome kaum noch durch. Bei Mittelstreckenraketen funktioniert Raketenabwehr immer noch, aber auch hier gibt es eine nicht ganz so gute Trefferquote. Raketenabwehr versagt ohnehin, wenn die Anzahl der angreifenden Raketen zu groß wird.

Gegen Interkontinentalraketen ist ohnehin bisher kein Kraut gewachsen. Und es wird in absehbarer Zeit auch mehr Fiction bleiben als Science. Denn es ist nicht einfach, so schnell fliegende Raketen ohne lange Vorwarnzeit vom Himmel zu holen – selbst mit den besten Killersatelliten. Daran wird auch die Gründung eines Space Command am grünen Tisch nichts ändern. Das einzige was es sicher bringt: Zuständigkeitsgerangel mit der Luftwaffe und damit höhere Kosten. 

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Fabian Schmidt Wissenschaftsredakteur mit Blick auf Technik und Erfindungen