Kommentar: Mainz behält die Ruhe | Fußball | DW | 29.09.2013
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Fußball

Kommentar: Mainz behält die Ruhe

Bei Mainz 05 klappt gar nichts mehr: Die letzten fünf Spiele gingen allesamt verloren. Doch der Trainer wird nicht in Frage gestellt. Daran könnten sich andere ein Beispiel nehmen, findet DW-Redakteur Dirk Kaufmann.

Am Anfang war noch alles gut, sehr gut sogar. So souverän war der FSV Mainz 05 noch in keine seiner Bundesligasaisons gestartet: Drei Spiele, drei Siege. Seither reihen die Mainzer aber eine Pleite an die andere. In der Liga verloren die 05er ihre Heimspiele gegen Schalke und Leverkusen, in Hannover setzte es genauso wie bei Aufsteiger Hertha eine Niederlage. Noch schlimmer: In der vergangenen Woche verloren die Mainzer ihr DFB-Pokalspiel im eigenen Stadion gegen den Zweitligisten 1. FC Köln.

Das Gute in dieser schlechten Situation ist allerdings das, was man nicht hört und liest – Kritik am Trainer nämlich. Thomas Tuchel steht nicht zur Disposition. Bei vielen Vereinen wäre der Trainer unter starkem Beschuss. Vorgesetzte und Fans würden die Geduld verlieren, ebenso wie viele Medienvertreter. Sie alle würden fragen: Erreicht der Trainer seine Spieler noch? Hat er die richtigen Antworten auf die aktuellen Herausforderungen? Ist er dem harten Bundesligageschäft vielleicht nicht gewachsen?

Die Ruhe hat schon Tradition

In Mainz ist das offensichtlich nicht so. Das ist umso bemerkenswerter, als die Rheinland-Pfälzer auch anders können, Tuchels Vorgänger war sogar spektakulär früh gefeuert worden: Jörn Andersen, unter dessen Leitung die Mainzer den Wiederaufstieg geschafft hatten und als Zweitligist ins Pokalhalbfinale eingezogen waren, wurde 2009 sogar noch kurz vor Beginn der Saison entlassen.

Dirk Ulrich Kaufmann, Deutsche Welle

Dirk Kaufmann

Doch schon bei dessen Vorgänger, bei Jürgen Klopp, hatte der Verein größere Geduld bewiesen: Sieben Jahre saß der spätere Dortmunder Meistertrainer bei Mainz auf der Bank und durfte mehr als einmal am Saisonziel "Bundesligaaufstieg" scheitern – entlassen wurde er nicht und bis heute gilt er in Mainz als Volksheld.

Entlassungen bringen eh nichts

Sicher, Trainerentlassungen gibt es auch schon mal bei Mannschaften, die in der Tabelle relativ weit oben stehen, aber eben nur selten. Und ein Blick auf die Statistik zeigt: Die meisten Entlassungen bringen auf lange Sicht gar nichts, spätestens in der nächsten Saison steht die Mannschaft wieder unten.

Wenn ein Verein einen Trainer verpflichtet, dann doch bestimmt, weil er von dessen Qualitäten überzeugt ist. Dann kann er ihm auch in schweren Zeiten die Stange halten. Manche Vereine scheinen so nachhaltig zu denken: Eintracht Braunschweig und der SC Freiburg - beide stehen in der Tabelle ganz unten - haben, wie Mainz 05, ihre Trainer nicht entlassen. Die Fußballlehrer Lieberknecht, Streich und Tuchel dürfen ihre Arbeit fortsetzen.

Hamburg oder Stuttgart scheint solch nachhaltiges Denken fremd zu sein. Oder hatten Thorsten Fink und Bruno Labbadia etwa keinen Plan, wie das Spiel der eigenen Mannschaft besser werden könnte? Und wenn sie keinen Plan gehabt haben sollten, warum waren sie dann überhaupt verpflichtet worden? In Mainz kann man durchaus davon ausgehen, dass am Saisonende noch immer der aktuelle Trainer unter Vertrag steht. Und das wäre auch gut so.