Kommentar: Gefühlter Abgang | Kommentare | DW | 02.11.2019
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Bayern München

Kommentar: Gefühlter Abgang

Verlieren ist eines, vorgeführt zu werden etwas anderes und für den FC Bayern München in der Bundesliga nicht akzeptabel, meint DW-Redakteurin Sarah Wiertz. Sie rechnet mit einer emotionalen Reaktion von Uli Hoeneß.

Es muss ihn doppelt und dreifach schmerzen: Erstmals seit 16 Spielen verliert der FC Bayern München in der Bundesliga eine Partie gegen Eintracht Frankfurt. Und das nicht knapp, sondern deutlich mit 1:5. Und dann auch noch ausgerechnet in Frankfurt, dort, wo Niko Kovac sich in nur zwei Jahren einen Namen als Trainer gemacht hat, dort, wo Vereinsverantwortliche, Spieler und Fans ihn für seine Arbeit und seine Art und Weise schätzten und teilweise verehrten.

Über mangelnde Wertschätzung hat sich Kovac bereits des öfteren in den letzten anderthalb Jahren in München beschwert. Nun dürfte auch noch Häme und Spott dazu kommen. Fünf Gegentore sind - auch wenn Jerome Boateng nach zehn Minuten vom Platz verwiesen wurde - für den deutschen Rekordmeister nicht akzeptabel. Verlieren ist eines, vorgeführt zu werden etwas anderes.

Spielerisch hat sich nach dem Beinahe-K.o. im DFB-Pokal unter der Woche gegen Zweitligist VfL Bochum nichts verbessert, im Gegenteil: Bester Mann auf dem Platz war Torwart Manuel Neuer. Vor dem Foul von Boateng und dem daraus resultierenden Platzverweis in der zehnten Minute kurz vor dem eigenen Strafraum ging ein unnötiger Ballverlust im Sechzehner auf der anderen Seite voraus. Dem Starensemble unterlaufen viel zu viele einfache Fehler - generell in dieser Saison, diesmal in Frankfurt speziell.

DW Kommentarbild Sarah Wiertz

DW-Redakteurin Sarah Wiertz

Zuletzt hatte Kovac die Einstellung seiner Spieler kritisiert. Er forderte mehr Einsatz in den Zweikämpfen. Und die Profis sollten von Beginn an beim Spiel da sein. Auch diesmal hat die Mannschaft davon nichts umgesetzt. Da drängt sich die Frage auf, ob Kovac überhaupt zu seinen Spielern durchdringt? Die Tabellenplatzierung - Rang vier - ist am zehnten Spieltag nicht entscheidend, die Spielweise dagegen schon, ebenso die Signalwirkung, die von der höchsten Bundesliga-Niederlage der Bayern seit zehn Jahren ausgeht.

Mit monotoner, leiser Stimme antworte Kovac nach der Partie am Sky-Mikrofon auf die Frage, ob er noch den Rückhalt bei den Verantwortlichen spüre. "Diejenigen, die entscheiden, müssen gefragt werden. Mein Gefühl ist nicht wichtig." Dem scheidenden Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß dagegen ist bekanntermaßen das Gefühl ganz besonders wichtig.