Kommentar: Aus dem Innenleben einer Krabbelgruppe | Kommentare | DW | 14.12.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Standpunkt

Kommentar: Aus dem Innenleben einer Krabbelgruppe

Politiker sind auch nur Menschen. Aber übertreiben sollten die es mit ihren seelischen Befindlichkeiten nicht. Konservative und Sozialdemokraten müssen jetzt zügig über eine neue Regierung verhandeln, meint Jens Thurau.

Wir haben verstanden: Die SPD hat große, sehr große Probleme sogar, noch einmal mit CDU und CSU zu regieren. Denn sie ist in den vergangenen vier Jahren (wie die FDP zwischen 2009 und 2013 auch) von Angela Merkel niederregiert worden. Die SPD wäre deshalb gern in die Opposition gegangen, um sich dort zu erholen - das haben wir verstanden. Aber jetzt kann eben nur ein neues Bündnis von SPD und Union schnelle Neuwahlen verhindern.

Was genau ist Sondierung?

Am Mittwoch Abend dieser Woche haben die Spitzen der drei Parteien zweieinhalb Stunden "sondiert". Das ist auch so ein neues Modewort, das einfach mal so gesetzt wird, ohne es näher zu erklären. Sondieren steht im politischen Betrieb für beschnuppern. Mag ich den anderen? Entsteht eine Phantasie, ob ich mit dem was auf die Beine stellen kann? Das dürfte "sondieren" bedeuten.

Thurau Jens Kommentarbild App

Jens Thurau ist Korrespondent im Hauptstadtstudio

Wie beim Agentenaustausch

Dabei ist es doch so: Die, die sich da beschnuppern, haben die vergangenen vier Jahre zusammen regiert. Sie tun es sogar jetzt noch, auch in diesem Moment - als geschäftsführende Regierung. Da sollten sie also eigentlich gleich loslegen können mit dem Verhandeln, denn sie müssen sich ja nicht mehr einander vorstellen. Aber die SPD will erst am Freitag entscheiden, ob sie überhaupt "sondiert". Denn das am Mittwoch war noch gar keine "Sondierung", lernen wir, sondern nur ein Vorgespräch darüber. Über den Ort dieses Gesprächs wurde übrigens am Mittwoch während des Tages ein Geheimnis gemacht, als gelte es, einen Agentenaustausch zu organisieren.

Kooperationskoalition? Was ist das denn?

Der Grund dafür: Die SPD, die ja lieber Opposition sein will, muss so tun, als wenn sie nur als allerletzte Möglichkeit, gezwungen von den Umständen, unter großen Schmerzen, doch noch mal mitregiert. Zwischendurch präsentiert sie wunderbare Ideen wie die einer "KoKo" - eine Kooperationskoalition. Das ist was ganz Neues, eben erst erfunden und soll gewissermaßen eine halbe Regierung sein, in der die SPD bei einigen Punkten mitregiert und in anderen nicht.

Jetzt reicht es!

Und an dieser Stelle platzt einem der Kragen: Genug jetzt! Kann sein, dass es nicht reicht für weitere vier Jahre Große Koalition. Aber wenigstens verhandeln muss man darüber, sofort und ohne wochenlanges Vorgeplänkel. Inhaltlich kann die SPD dabei soviel durchsetzen wie lange nicht mehr, denn Angela Merkel braucht die Sozialdemokraten. Wenn es nicht geht, gibt es Neuwahlen. Oder eine Minderheitsregierung - ja, auch das kann klappen. Hier ist allerdings die Kanzlerin die mit der Befindlichkeit: Weil sie dann nämlich ihre Vorhaben im Parlament tatsächlich begründen und um Zustimmung werben müsste. Und das mag sie nicht gern, wissen wir. Müsste dann aber so sein. Es gibt jedoch Schlimmeres im Leben.

Muss man ausdrücklich daran erinnern, dass bei allem Leid, allen Magenschmerzen und seelischen Zumutungen immer noch die Rede ist von den beiden Parteien, die bei der Bundestagswahl Platz Eins und Platz Zwei belegt haben? Die die Stimmen vieler Millionen Menschen bekommen haben? Also: Schluss mit dem Selbstmitleid und über Inhalte reden. Jetzt. Ohne "Sondierung". Die braucht kein Mensch. 

Sie können unterhalb dieses Artikels einen Kommentar abgeben. Wir freuen uns auf Ihre Meinungsäußerung!

Die Redaktion empfiehlt