Kommentar: AfD 2.0 | Kommentare | DW | 04.07.2015
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Kommentare

Kommentar: AfD 2.0

Der Machtkampf in der AfD ist beendet. Frauke Petry hat gewonnen. Damit wird sich mehr ändern als nur der Kopf an der Parteispitze, meint Kay-Alexander Scholz. Die AfD wird mutiger und am rechten Rand lauter werden.

Die "Alternative für Deutschland" (AfD) wird wohl keine Eintagsfliege in der deutschen Parteienlandschaft bleiben. Und damit werden sich die anderen Parteien auf eine neue Konkurrenz einstellen müssen. Bisher ließ sich die AfD als rechtspopulistische und sprunghafte Partei kleinreden. Weil Bernd Lucke, die Gallionsfigur der Gründerzeit, seine Positionen häufig wechselte. Die neue Chefin, Frauke Petry, hat beim Bundesparteitag in Essen ein deutlich klareres Profil versprochen. Sie rief ihre Partei auf, mehr "politisches Rückgrat" zu zeigen. Angriffe des Gegners müssten ausgehalten werden. Die Frau, die sich den Pegida-Demonstranten zugewandt hatte, will auch zukünftig auf die Themen der Straße eingehen.

Ihr Parteifreund Marcus Pretzell aus dem größten Landesverband Nordrhein-Westfalen sprach von gewollter "Systemkritik" und "Anti-Establishment". Ganz so weit geht Petry nicht, weil sie als neue Chefin auch den liberaleren Teil der AfD integrieren will, auf den die AfD als kleine Partei nicht verzichten kann. Aber zusammen werden sie die AfD verändern. Die Aussagen zum Islam und zur Zuwanderung werden pointierter werden. Auch das Russland-Bild im Petry-Lager ist differenzierter als unter Lucke. Als neues Lieblingsthema deutet sich zudem die Familienpolitik an. Die Deutschen sollen wieder mehr Kinder kriegen - und zwar in "klassischen Ehen" von Mann und Frau.

Die AfD wird jünger

Der Ton wird auch deshalb kämpferischer werden, weil die 40-jährige Petry einer jüngeren Generation angehört als Lucke und sein Professoren-Lager. Es wird wohl in der AfD zukünftig weniger gemeckert und mehr Tacheles geredet werden. Jünger wird die AfD auch deshalb, weil Petry beim Partei-Nachwuchs viele Fans hat. Am Vorabend des Parteitags wurde sogar gemeinsam gefeiert. Es ist deshalb wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die "Junge Alternative" (JA) offiziell als Nachwuchsorganisation anerkannt wird. Lucke hatte das zu verhindern versucht, weil es aus der JA immer wieder radikale Äußerungen gab.

Porträt Kay-Alexander Scholz (Foto: DW)

DW-Redakteur Kay-Alexander Scholz

Überraschend war in Essen zu beobachten, wie diszipliniert sich die Basis verhielt - trotz der sommerlichen Rekordhitze und trotz des monatelangen zermürbenden Streits in den Orts- und Kreisverbänden als Ergebnis des Macht- und Flügelkampfes zwischen Lucke und Petry. Das Lucke-Lager blieb nach der Niederlage im Saal sitzen - ein Signal, dass seine Anhänger auch unter Petry weiterarbeiten wollen. Wahrscheinlich wurde der Streit gerade rechtzeitig befriedet. Und weiterhin gibt die AfD ein recht bürgerliches Bild ab, lässt man den Blick durch den Saal schweifen oder hört den Mitgliedern zu.

Doch der nächste Kampf deutet sich bereits an. Es gibt eine Strömung in der AfD, die Petry weiter nach rechts treiben will und darauf wartet, dass sie als Vorsitzende scheitert. Doch das wird nicht so schnell passieren. Erst einmal will und soll Petry die AfD wieder aufrichten und dauerhaft in der Parteienlandschaft etablieren. Mit dem Parteitag in Essen hat die AfD an Kraft gewonnen.

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